Jäger räumen wieder Unfallwild weg, nachdem Steuer abgeschafft wurde

Die Jäger sollen sich überlegen, wie man mehr Mitglieder in die Jägervereinigung lockt. Denn es gibt immer mehr vereinslose Jagdscheininhaber. Und künftig soll mehr Wildschwein auf der Speisekarte stehen.

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Jäger liegen wieder auf der Lauer. Symbolbild  Foto: 

Ostern naht. Wie geht es dem Feldhasen? "Sein Vorkommen ist stabil auf niedrigem Niveau", sagte Kreisjägermeister Max Wittlinger am Rande der Jahreshauptversammlung. Auf der Tagesordnung standen ansonsten recht trockene Themen wie die Jagdsteuer, Beitragserhöhungen und die schwache Mitgliederentwicklung.

Jagdsteuer Vor sechs Jahren hatte der Kreistag noch gegen den Antrag der Jägervereinigungen Ulm und Ehingen, die Jagdsteuer abzuschaffen, gestimmt. "Aber jetzt ist es uns doch gelungen, dass der Kreistag diese antiquierte Steuer fürs kommende Jagdjahr abgeschafft hat", betonte Kreisjägermeister Max Wittlinger. Im Gegenzug haben der Ehinger Kreisjägermeister und Wittlinger dann gleich eine "Vereinbarung über die Beseitigung von Fallwild" unterschrieben. Das heißt: Die Jäger haben sich darin verpflichtet, ab April 2016 - dann beginnt das neue Jagdjahr - wieder auf den Straßen im Alb-Donau-Kreis Unfallwild zu beseitigen. Diesen "Dienst" hatten etliche Jäger in der Vergangenheit verweigert aufgrund der langen Diskussion um die Jagdsteuer.

Polizeiempfehlung Allerdings hatte Wittlinger erst kürzlich ein Gespräch mit der Polizei. Demnach hat das Führungs- und Lagezentrum im Polizeipräsidium Ulm eine Anweisung an die Dienststellen gegeben, wonach im Falle von Wildunfällen Jagdpächter nachts nicht rausgeklingelt werden, wenn das Tier bereits tot ist. "Dann legen wir den Kadaver beiseite und informieren den Jagdpächter am nächsten Tag", sagte Polizeisprecher Wolfgang Jürgens auf Anfrage. "Ist das Tier jedoch nur verletzt und lebt noch, rufen wir sofort den zuständigen Jäger an." Grund dieser Neuregelung sei die Beschwerde eines Rechtsanwalts und zugleich Jagdpächters gewesen, der nachts nicht gestört werden wollte, berichtete Wittlinger.

Landesjagdgesetz Zum neuen Jagd- und Wildtiermanagementgesetz sagte der Kreisjägermeister: Seiner Meinung nach hat das Gesetz Mängel und Fehler. Zum Beispiel das Fütterungsverbot, der Jagdruhezeitkorridor im März und April, das Verbot von Totschlagfallen und das Verbot der Fuchsjagd am Naturbau. Bei der nächsten Präsidiumssitzung des Landesjagdverbandes am 8. April werde aber sicherlich die Frage gestellt, wie man nun mit der neuen Situation umgehen wird.

Beitragserhöhung "Weil die Jägervereinigung Ulm ab nächstem Jahr pro Mitglied 65 Euro an den Landesverband abführen muss, blieben uns nach heutigem Stand nur noch 25 Euro pro Mitglied", rechnete Wittlinger vor. Damit könne keine funktionierende Vereinsarbeit geleistet werden. "Wir müssten unser Vereinsheim, das Türmle, schließen." Mehrheitliches Abstimmungsergebnis: Der Jahresbeitrag wird ab Januar für Erstmitglieder von 90 auf 110 Euro erhöht, der Bläserbeitrag von 50 auf 65 Euro.

Wildbretvermarktung Im November werden zur besseren Vermarktung des Wildbrets vom Wildschwein - beim Rehwild klappe es hervorragend - "Wildwochen" eingeführt. Dabei wolle man auf die Erfahrung und Beziehungen des Obmanns für Veranstaltungen, Uli Ludwig aus Blaustein, zurückkommen. Er kümmert sich um Gastronomiebetriebe, die in der Zeit um den Hubertustag, 3. November, mit dem Angebot von Wildgerichten die Qualität und den Aspekt der gesunden Ernährung durch Wildbret herausstellen wollen. Hinzu kommt: Im laufenden Jagdjahr 2015/2016, das bis 31. März dauert, wird die Vorjahres-"Strecke" - es wurden 1304 Stück im Alb-Donau-Kreis geschossen - deutlich übertroffen, bisweilen verdoppelt, weil die Schwarzwildpopulation erheblich größer geworden ist.

Mitgliederentwicklung Die Jägervereinigung Ulm hatte im Dezember 625 Mitglieder, davon 49 Frauen, "was einem viel zu niedrigen Wert von 8 Prozent entspricht", meinte Wittlinger. Als Jungjäger waren 36 dazugekommen. Dennoch könnte der Zulauf zum Verein besser sein, denn es gebe im Alb-Donau-Kreis - wie im ganzen Land - immer mehr Jagdscheininhaber, die nicht organisiert sind. Der Einladung zur Versammlung war deshalb ein Begleitschreiben beigelegt. Mitglieder sollen sich überlegen, wie man die Jägervereinigung attraktiver machen könnte.

Ehrungen Hartwig Fischer, der Präsident des Deutschen Jagdverbands, und Wittlinger ehrten langjährige Mitglieder: für 60 Jahre Vereinstreue Jochen Kaupp und Helmut Leyrer; für 50 Jahre Heiner Hoffmann, Walter Schiller, Walter Mengele, Adolf Ahrens, Leo Schmack und Egon Siebein. Und Wittlinger selbst kündigte an, dass er nächstes Jahr bei den Neuwahlen nicht mehr kandidieren "möchte". Er ist seit 2005 Kreisjägermeister und ist inzwischen auch landesweit für die Jäger ehrenamtlich aktiv.

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