Investoren sorgen für bezahlbares Wohnen in Langenau

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Alexander Hirn weiß, wovon er spricht. Der Ulmer Unternehmer hat vor drei Jahren in Leipheim in 185 Wohneinheiten investiert. Anfangs, erzählt er, habe es in den Kasernen-Wohnungen auf dem früheren Fliegenhorst „erhebliche Probleme“ gegeben. Nicht zuletzt wegen Familienclans, die andere Mieter dominiert hätten. Inzwischen habe sich die Lage normalisiert, das Miteinander sei dort verträglich.

Nun investiert Hirn auch in Langenau. Im Baugebiet „Breiter Weg II“ plant er 15 Wohneinheiten im Bereich sozialer Mietwohnungsbau, seine Firma Arkitura 20 im Bereich bezahlbarer Wohnraum für Eigennutzer. Große Schwierigkeiten erwartet Hirn nicht. Der einfache Grund: „Die Stadt übernimmt die Verwaltung, Abwicklung und Auswahl der Mieter“, erklärt Hirn. Brennpunkte sollen so vermieden werden. Dass dies gelingt, erwartet auch Bürgermeister Daniel Salemi: „Die Leute brauchen keine Angst haben. Wir bilden kein Getto.“ Das soll insbesondere andere Bauherren im Gebiet beruhigen.

Ende Juni hatte der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung entschieden, dass Hirn und die Börslinger Familie Frieß den Zuschlag für insgesamt drei Grundstücke bekommen. Ein viertes ist noch verfügbar, heißt es. Hirn und seine Firma Arkitura wollen auf zwei insgesamt 2643 Quadratmeter großen Flurstücken zwei Gebäude – von denen eines in zwei Bereiche unterteilt ist – errichten lassen. Walter Frieß plant im Baugebiet „Breiter Weg/Bei der Hutlade“ auf einer Fläche von 1048 Quadratmetern ein Haus mit neun Wohnungen.

Beide Investoren sind sich mit Bürgermeister Salemi darin einig, dass sich viele Menschen die galoppierenden Mieten und Immobilien-Kaufpreise nicht mehr leisten können. Er erachte es daher als „sinnvoll und notwendig“, in Langenau als „Privatfamilie“ zu investieren, erklärt Frieß. Sowohl er als auch seine Frau kämen aus der Baubranche, sagt er.

Während Frieß’ Wohnungen für 15 Jahre ausschließlich an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden dürfen (siehe Infokasten), beträgt die Sozialbindungsfrist bei Hirns Vorhaben gar 30 Jahre. Seine Firma Arkitura, die vor allem „exklusive Fertighäuser“ im Portfolio hat, ist formal für den bezahlbaren Wohnraum für Eigennutzer zuständig. In diesem Bereich müssen Interessenten mit einem Quadratmeter-Preis von 3100 Euro rechnen. In den Mietwohnungen dürfte der Mietpreis bei 6 Euro pro Quadratmeter liegen.

Bisher gibt es nach Angaben von Kämmerin Heike Lessner 58 nicht-städtische soziale Mietwohnungen. Ab August kommen, wie berichtet,  zwölf städtische Einheiten in der Riedheimer Straße hinzu. Und: Baubeginn für die drei geplanten Gebäude soll im Frühjahr 2018 sein. Erste Mieter können dann wohl ein Jahr später einziehen. „Das ist ein positives Signal für Langenau“, meint der Rathauschef.

Geht es nach Salemi, „ist das nur der Beginn“. Die Themen sozialer Mietwohnungsbau und bezahlbarer Wohnraum für Eigennutzer sollen auch bei künftigen Baugebieten eine wichtige Rolle spielen. Doch bevor es soweit ist, will die Stadt noch einen weiteren Investor finden, der das letzte der vier Grundstücke am Breiten Weg bebaut.

Alexander Hirn jedenfalls spürt bei Mietern von Sozialwohnungen „eine höhere Zufriedenheit“ als bei jenen von Luxus-Wohnungen, wie er sagt. Und einen Vorteil für Investoren, die freilich auch Geld verdienen wollen, sieht er überdies: Sozialwohnungen seien wegen des großen Bedarfs nahezu immer vermietet – während teure Immobilien nicht selten lange leer stünden.

Mieter Im sozialen Mietwohnungsbau dürfen Wohneinheiten für einen Zeitraum zwischen 10 und 30 Jahren nur an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden. Diesen können laut Gesetz Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte in ihrer Wohnsitzgemeinde beantragen, wenn sie ein Gesamtjahreseinkommen von maximal 47 600 Euro haben. Je weiterem Haushaltsmitglied erhöht sich das zulässige Einkommen um 9000 Euro. Einer Person stehen zwei Wohnräume mit bis zu 45 Quadratmetern zu, zwei Menschen drei Zimmer bis 60 Quadratmeter, drei Leuten drei bis vier Wohnräume bis 75 Quadratmeter und vier oder mehr Menschen höchstens fünf Zimmer bis 90 Quadratmeter.

Vermieter Wer in dem Bereich sozialer Wohnungsbau investieren will, kann im Rahmen des Förderprogramms „Wohnungsbau BW“ – je nach Bindungsfrist – zinslose Darlehen für 10 bis 30 Jahre für die Finanzierung bekommen. Zusätzlich wird ein Zuschuss gezahlt, der von der Anzahl der Wohneinheiten und dem KfW-Standard des Hauses abhängig ist. ohe

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