Jäger: "Füttern und Schießen gehören zusammen"

Die rund 500 aktiven Mitglieder der Jägervereinigung Ulm wehren sich gegen die Pläne der Landesregierung. Sie will die Wildfütterung verbieten, damit die Zahl der Rehe abnimmt. Zu viele schadeten dem Wald.

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Die Jäger meinen: Gerade in strengen Wintern muss das Rehwild gefüttert werden, wenn die Suche nach Futter erschwert ist. Die Landesregierung plant, die Fütterung zu verbieten. Foto: Deutscher Jagdschutz-Verband

"Füttern und Schießen gehören zusammen", sagt der Ulmer Kreisjägermeister Max Wittlinger. Und daran soll die Novellierung des Landesjagdgesetzes möglichst nichts ändern. Die jagdpolitischen Pläne der baden-württembergischen Landesregierung verärgern die Jäger in Ulm und im Alb-Donau-Kreis. "Wir kritisieren die von Grünen und SPD im Koalitionsvertrag angekündigte Abschaffung der Wildfütterung", sagt Wittlinger. "Tierschutz ist unteilbar."

Für die Landesregierung sei aber Wildtier offenbar nicht gleich Wildtier. Gartenvögel oder Eichhörnchen dürften das ganze Jahr über gefüttert werden. Für Wildtiere wie Rehe soll dies aber sogar in Notzeiten im Winter verboten werden. Bislang sind Fütterungen vom 1. Dezember bis zum 31. März erlaubt.

Hinter den grün-roten Plänen steckt Wittlinger zufolge die Klage der Forstwirtschaft, dass die Zahl der Rehe in stadtnahen Erholungswäldern zunimmt. Wegen der relativen Unruhe dort kämen die Jäger mit dem Abschuss kaum nach. Die Folge: Die Rehe knabbern die jungen Bäume an. Der Plan: Werden die Tiere im Winter nicht mehr gefüttert, überleben nur die Stärksten, das sei eine natürliche Selektion.

Wittlinger sieht das anders. "Wir kommen sehr wohl nach mit dem Abschuss", betont er. Die Winterfütterung bewirke, dass die Rehe ihren Hunger eben gerade nicht an jungen Bäumen stillen. "Außerdem können Nahrungsengpässe in der immer ärmer werdenden Kulturlandschaft ausgeglichen werden."

Mit der Novellierung des Jagdgesetzes wird sich der Landtag wohl im nächsten Jahr befassen. Der Gesetzesentwurf aus dem Ministerium für Ländlichen Raum wird frühestens im Dezember erwartet. So oder so könne es einen Futterengpass geben, sagt Wittlinger und verweist auf die dürftige Apfelernte in diesem Herbst. Deshalb wird es in der Region weniger Apfeltrester geben, der bei der Saftherstellung übrig bleibt. Apfeltrester sei aber fast das einzige Saftfutter, das den Rehen im Winter angeboten wird, erläutert der Kreisjägermeister. "Die Bestelllisten der Jägerschaft bei den Mostereien sind jetzt schon lang." Alternativen wie Mais sind per Gesetz verboten, weil diese ursprünglich nicht heimische und energiereiche Pflanze für Rehwild kein artgerechtes Futter darstellt.

Ein anderes Thema ist das bewusste Füttern von Mais an Wildschweine, um sie bei der Jagd anzulocken. Dieses "Kirren" sei bisher und auch künftig erlaubt vom 1. September bis zum 31. Januar, weil die schlauen Wildschweine sich schwer jagen lassen. Das Futter wird beispielsweise vergraben, damit nur das wühlende Schwarzwild die Maiskörner findet und nicht die äsenden Rehe. An ausgewiesenen Rehfutterstellen hingegen darf im Abstand von 200 Metern grundsätzlich nicht gejagt werden.

Wittlinger nennt ehrlicherweise noch einen Grund, warum die Jäger ihre Rehe weiter füttern wollen. "Das bringt bei jedem Tier zwei Kilo Gewicht mehr." Ein Schmalreh - zwischen einem und zwei Jahre alt - wiege dann bis zu 16 Kilo.

Die Jägervereinigung wird die hiesigen Landtagsabgeordneten für 14. Oktober zu einem Gespräch einladen, um sie über die geplante Gesetzesänderung aufzuklären. Erwartet werden Martin Rivoir (SPD), Jürgen Filius (Grüne) sowie Monika Stolz und Karl Traub, beide CDU. Wittlinger hofft, dass diese Unterstützung etwas bringt. Hinter ihm stünden alle 500 aktiven Mitglieder der Jägervereinigung Ulm.

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Kommentare

06.10.2013 09:26 Uhr

Antwort auf „Gar nicht Füttern”

Immer wieder schön was für qualifizierte, fundierte Kommentare man hier lesen kann.

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05.10.2013 15:33 Uhr

Gar nicht Füttern

sind zuviele Rehe auch auf der Straße deshalb richtige Entscheidung von Landesregierung

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