Kranke Hunde übers Internet

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Elke Geiwiz mit ihrem Border Collie und dem achtmonatigen kranken Mischlingsrüden „Mirko“: Der Welpe kam mit einem Herzfehler auf die Alb und braucht jetzt besondere Betreuung.  Foto: 

Vor dem Haus von Elke Geiwiz spielen derzeit gleich zwei Hunde. Denn zusätzlich zur eigenen Border Collie-Hündin hat sie den achtmonatigen Mischlingsrüden „Mirko“ aufgenommen. Das lustige Tier ist krank, braucht besondere Betreuung. Dabei wurde es erst kürzlich von einer Familie, die nahe Laichingen wohnt, gekauft. Allerdings über das Internet bei einem ausländischen Händler.

Alles schien perfekt: Die Familie erhielt zusammen mit dem Hund einen Impfpass ausgehändigt und Papiere, die ihr bestätigten, einen rundum gesunden Hund zu bekommen. Mutter, Vater und Kinder freuten sich an dem quirligen Kerlchen. Die Familie wollte alles richtig machen, meldete Mirko zur Welpenschule bei der von Elke Geiwiz gegründeten Hundeschule Laichingen an. Mirko fügte sich bestens in die muntere Welpenschar ein.

Doch dann erreichte die Hundetrainerin ein Anruf. Beim ersten turnusmäßigen Tierarztbesuch in Deutschland wurde bei Mirko ein schlimmer Herzfehler festgestellt. Entweder brauche Mirko eine Herzoperation oder einen Halter, wo er sein sehr wahrscheinlich kurzes Hundeleben ohne jeden Stress leben könne, so hieß es. Für die Familie platzte ein Traum vom schönen Leben mit einem Hund, bevor er in Erfüllung gegangen war.

Die teure Operation sei nicht zu stemmen, entschied die Familie. Und mit Kleinkindern zusammen könne Mirko auch kein wirklich ruhiges Leben haben. Der Händler wollte von einer Rücknahme nichts wissen. So erbarmte sich Elke Geiwiz und nahm den jungen Hund auf: „Soll ich diesen freundlichen und lebensfrohen Hund einschläfern lassen?“

Die in Laichingen praktizierende Tierärztin Edith Schmid kennt solche Fälle von unseriösem und oftmals illegalem Hundehandel übers Internet aus ihrer Praxis zur Genüge. Zahlreiche solcher Welpen landen bei ihr auf dem Behandlungstisch. Wenn auch der Anteil jener, die krank oder in schlechtem Zustand sind, insgesamt zurückgegangen ist. Die Gefahren solcher Tierkäufe im Internet seien lange gar nicht sichtbar, sagt die Tierärztin.

Am meisten Probleme machen die Tiere nach dem verspielten Welpenalter. Der Grund dafür liegt im fehlenden Urvertrauen der Tiere, der Basis für ein gesundes und stabiles Wesen. Denn die Welpen werden meist viel zu früh von ihrer Mutter getrennt. „In einer sensiblen Phase sind die Tiere allein und werden durch den Transport traumatisiert“, erklärt Edith Schmid. Ängstliche, unsichere und daher möglicherweise auch aggressive Tiere können die Folge sein. „Eine Korrektur solcher Fehlprägungen ist meist schwierig, braucht viel Geduld und oft ist ein erfahrener Hundetrainer nötig.“

Zwar hat Tierarzt Dr. Jakob Pfetsch aus Merklingen viele solcher im Internet gehandelter Tiere in seiner Praxis, die „lieb, dankbar und unauffällig“ sind. Dennoch schätzt er die Gefahr von Verhaltensstörungen als groß ein. „Wer darauf achtet, wo der Hund herkommt und die Elterntiere kennt, spart sich oft Ärger, Zeit und Geld“, sagt er.

Deshalb vermittelt er, wie auch die meisten anderen Tierärzte, Welpen von ihm bekannten Züchtern. Allerdings, so bedauert er, zieht sich das für viele Interessenten oft zu lange hin und gekauft wird dann doch über das Internet, wo der Handel meist innerhalb weniger Tage vollzogen wird.

Vor allem Rassetiere, die deutlich günstiger angeboten werden als bei registrierten Züchtern, sind verdächtig. Immer wieder treten dann spezifische Erbkrankheiten auf, die erst im Erwachsenenalter erkennbar werden. Teure Arztrechnungen oder der frühe Tod des Hundes sind die Folge.

Unseriöse und oft illegale Hundehändler würden „astronomisch gut“ verdienen, schreibt „Tasso“, das Zentralregister für Haustiere in Deutschland, auf seiner Homepage. Das Problem erkennen immer mehr Verbände, wollen aufklären und gehen in die Offensive mit der Kampagne „Wühltisch­welpen nein Danke. Welpen sind keine Ware.“ Das System kann nur funktionieren, wenn die Händler Abnehmer für ihre Hunde haben.

Partner der Offensive  „Wühltischwelpen“ sind neben TASSO der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen), der „Bund gegen Missbrauch der Tiere“, die tierärztliche Vereinigung für Tierschutz, die Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin, die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, sowie der Deutsche Tierschutzbund. Sie fordern unter anderem eine europaweite Chip- und Registrierpflicht und rechtsverbindliche Standards für Zucht und Haltung.

Unseriöse und illegale Tierhändler sind nicht zu verwechseln mit seriösen Organisationen, die Hunde vermitteln, die aus misslichen Haltungen stammen. Daher hilft nur eines: Augen auf beim Welpenkauf. Wichtig ist, die Welpen vor dem Kauf zu besuchen und dabei auch die Mutter zu sehen. Es gebe richtige „Welpenfabriken“, die nicht nur kranke Welpen hervorbringen, sondern Mutterhunde unter grausamen Bedingungen halten, sagen Tierschutzverbände. sgk

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