Kanalanschluss statt Pflanzenkläranlage

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Einst war sie ein Vorzeigeprojekt, doch jetzt sind die Tage der Pflanzenkläranlage in Treffensbuch gezählt. Bei den Einwohnern des Teilorts stößt das auf Unverständnis.  Foto: 

Dass die Gemeinde Berghülen ihre Pflanzenkläranlage in Treffensbuch vor 17 Jahren trotz heftigen behördlichen Gegenwindes in Betrieb nehmen konnte, war ein Meilenstein für die ökobewusste Gemeinde. Am Dienstag hat der Gemeinderat bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung deren Stilllegung in drei Jahren beschlossen. Der Entscheidung war eine kritische Auseinandersetzung mit der vorgestellten Machbarkeitsstudie vorausgegangen. Und der Beschluss fiel sehr zum Missfallen der zahlreichen Treffensbucher, die die Sitzung verfolgten, aus.

Aus zweierlei Gründen mussten sich die Räte mit dieser Thematik befassen: Die Betriebserlaubnis war bereits vor zwei Jahren abgelaufen, der Betrieb der Pflanzenkläranlage wird derzeit von den Behörden nur geduldet. Außerdem haben sich die wasserrechtlichen Vorgaben geändert. Eine Sanierung der Anlage und der Bau einer vierten Reinigungsstufe, die Mikrospurenelemente, etwa Arzneimittelrückstände, filtert, wären Voraussetzung für eine weitere Betriebsgenehmigung.

In einer Machbarkeitsstudie hat Lukas Oswald vom Ulmer Ingenieurbüro Wassermüller die drei für Berghülen in Frage kommenden Varianten bei einer Einleitungsmenge von 0,4 Liter je Sekunde aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht verglichen. Interessant für Berghülen ist fraglos, dass die Nachbargemeinde Merklingen ihre Kläranlage stilllegen und das Abwasser über einen zu bauenden Kanal in die Kläranlage Steinhäule einleiten wird. Der Merklinger Kanal führt nur wenige Meter an Treffensbuch vorbei.

Zwei von Oswald erarbeitete Varianten sind gekoppelt an einen Anschluss von Treffensbuch an den Merklinger Kanal. Zur Diskussion stand einerseits eine Freispiegelleitung, welche das natürliche Gefälle zum Kanal nutzt, sowie eine Druckleitung, durch die das Abwasser in den Kanal gepumpt würde. Die Kostengegenüberstellung ergab   zweifelsfrei die Freispiegelleitung mit geschätzten Kosten von 525 200 Euro als die günstigste Variante. Die Druckleitung käme um 94 400 Euro teurer, die Pflanzenkläranlage zu erhalten um rund 68 000 Euro. In die Studie flossen auch die Fördermöglichkeiten ein. Einzig nicht gefördert würde der Erhalt der Pflanzenkläranlage. Das Ergebnis blieb unterm Strich immer dasselbe.

Wohl wissend, wie sehr die Berghüler, aber erst recht die Treffensbucher, an ihrer Pflanzenkläranlage hängen, gab Oswald den Räten eine zusätzliche Entscheidungshilfe aus ökologischer Sicht an die Hand: Die geforderten Werte seien nicht zu erzielen. Die Kläranlage Steinhäule dagegen sei die derzeit modernste ihrer Art und bietet die höchstmögliche Abwasserreinigung. Obendrein, so konnte er berichten, habe die Behörde signalisiert, sollte sich Berghülen für eine Einleitung des Abwassers in die Kläranlage Steinhäule entscheiden, würde die Betriebserlaubnis der Pflanzenkläranlage übergangsweise bis 2021 verlängert.

Martin Hinz entdeckte im Lauf der Debatte Versäumnisse im Zahlenwerk. So wurde bei der Ausarbeitung im Zusammenhang mit der Strukturförderung die Druckleitung nicht einbezogen. Doch Bürgermeister Mangold und Oswald bekräftigten, dass sich am Ergebnis nichts ändere. Oswald will die Zahlen jedoch nachliefern. Bürgermeister Bernd Mangold appellierte an die Räte, sich für die kostengünstigste Variante zu entscheiden. „Auch ich hänge emotional an der Pflanzenkläranlage, aber sicher ist, dass die Schadstoffe eher zunehmen. Wollen wir unser Trinkwasser noch sauberer klären, müssen wir uns von unserer Anlage verabschieden.“ Walter Nessyt, Vertreter der Treffensbucher im Gremium, schloss sich dem an. „Mein Herz hängt an dieser Anlage, aber diese Gelegenheit mit dem Merklinger Kanal und die verlängerte Betriebserlaubnis sollten wir ergreifen.“

Von allen überstimmt

Konrad Schwarzenbolz hatten neben den Zahlen außerdem die ökologischen Vorteile überzeugt: „Sauberes Grundwasser ist wichtig, da kann man auch bei unseren kleinen Einleitungsmengen nicht sagen: was soll‘s.“ Einzig Kurt Kröner plädierte für den Erhalt der Pflanzenkläranlage und beantragte, darüber abzustimmen. Er wurde von allen anderen überstimmt. Mit seiner Gegenstimme und der Enthaltung von Hinz beschloss das Gremium, die Pflanzenkläranlage aufzugeben. Eine endgültige Entscheidung ist noch zu treffen. Dann kann das Ingenieurbüro mit der konkreten Planung beginnen.

Missmutig nahmen die Treffensbucher Zuhörer die Diskussion auf. Heinrich Roser sprach ihnen wohl aus dem Herzen: „Die Anlage müssen wir erhalten.“ Er meinte, in der Studie würden für die Treffensbucher Anlage unrealistische Zahlen zugrundegelegt.

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