Kirchengemeinderat Dietenheim besucht türkisch-islamischen Kulturverein

Dialog hieß das Zauberwort des Besuchs des katholischen Kirchengemeinderates in der Selimiye Moschee in Dietenheim. Ein Dialog, der auch den türkischen Mitbürgern sehr am Herzen liegt.

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Einen innigen Dialog gab es in der Dietenheimer Moschee, als der Kirchengemeinderat Dietenheim den türkisch-islamischen Kulturverein besuchte. Foto: Marianne Schneider

Im Oktober 2011 war die türkisch-islamische Gemeinde, organisiert im türkischen Kulturverein DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion), zu Gast im katholischen Don-Bosco-Haus. Nun freute sich Ali Barlay, zweiter Vorsitzender des türkischen Kulturvereins, fast den kompletten Kirchengemeinderat mit Pfarrer Gerhard Bundschuh und Pfarrer Hans Hänßler an der Spitze begrüßen zu können.

Georg Schumacher, ein Dietenheimer, der sich seit 16 Jahren zum Islam bekennt und im Oktober die im Islam erwünschte Reise nach Mekka (Haddsch) unternahm, berichtete über die Situation der Muslime in der Stadt. "Es war wichtig eine Anlaufstelle zu finden, um das gemeinsame Gebet zu verrichten, Gedanken auszutauschen und einen Ort zu haben, um die Kinder und Jugendlichen in der Religion zu unterrichten."

Bei allen äußerlichen Unterschieden, unterstrich Schumacher das gemeinsame beider Religionen. Dass Gott ein gemeinsamer Gott sei und viele Elemente des Christentums im Islam enthalten seien. Wie in den christlichen Religionen sei eines der Hauptprobleme, die Jugendlichen aus den Discos zum Gebet zu bringen. Ein weiteres Problem seien nach wie vor die mangelnden deutschen Sprachkenntnisse, die einen erfolgreichen Dialog erschwerten. Begrüßt werde die Einrichtung eines islamischen Lehrstuhls in Tübingen, der die Ausbildung von islamischen Lehrern für einen deutschsprachigen islamischen Religionsunterricht ermögliche.

Nach kurzen Ausführungen von Barlay über den Religionsunterricht in der Türkei, bestärkte Pfarrer Bundschuh die Absicht durch diese Treffen voneinander zu lernen. "Vieles klingt fremd für uns, weil wir in eine andere Kultur hineingeboren wurden." Doch allein schon durch die Kindergärten habe man Berührungspunkte. So seien die muslimischen Kinder am Aschermittwoch, wenn sie dies wollten, ebenfalls mit einem Aschenkreuz gesegnet worden. Als Familienvater von vier erwachsenen Kindern stellte sich Hodscha Mustafa Isik vor. "Die gegenseitigen Besuche werden uns zusammenführen und Fragezeichen sich auflösen", übersetzte Züleyha Schumacher.

Höhepunkt des Besuchs war das Nachmittagsgebet, zu dem sich Besucher und Gastgeber in den Moscheeraum begaben. "Normalerweise nehmen die Frauen in ihrem über Lautsprecher verbundenen Gebetsraum im Obergeschoss am Gebet teil, doch inzwischen werden auch gemeinsame Gebete von Männern und Frauen in der Moschee häufiger", erklärt Züleyha Schumacher.

Bereitwillig ziehen die Mitglieder des Kirchengemeinderats die Schuhe aus, um am Gebet teilzunehmen, während die Frauen zusätzlich die Haare mit einem Tuch bedecken. "Nur, wer es möchte", unterstreicht Schumacher. Auch während des Gebets erläutert sie den Frauen, was Worte und Gesten bedeuten. Danach werden die Frauenräume im Obergeschoss, Räume für den Koranunterricht, eine Küche und ein Bad für die rituellen Waschungen besichtigt.

Zurück an der gewohnt gastfreundlichen türkischen Tafel wurde türkischer Mocca gereicht und sich in angeregten kleinen Gesprächsrunden ausgetauscht. Karl Patz und Pfarrer Bundschuh informierten sich aus erster Hand über das muslimische Gebet, das Fasten und den Imam. "Ich habe keine Berührungsängste und finde es schön, dass auch im Alttag unkompliziert Gespräche möglich sind", erklärte Bundschuh.

Auch am "Frauentisch" standen die religiösen Themen im Zentrum, wurden aber ergänzt zu Fragen über den Familienalltag. Medine Barlay, die mit ihrer Famlie seit 2003 in Dietenheim wohnt, berichtet, dass sie täglich im Koran liest. Wichtig ist ihr, dass sie ihren Kindern vorliest. Veronika Müller vom Kirchengemeinderat erkannte zahlreiche gemeinsame Grundlagen. "Vieles kann man erst verstehen, wenn es einem gezeigt wird." Christine Richter freute sich über die Offenheit. "Alles wurde uns gezeigt und alle Fragen offen beantwortet." Auch sie war, wie viele andere Mitglieder des Kirchengemeinderats, noch nie in einer Moschee. "Die beste Möglichkeit bestehende Vorstellungen zu hinterfragen", unterstrich Gabi Schuster.

Zum Schluss dankte Pfarrer Bundschuh für die Gastfreundschaft und das offene Gespräch und lud die muslimischen Mitbürger zu einem Besuch in der katholischen Kirche ein, um vor Ostern das Heilige Grab zu besichtigen.

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Kommentare

02.03.2012 14:23 Uhr

Fast die Hälfte der Muslime will sich von Deutschen absondern

Für Aufregung sorgten vor allem die Zahlen der Studie über junge Muslime, die eine Integration in Deutschland ablehnen. Demnach stehen 22 Prozent der deutschen Muslime zwischen 14 und 32 Jahren einer Eingliederung eher zurückhaltend gegenüber. Sie betonen vielmehr die eigene Herkunftskultur. Bei den Muslimen ohne deutschen Pass hätten sogar 48 Prozent starke Separationsneigungen.
Auch die Bereitschaft zur Gewalt wurde ermittelt. Die Studie erfasste „streng Religiöse mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz“. In der Gruppe der jungen Muslime treffe dies auf 15 Prozent bei den deutschen und etwa 24 Prozent bei den nichtdeutschen Jugendlichen zu.
Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Hans-Peter Uhl, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ am Donnerstag, die hohe Zahl nicht integrierter und auch nicht integrationswilliger Muslime sei erschreckend.

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02.03.2012 14:15 Uhr

Uhl fordert Integrationsnachweise von Moslems

Die Studie “Lebenswelten junger Muslime in Deutschland” löst heftige Debatten aus. Laut weltonline fordert der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, einen
“Integrationsnachweis” von jungen Moslems.
„Diese Integrationsverweigerung muss nicht, aber kann den Nährboden für religiösen Fanatismus und Terrorismus darstellen.“ Die hohe Zahl nicht integrierter und auch nicht integrationswilliger Muslime sei „erschreckend“.
Uhl forderte daher Integrationsnachweise. „Dazu gehören ausreichende Sprachkenntnisse und Grundkenntnisse über unseren Staat und seine Geschichte“, sagte er. Eine Abfrage solcher Kenntnisse bei nachziehenden Ehegatten oder auch Einbürgerungswilligen sei „zwingend beizubehalten“.
Sind junge Muslime nicht integrationswillig?: Die Muslimstudie birgt politische Sprengkraft - http://www.focus.de/politik/deutschland/junge-muslime-nicht-integrationswillig-weiter-streit-um-ministeriale-muslimstudie_aid_719567.html

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