Jubiläumsfest: Höhlenverband soll mehr an die Öffentlichkeit

In den 25 Jahren seines Bestehens ist der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung zum anerkannten Partner von Behörden und Institutionen geworden. Am Ort der Gründung, in Laichingen, wurde gefeiert.

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Die Sache der Höhlenvereine in der Öffentlichkeit zu vertreten und bei allen Aktivitäten im Untergrund sich dem Umwelt-, Natur- und Denkmalschutz verpflichtet zu fühlen: Das sind satzungsgemäße Ziele des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg (LHK). Daran erinnerte Landesvorsitzende Petra Boldt aus Schmiechen bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen am Samstag im "Rössle" in Laichingen.

Die Lobbyarbeit für die 22 angeschlossenen Höhlenvereine mit ihren rund 1050 Mitgliedern könnte in Zukunft noch wichtiger werden: Dr. Thomas Striebel von der Höhlenforschungsgruppe Blaustein, der als Geologe und Forscher vor allem in Bayern tätig ist, berichtete von immer mehr Restriktionen dort durch das Landesbergamt, was wohl mit Höhlenunfällen und mit dem Naturschutz zu tun habe. Während früher Höhlenforscher Angst gehabt hätten, dass jemand von "ihrer" Höhle erfährt, sei heute Öffentlichkeitsarbeit besonders wichtig, sagte Striebel. "Da braucht es den Landesverband." In Baden-Württemberg war schon von Überlegungen zu hören, Höhlen, die in so genannten "Natura 2000"-Gebieten liegen, zu schließen.

Auch Georg Bäumler aus Nürtingen, der ebenfalls schon bei der Gründung des Verbands am 20. Januar 1990 im Laichinger Höhlenrasthaus dabei war, sprach sich aus gegen "Höhlenforschung im Dunkeln". Ergebnisse müssten von den Forschern stets veröffentlicht werden, auch damit Kollegen darauf aufbauen könnten.

In Sachen Geocaching und Fledermausschutz habe sich der LHK in den vergangenen Jahren erfolgreich beim Landesnaturschutzverband einbringen können, sagte Ralf Müller aus Schrozberg, der bei der Gründung vor 25 Jahren zum Vorsitzenden des Landesverbands gewählt wurde. Leider hätten die Verantwortlichen des Biosphärengebiets Schwäbische Alb "manchmal nicht im Blick, dass es den LHK gibt." Verbesserungsfähig sei stellenweise auch die Zusammenarbeit mit der Bahn, meinte Müller. Wie berichtet, gibt es einen Vertrag zwischen LHK und Bahn zur Untersuchung von Höhlen, die beim Bau der Schnellbahntrasse Wendlingen-Ulm angeschnitten werden. Dieser bezieht sich auf die Albhochfläche und den Albabstieg, nicht aber auf den Albaufstieg. Dennoch sei diese Vereinbarung "einzigartig in Deutschland", sagte Müller.

Wie berichtet, untersuchten Forscher einer eigens vom LHK gebildeten Gruppe im Frühjahr eine bei Merklingen-Widderstall entdeckte Höhle und lieferten rasch genaue Ergebnisse. So würdigte jetzt auch der Bundesverband der Höhlen- und Karstforscher in seiner schriftlichen Grußbotschaft diesen Einsatz des baden-württembergischen Landesverbands. Lob vom Dachverband erntete der LHK auch für den Schutz von Fledermausquartieren und die Ausbildung von Jugendlichen, was wichtig sei für die Sicherheit bei Höhlentouren. Für die archäologische Denkmalpflege Baden-Württemberg dankte Winfried Hanold den Höhlenforschern für die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die sich auch in einer entsprechenden Vereinbarung für Grabungen niederschlage. Gemeinsames Ziel sei, den Höhlen Geheimnisse zu entlocken, aber Vorgefundenes zu schützen.

Richard Frank vom Höhlen- und Heimatverein Laichingen und Georg Bäumler blickten nochmals 25 Jahre zurück: Es sei unter den Vereinen damals viel gestritten worden, etwa darüber, wer wo forschen darf, sagte Frank. "Die Zeit war reif, dass man nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander arbeitet", sagte Bäumler und warnte eindringlich davor, mit den immer wieder aufkommenden Querelen in alte Zeiten zurückzufallen.

25 Jahre sind im Vergleich zum Alter einer Höhle eine kleine Zeitspanne, schreibt der Landesverband Hessen in seinem Grußwort. Gerade aber in den vergangenen Jahren machte die Höhlenforschung auf der Alb, insbesondere im Raum Blaubeuren, einen Quantensprung, vor allem mit der Erforschung der Vetterhöhle, der Hessenhauhöhle und der Blautopfhöhle. Aus der Blautopfhöhle zeigte Herbert Jantschke von der "Arge Blautopf" am Samstagabend einige Bilder. Seine rund 40 Forscherkollegen staunten über die phantastischen Tropfsteine und die riesigen Hallen. Ein Ende sei noch lange nicht erreicht, sagte Jantschke. "Es bleibt spannend."

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