Kaltbluttag in Laichingen: Pferde-Prüfungen in 13 Klassen

Beim ersten Laichinger Kaltbluttag auf dem Schlossbauernhof waren die Pferde die Hauptattraktion. In der Zuchtschau sowie bei der Gelassenheitsprüfung stellten sie sich den gestrengen Augen der Jury.

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Stolz präsentieren die Besitzer ihre Kaltblüter der Jury.  Foto: 

Es ist nicht die Bluttemperatur, die dieser Pferdeart ihren Namen gegeben hat. Die Kaltblüter verdanken diese Bezeichnung ihrem ruhigen Temperament. Sowie dem massigen Körperbau. Was wiederum die beste Voraussetzung ist, um diese Tiere bei Arbeiten des Menschen einzusetzen, die hohe körperliche Anforderungen stellen. Die Wurzeln vieler Kaltblüter führen daher oftmals zurück in eine Zeit, in der sie als Arbeitstiere, speziell als Zugtiere, eingesetzt wurden. Vor schweren Brauerei- oder Zigeunerwagen zum Beispiel oder beim Transport gefällter Bäume, bevorzugt in Waldhanglagen. Selbst heute werden, hauptsächlich als Rückepferde, Kaltblüter dort eingesetzt, wo moderne Technik nicht genutzt werden kann. Stolz erzählte dies der aus Ochsenwang angereiste Besitzer der neunjährigen Schwarzwälder Stute "Espe", die auch heute noch als Rückepferd geholt wird und darin vor vier Jahren deutscher Sieger ihrer Rasse bei der Bundeszuchtschau war.

Viele Kaltblüter, so wie die Friesen, die Schwarzwälder oder die Shire Horses, fallen durch ihre kräftigen Beine auf und ein Blickfang ist das lange Fell um die Fußknöchel, der Kötenbehang. Doch besonders beeindruckend sind sie wegen ihrer Masse, der dennoch eine besondere Ästhetik inne wohnt. Auch wenn die Kaltblüter vom Wesen her ruhig sind, so sind sie doch nicht gefeit vor Aufregung. Erst recht nicht, wenn so viele Eindrücke, wie beim Laichinger Kaltbluttag auf sie einstürmen: viele Zuschauer, Lautsprecheransagen, Musik, das leicht hektische Treiben. So tänzelten Hengste beeindruckt von einer Stute unruhig umher, manches Pferd kaute aufgeregt an seiner Gebisstrense, andere ärgerten sich mit hartnäckigen Fliegen herum.

Bei der Zuchtschau wurden die Tiere nach Rassen und in 13 Klassen - darunter eine offene für Nichtkaltblüter - den Richtern Philip Moss und Anne Kühnen vorgeführt. Dabei mussten sie ihre Aufregung, so gut es ging, ablegen. "Full Show" forderte der eigens aus England angereiste Richter Moss mit dem typisch englischen Bowler auf dem Kopf die Pferdeführer auf. Das hieß, sie sollten alles zeigen, was bewertet wird: Den Körperbau durch Drehen vor dem richterlichen Auge, die Korrektheit in den Gangarten Schritt und Trab. Und nicht immer waren sich die zwei Richter einig. Das merkten die Zuschauer daran, dass die Richter noch einmal das Fell näher betrachteten oder das Tier ein weiteres Mal im Trab laufen ließen. Auf diese Weise wurden die Laichinger Champions ausgemacht - und das Programm verschob sich gehörig nach hinten. Unter den Siegern befanden sich auch zwei Tiere der Familie Schwenk, den Veranstaltern dieses Kaltbluttages: Dieter Schwenks "Schlossbauers Lord of the Willow" siegte in der Seniorklasse und bei den Junioren gewann "Gravel Pit Mackenzie" der Tochter Mareike Schwenk. Zum Tagessieger wurde die Grauschimmelstute "Fairytales Beldam" aus dem Allgäu gekürt.

Spannend war dann das Nachmittagsprogramm, auch für Nichtpferdehalter. Bei der sogenannten Gelassenheitsprüfung und im Kaltblut-Trail, der geritten oder einspännig gefahren wurde, mussten die Kaltblüter eines unter Beweis stellen: ihre Ruhe. Eine echte Herausforderung, denn dabei werden die Pferde in ihrer empfindlichsten Eigenschaft gefordert: Pferde reagieren auf Bewegungen mit natürlichen Ängsten, erklärte die Moderatorin. "Ich bin gespannt, wie mein 16-jähriger Haflinger das packt", meinte eine Westerheimer Teilnehmerin. Und tatsächlich: Nicht jedes Tier passierte unerschrocken urplötzlich hinter Hecken vorgeworfene Bälle, laut aufgespannte Regenschirme oder an einer Leine wild im Wind flatternde Wäsche. Manche scheuten, einige verweigerten zuerst einmal das Weiterlaufen. "Letztlich geht es bei der Prüfung nicht nur um eine Zurschaustellung dessen, wie gut wir unsere Tiere trainiert haben, sondern sie sind auch für uns die Messlatte, wo ich mit meinem Pferd noch arbeiten muss", führte eine Teilnehmerin aus. Showeinlagen mit Feuer und Lasso sowie Dressurvorführungen rundeten das Programm ab.

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