Kranken Bäckern droht Abzug vom Urlaub

Die bayerische Bäcker-Innung hat den Tarifvertrag gekündigt. Sie habe einen wahren Horror-Katalog vorgelegt, sagt die Gewerkschaft NGG.

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Die rund 950 Bäckerei-Beschäftigten im Landkreis Neu-Ulm stehen vor enormen Einschnitten. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt, hat die bayerische Bäcker-Innung den Tarifvertrag gekündigt. "Das ist ihr gutes Recht. Jedoch haben die Arbeitgeber ohne jeden Grund einen wahren Horror-Katalog vorgelegt. Danach sollen sogar Krankheitstage von den Urlaubstagen abgezogen werden", sagt Tim Lubecki, Geschäftsführer der NGG-Region Schwaben. Den Bäckern und Verkäuferinnen droht zudem mehr Arbeit am Sonntag, und es soll kein Urlaubsgeld mehr geben.

Lubecki meint, damit schneiden sich die Arbeitgeber auch "ins eigene Fleisch": Man könne nicht die Tradition im Bäcker-Handwerk hochhalten und gleichzeitig Fachkräfte durch schlechte Arbeitsbedingungen vergraulen. "Gerade wenn man junge Leute für die Ausbildung gewinnen will, muss der Job in der Bäckerei attraktiv bleiben." Schon heute gebe es den Trend, dass im Verkauf immer weniger Fachkräfte arbeiten wollen.

Bislang gilt in bayerischen Bäckereien ein Manteltarifvertrag für alle Mitarbeiter - vom Bäcker über die Verkäuferin bis zur Reinigungskraft. "Auch im Kreis Neu-Ulm haben die Beschäftigten dadurch Sicherheit im Job. Wenn es nach den Bäcker-Chefs geht, soll damit ab Oktober Schluss sein", sagt Lubecki. "Der Gipfel ist die geplante Urlaubsregelung. Von 30 Urlaubstagen sollen bis zu zehn Tage mit einzelnen Krankentagen verrechnet werden."

Gerade in einer Branche mit hoher körperlicher und psychischer Belastung sei das "eine enorme Zumutung" für die Beschäftigten. "Die Arbeitgeber sollten ihre Angriffe zurücknehmen und sich lieber Gedanken machen, wie man gemeinsam die Arbeitsbedingungen in der Branche verbessern und damit gutes Fachpersonal gewinnen kann", fordert Lubecki. In der aktuellen Situation haben nur Gewerkschaftsmitglieder nach Oktober noch Anspruch auf die Vorteile des alten Tarifvertrags. Vom Landesinnungsverband der Bäcker war am Donnerstag niemand zu erreichen.

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Kommentare

28.08.2015 16:44 Uhr

Bäcker haben's schwer

Mein Bruder ist Bäcker und das bedeutet ein Leben abseits normalen Familienalltags bei vergleichsweise geringem Lohn. Mit drei Kindern ist der Alltag kaum zu bewältigen. An gemeinsame Wochenenden ist kaum zu denken - jedenfalls nicht, wenn man auch mal schlafen muss. Dabei ist er noch gut dran weil er als Demeter Bäcker hochwertiges Handwerk betreibt und die meisten Backbetriebe solche Arbeiter händeringend suchen. Wer immer für die bayrischen Einschnitte verantwortlich ist, sollte mal einen Monat lang in einer Bäckerei arbeiten müssen, um zu verstehen wie wirklichkeitsfremd diese Vorschläge sind und wie sie bestens dazu geeignet sind, das Bäcker Handwerk vollends zu erledigen. Wenn die Bayern eine richtige Brez'n haben wollen und keinen Verschnitt aus der Tiefkühltruhe, dann sollten sie sich schnellstens hinter die Bäcker stellen.

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28.08.2015 14:43 Uhr

Wertigkeit

Dieser Artikel findet in der Papierausgabe der SWP ihren Platz auf Seite 17, "Region", eher bemerkbar als Randnotiz. Dafür wird dem FC Bayern eine halbe Seite mit fetter Schlagzeile bezüglich ihres Losglücks gewidmet.

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