Junge Forscher aus sechs Nationen erkunden Unterwelt

"Es macht Spaß", sagt Andreas Felder aus Pforzheim, schon bevor er einen Fuß in die Höhle setzt. Zusammen mit Erika Juaizvic aus Triest vermisst er den Eingang. Eine Aktion beim internationalen Forschungslager.

|

Fünf junge Leute stehen vor dem schmalen Eingang der Striebelhöhle im Tiefental bei Blaubeuren. Während die einen noch in ihre Klettergurte schlüpfen, rollen die anderen ein Kletterseil aus. Der 16-jährige Andreas Felder und die 26-jährige Erika Juaizvic haben schon mit der Vermessung des Eingangs begonnen. Die von der italienischen Archäologin per Laser ermittelten Daten bearbeitet der deutsche Schüler am tragbaren Computer. Die Verständigung läuft problemlos auf Englisch. Nach und nach schlüpfen Gruppenleiter Hans Martin Luz und die jungen Leute in die Höhle. Stunden später kehren sie ans Tageslicht zurück. Am Abend kann die Gruppe einen Plan der aus Schächten, Gängen und Kammern bestehende Striebelhöhle präsentieren.

Vermessungstechnik in Höhlen ist eines von fünf Themen beim Internationalen Jugendhöhlenforschungslager (Juhöfola), das der Höhlenverein Blaubeuren (HVB) vom 27. Juli bis zum 11. August ausrichtet. Die 35 Teilnehmer aus Deutschland, Spanien, Italien, Slowenien, Rumänien und aus der Türkei haben auch die Möglichkeit in den Bereichen Seilklettertechnik, Höhlenbiologie, Geologie und Klimadaten/Höhlenelektronik Interessantes zu erlernen.

Während die Vermessungsgruppe in der Striebelhöhle ist, übt die Klettertechnik-Gruppe Kameradenrettung im Steeb-Schacht bei Wennenden, die Elektronik-Gruppe arbeitet mit einem Peilsender in der Bärentalhöhle bei Hütten. Andere blieben in diesem Tag im Camp beim Höhlenforschungshaus des Vereins bei Seißen, um Kleinlebewesen und Sedimente aus der Höhle unter die Lupe zu nehmen.

Erika Juaizvic ist begeistert von den Angeboten beim Höhlenforschungslager. Die 26-Jährige, die Mitglied ist in der Höhlengruppe des Alpinclubs von Triest und kürzlich ihr Studium der Archäologie abgeschlosssen hat, lobt die "wundervolle Natur" der Schwäbischen Alb und die sehr gute Organisation des Forschungscamps. Dafür zeichnet Petra Boldt (56) vom Höhlenverein Blaubeuren verantwortlich, die schon als 17-Jährige beim traditionsreichen "Juhöfola" in der Fränkischen Schweiz dabei war. "Ich fand das damals eine ganz tolle Sache", erinnert sie sich. 13 Mal hat sie in den vergangenen Jahrzehnten das Camp mit organisiert, das heuer zum zweiten Mal unter der Regie des Höhlenvereins Blaubeuren läuft. Petra Boldt ist dankbar für die Helfer, die im Vereinsheim in der Küche stehen oder als erfahrene Forscher mit den 13 bis 30 Jahre alten Teilnehmern in die Höhlen gehen.

Von ihnen hat Andreas Felder das Vermessen gelernt, das er jetzt so spannend findet wie das Erkunden der Höhlen selbst. Nach dem Camp wolle er "auf jeden Fall dabei bleiben". Erika Juaizvic freut sich besonders auf den Besuch des Schelklinger Hohlen Fels, der an diesem Wochenende auf dem Programm steht. Ist er doch Fundort der Vensus, der ältesten figürlichen Menschendarstellung der Welt. In ihrer Heimat ist die junge Wissenschaftlerin derzeit mit der Kartierung von Höhlen mit archäologischen Funden beschäftigt.

Teilnehmer des internationalen Forschungslagers, das von der Aktion "Jugend in Aktion" der Europäischen Union gefördert wird, sind diese Woche einem Hinweis aus der Bevölkerung nachgegangen und haben bei Gundershofen ein Felsloch genauer untersucht. Sie räumten viel Schutt und Müll, darunter ein ausgedientes Fahrrad, beiseite. Dann öffnete sich eine immerhin 15 Meter lange Höhle. Am Ende des Jugendhöhlenforschungslagers will der HVB die Entdeckung melden zur Eintragung ins Höhlenkataster Schwäbische Alb. Mit exakten Vermessungsdaten und dem von Camp-Teilnehmern nach allen Regeln der modernen Höhlenforschung erstellen Höhlenplan.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Trauer um „Monsieur Handball“ Kempa

Die Handball-Legende Bernhard Kempa ist im Alter von 96 Jahren gestorben. weiter lesen