Stunde der Kammermusik in Laichingen

Ganz unterschiedliche Werke präsentierten Klarinettist Burkhardt Harstorff und versierte Streicher zur Stunde der Kammermusik in Laichingen.

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Der Klarinettist Burkhard Harstorff (Mitte) und ein Streicherquartett gestalteten die Stunde der Kammermusik.  Foto: 

Klarinettist Burkhard Harstorff, in der Musikreihe „Stunde der Kammermusik“ mittlerweile ein zugkräftiger Gast, hat für seinen diesjährigen Auftritt vier namhafte Musikerkollegen aus dem philharmonischen Orchester des Theaters Ulm nach Laichingen gebracht: Das Quartett „Porta Nuova“ mit Yuki Kojima (1. Violine), Christine Hauser Gurski (2. Violine), beide obendrein Vorspielerinnen im Ulmer Orchester, Sayuri Nakao-Haas (Viola) und Cellist Andreas Haas.

Harstorff und das Quartett servierten dem Kammermusikpublikum erwartungsgemäß nicht nur bravourös dargebotene Musik, sondern zwei ausgesuchte Schmankerl. Brahms berühmtes Klarinettenquintett, vor allem der viel gespielte finale Variationensatz, verwöhnte das Publikum mit der Brahmschen seinerzeit neu geschaffenen Harmonie: eine runde Tonalität,  gepaart mit vitaler Rhythmik. Exakt aufeinander abgestimmte Einsätze und eine außerordentlich feinfühlige Phrasierung ließen die immer wieder strahlenden Facetten dieses vielschichtigen Werkes glänzen. Das Auf- und Ab der Triolen, versetzt mit dissonanten spannungsvollen Passagen, die sich immer wieder auflösen in liedhafter, die Seele schmeichelnde Lyrik, löste im intensiven Spiel der fünf Musiker immer wieder Wellen des Wohlgefühls aus.

Wunderbar eingebettet in das Quartett, konnte Klarinettist Burkhard Harstorff seiner Spiellaune zur Freude des Publikums freien Lauf lassen. Brahms ließ derweil auch den Streichern genügend Raum für Darstellungen in neckischen Duetten oder gar kleinen Solipassagen.

Den meisten Zuhörern unbekannt war dagegen der 1984 verstorbene jüdisch-deutsche Komponist Paul Ben-Haim. Der gebürtige Münchner Ben-Haim, der während des Naziregimes nach Israel auswanderte, kreierte einen neuen Musikstil, der orientalische und europäische Musik einte. Kein Wunder also, dass bei Ben-Haims Quintett für Klarinette und Streicher wundersame Bilder im inneren Auge entstanden: Schlangenbeschwörer, sprudelnde Frühlingsquellen, lauernde Wildtiere auf Beutezug etwa. Das Werk kam, ganz anders als die ausgewogene Harmonie des Brahmschen Klarinettenquintetts, atonal, kontrastreich und mit einer dramaturgisch eindrucksvollen Lebendigkeit daher. Auch hier war es das herrliche Zusammenspiel der fünf Musiker, das den Zuhörern einen mitreißenden musikalischen Hochgenuss bescherte.

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