Kirchenserie

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  •  Am kommenden Sonntag läuten die Glocken der Wangener St. Wendelinus-Kapelle wieder einmal zum Gottesdienst. Es wird Patrozinium gefeiert. 1/2
     Am kommenden Sonntag läuten die Glocken der Wangener St. Wendelinus-Kapelle wieder einmal zum Gottesdienst. Es wird Patrozinium gefeiert. Foto: 
  • Die Vorgängerkapelle am gleichen Standort.  2/2
    Die Vorgängerkapelle am gleichen Standort. Foto: 
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In Wangen ist es eine alte und lieb gewordene Tradition, das Patrozinium der örtlichen Kapelle mit einem zünftigen Dorffest und eine Segnung für Pferde und Fahrzeuge zu verbinden. Am kommenden Sonntag ist es wieder so weit: Um zehn Uhr beginnt der Festgottesdienst im „Käppele“, wie die Wangener ihr Gotteshaus liebevoll nennen. Die Segnung und ein Mittagstisch im Schützenheim schließen sich an. Serviert wird vom Schützenverein, der den Namen des Kirchenpatrons trägt: St. Wendelinus, der Schutzheilige der Hirten und Pferde. Jener Wendelinus ist in und um die Kapelle gleich dreimal zu sehen. Links neben dem Chor als Skulptur, als Hirte mit Hut, Hippe und Schaf, unter der Empore auf Holz gemalt als Königssohn, der Krone und Zepter niedergelegt hat, und schließlich als Brunnenfigur an der Durchgangsstraße.

Bürgerstiftung engagiert

Jener Brunnen geht ebenso auf eine Bürgerstiftung, als Folge des Umbaus der alten Schule zum Bürgerhaus, zurück wie die beiden Glocken im Turm der Kapelle. Der Neubau Anfang des 20. Jahrhunderts und die umfangreichen Sanierungen 1963 bis 1969 sowie 2004 mit Hilfe von Spenden und viel ehrenamtlicher Arbeit zeigen deutlich, wie viel wert den Wangenern ihr „Käppele“ war und ist.

Das bestätigt auch Heidi Aubele, die sich seit sechs Jahren mit viel Herzblut als Mesnerin um die Kapelle kümmert: „Wenn man etwas braucht, sind alle Wangener da.“ Dazu gehört auch Georg Nothelfer, früher zwölf Jahre Vorsitzender des Schützenvereins Wendelinus, jetzt Schützenmeister des Gaus Iller-Illertissen. Für Nothelfer ist das „Käppele“ ohne Wenn und Aber der Dorfmittelpunkt. Es stifte den Wangenern Identität. Nothelfers Vater hat eine Ortschronik verfasst, in der viel Wissenswertes über das Wangener Gotteshaus steht. Zum Beispiel, dass die Vorgängerkapelle im Jahre 1771 erbaut und zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den heutigen Kirchenbau ersetzt worden ist. „Die alte Kapelle stand fast am selben Ort, allerdings mit der Langseite zur Straße“, weiß Nothelfer zu berichten.

Laut Nothelfer-Chronik hatte die Kapellenstiftung bis 1888 genau 1372 Mark und 50 Pfennige für den Neubau angespart, die beiden Glocken kosteten seinerzeit 414 Mark. Weiter ist in der Chronik zu lesen: „Der Käppelesmesner hat ein Jahresgehalt von 50 Mark.“ Den Dachstuhl errichtete übrigens der Dietenheimer Zimmermeister August Keller.

1960 gibt es eine Turmuhr

Georg Nothelfer erinnert sich noch gut an die Renovierung in den 1960er Jahren: „Vorher hatte unsere Kapelle noch ein anderes, spitzes Dach und bestand aus rotem Klinker“, was ihm persönlich besser gefallen habe. Damals erhielt die Wangener Kapelle eine Turmuhr und eine Sakristei. Die zweite große Renovierung im Jahr 2004 war nach einem Riss im Chorbogen notwendig geworden. Eine Stahlstange soll künftige Schäden verhindern. Vor 13 Jahren sind auch Ornamenten-Malereien im Kirchenschiff freigelegt worden. Außerdem haben die Helfer das Holz an Türen und an der Empore sichtbar gemacht.

Das älteste und das jüngste Kunstwerk sind im „Käppele“ nahe beieinander. Rechts neben dem Chor hängt das frühere Altarbild, eine Madonna mit Kind, die die Chronik auf 1671 datiert. Den Altartisch ziert ein Bild des Wangener Malers Michael Kuche, dessen letztes Abendmahl dem berühmten Werk von Leonardo da Vinci nachempfunden ist. Auf der Südseite des Kirchenschiffs sticht die Skulptur der heiligen Barbara mit Kelch, Schwert und Turm ins Auge. „Sie ist die Schutzpatronin der Tunnelbauer und Böllerschützen“, weiß Gauschützenmeister Nothelfer zu erzählen. Bis 1998 gehörte Wangen zur Pfarrei Regglisweiler, seitdem nach Illerrieden. Bis dahin wurden die verstorbenen Wangener auf dem Regglisweiler Friedhof bestattet. Seit knapp 20 Jahren besitzt das Dorf einen eigenen Friedhof.

Die Befürchtung, dass im „Käppele“ weniger Gottesdienste stattfinden, hat sich nicht bestätigt. „Jeden Mittwoch ist hier um 18.30 Uhr Messe“, sagt Mesnerin Heidi Aubele, voll des Lobes über die beiden Geistlichen, Pfarrer Bundschuh und Pater Antony. Und natürlich gibt es Gottesdienste auch an den hohen Festtagen, wie am kommenden Sonntag zum Kirchenpatrozinium. Dann wird Heidi Aubele wieder das machen, was sie am Liebsten tut: Die Kirchen von St. Wendelinus zum Gottesdienst läuten lassen.

Serie Mit den Gotteshäusern im unteren Illertal beschäftigt sich die Serie des Illertal Bote. Welche Anekdoten und Geschichten ranken sich um die Kirche, was können Pfarrer, Mesner und Kirchgänger erzählen? Welche Besonderheiten machen den Bau aus, wann wurde die Kirche erbaut? Um solche und ähnliche Fragen geht es in den einzelnen Folgen.

Heute St. Wendelinus, Wangen. Erbaut wurde das Käppele 1904. Der Vorgängerbau stammt aus 1771.

Patronat Sankt Wendelinus, Schutzheiliger der Hirten und Pferde.

Besonderheit Skulpturen des Heiligen Wendelinus und der Heiligen Barbara, Abendmahlsbild von Michael Kuche.

Kirchengemeinde Katholische Seelsorgeeinheit Dietenheim-Illerrieden.

Gottesdienstzeiten Messe mittwochs um 18.30 Uhr.

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