Innere Sehnsucht nach Weihnachten aufbauen

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Der Adventsweg im Kloster Brandenburg führt auf Weihnachten zu. Geschaffen hat ihn Schwester Clara (ganz links), während Schwester Michaela gerne Besucher bei Führungen begleitet. Foto: Manuela Rapp  Foto: 

Wenn Schwester Clara anfängt zu träumen“, sagt Schwester Michaela und hält kurz inne, schmunzelt, lächelt und fährt fort: „Sie hat eine ganz tolle Phantasie.“ Schwester Clara lächelt zurück. Ein bisschen verlegen, denn im Vordergrund steht sie nicht so gerne.

Wichtig ist ihr etwas anderes: Ihre kreative Gabe zur Ehre Gottes einzusetzen. Wie zum Beispiel für den Adventsweg, den sie im Kloster Brandenburg gestaltet hat. „Ich will die Muttergottes vier Wochen in den Alltag mit hinein nehmen und möchte erreichen, dass eine innere Sehnsucht auf Weihnachten hin aufgebaut wird“, formuliert die Ordensfrau ihre Gedanken. Und so erreichen Maria, der heilige Josef und ein schöner Esel, den Schwester Clara als „unabdingbar“ bezeichnet, jeden Sonntag eine neue Station.

Dies alles unter den Blicken der Besucher und Gäste. „Wenn Leute vorbeilaufen, sollen sie zum Nachdenken kommen“, wünscht sich die Schöpferin der so lebendig gestalteten Etappen des biblischen Paares. Still werden, die Hektik der vorweihnachtlichen Zeit vergessen: „Wenn es so ankäme, wäre es schön“, findet sie.

Seit rund zehn Jahren marschiert die kleine Reisegruppe nun schon los. Was in der Bibel ein langer, weiter Weg war inklusive beschwerlicher Herbergssuche, ist im Mutterhaus der Immakulataschwestern etwas komprimierter. Wer die Drei auf dem Weg nach Bethlehem betrachten möchte, muss jeweils nur ein paar Treppen steigen oder kann gar mit dem Aufzug fahren. Und dennoch bleibt da dieses Gefühl, nahe am Geschehen zu sein. Dank Schwester Claras Einfühlungsvermögen, Geschick und ihrer ausdrucksvollen Phantasie. Viele Gedanken habe sie nachts, allerdings nicht im Traum, vielmehr liege sie oft wach, könne nicht schlafen und überlege dann.

Wurzeln, verschiedene Tannenzapfen, Moos, Silberdisteln, Häuser, Tiere, säumen den Weg von Maria und Josef und ihrem Lasttier – es sind viele Details, die nicht immer gleich ins Auge stechen. Und dann die dazugehörigen Bilder: „Unser ehemaliger, leider verstorbener Hausmeister Alfred Herrmann hat sie gemalt“, sagt Schwester Clara „Er hatte dasselbe Gefühl für Farben wie ich.“ Hinzu gefügt sind auch die passenden Stellen aus der Weihnachtsgeschichte.

„Da ist richtig Material nötig“, beschreibt Schwester Michaela die Vorbereitungen. Ein bis zwei Tage sei Schwester Clara beschäftigt, weil einfach viel zu tun sei. Als die Nonne vor etwa zehn Jahren ihren Traum zu realisieren begann, sei alles ganz einfach gewesen, wie sie erzählt. „Es hat sich immer mehr verändert, denn Abwechslung muss einfach sein.“

Also wird jedes Jahr etwas Neues hinzugefügt, wobei es auch mal ganz spontan zugehe. Heuer beispielsweise ist es Wacholder. „Der Strauch musste gefällt werden“, erklärt Schwester Clara. Was halt gerade zur Verfügung stehe, fände Verwendung, aber: „Es muss Natur sein.“  Schwester Michaela ergänzt: „Sie hat das ganze Klosterareal im Blick.“ Außerdem verfüge sie über ein geräumiges Depot.

Schwester Michaela hat einen ganz anderen Zugang zum Adventsweg: „Ich versuche, Besucher dabei zu begleiten, möchte mit ihnen ins Gespräch kommen“, meint sie. Jeder entdecke etwas anderes und erlebe die Stationen auf seine Art: „Das hier ist kein vorgefertigter Pfad.“ Für sie bedeutet es eine Bereicherung, die Individualität jedes einzelnen Menschen zu erleben: „Es ist immer bewegend, wenn jemand von seinen Gotteserfahrungen berichtet.“ Jeder begegne dem Herrn aus seinem Erfahrungshorizont heraus: „Gott holt jeden dort ab, wo er steht.“

Für die hochschwangere Maria und ihren Mann Josef samt getreuem Tragetier ist der anstrengende Marsch fast geschafft. Am heutigen Samstag kommen sie an: „Dann wird die Krippe in die Kirche gebracht und das Jesuskind in der Christmette hineingelegt“, freuen sich die beiden Ordensfrauen.

Krippe und Weg sind bis zum 2. Februar aufgebaut. Besucher heißt das Kloster herzlich willkommen: „Das Haus ist offen, man sollte sich nur bei der Pforte melden und kann sich dann den Adventsweg selbständig anschauen“, sagt Schwester Michaela. Wer eine Führung mit der Gruppe möchte, sollte sich allerdings vorher anmelden. man

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