Langenauer wird freigesprochen: Kein Nachweis für Kauf von Anabolika

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In der Langenauer Post-Packstation 106 lagerte eine brisante Fracht. Ein Stoff, der Muskelmänner stärker und, glaubt man neuen Studien, auch dümmer macht: Ampullen voller anaboler Steroide. Eine Internet-Bestellung auf Testosteronbasis, die den Verdacht nahelegt, dass das Denkvermögen des Käufers bereits einschränkt ist. Zumal der Wirkstoff, abgesehen von den Nebenwirkungen, den Grenz­wert der Dopingverordnung um das Zigfache überschritt. Ein Fall für den Staatsanwalt also: Nachdem ein Hannoveraner Pärchen mit  schwunghaftem Dopingmittel-Versandgeschäft aufgeflogen war, was letztlich zu einem mutmaßlichen Abnehmer aus Langenau und ihn damit vor Richterin Daniela Schulte vom Amtsgericht Ulm geführt hat. Da sein Name als Empfänger auf den Päckchen stand, hatte er weitere Post erhalten: einen Strafbefehl. Doch den wollte der 37-Jährige nicht klaglos hinnehmen, da er die Ware nicht bestellt habe, wie er über seinen Anwalt mitteilen ließ.

 Also sollte ein Prozess Klärung bringen, wozu der geladene Internethändler wenig beitrug. Da gegen ihn noch Verfahren im Gange sind, zog er es vor, zu schweigen. Dafür verdichteten sich die Indizien, dass der Angeklagte tatsächlich unschuldig in die Bredouille geraten sein könnte und sich Dritte seines Namen bemächtigt hatten, um sich unverdächtig Dopingmittel schicken zu lassen. Einerseits liegen keinerlei Sendungsnachweise vor, andererseits verfügt er in seiner Langenauer Wohnung über keinen Internetanschluss. Und das betreffende Mehrfamilienhaus wird größtenteils abwechselnd von reisenden Monteuren bewohnt, die dort nicht gemeldet sind und sich ihre Post an die Packstation schicken lassen.

 Da dem Angeklagten, der allein vom schmächtigen Erscheinungsbild her nichts mit einem Bodybuilder gemein hat, kein Besitz nachzuweisen war, wurde er vom Amtsgericht Ulm freigesprochen.

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