Initiative gegen Masthähnchenstall: In Wippingen 276 Unterschriften gesammelt

In Wippingen hat sich eine Bürgerinitiative gegen den geplanten Bau eines Masthähnchenstalls gegründet. Sie übergab eine Liste mit 276 Unterschriften an den Blausteiner Bürgermeister Thomas Kayser.

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Bürger befürchten Belastungen durch den in Wippingen geplanten Masthähnchenstall (hier ein Archivfoto aus einer anderen Anlage).  Foto: 

Gefahren für Mensch und Umwelt durch den Betrieb eines Masthähnchenstalls befürchtet eine Bürgerinitiative, die sich in Blaustein-Wippingen gegründet hat. Eine örtliche Landwirtsfamilie will in der Nachbarschaft eines bestehenden Schweinestalls und einer Biogasanlage einen Stall für bis zu 39.900 Masthähnchen bauen. Er soll 91 Meter lang und 20 Meter breit werden und ist rund 400 Meter vom Ort entfernt.

Der Blausteiner Gemeinderat hatte im April mit 13 zu 7 Stimmen eine Bauvoranfrage befürwortet und im Mai für die Aufstellung eines Bebauungsplans gestimmt. Gelten viele Bauten für die Landwirtschaft nach dem Baurecht als "privilegierte Vorhaben", wird der geplante Hähnchenstall wegen seiner Größe wie ein gewerbliches Objekt bewertet, das nicht ohne Bebauungsplan verwirklicht werden kann. Bei den Beratungen im Gemeinderat - zuletzt Ende Juli, als es um die Ergebnisse einer "frühzeitigen Öffentlichkeits- und Trägerbeteiligung" ging - wurden Stimmen gegen das Vorhaben laut. Insbesondere die SPD-Fraktion bezog deutlich Stellung gegen die Art der Fleischproduktion.

Bürger haben in Wippingen 276 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt und kürzlich an Bürgermeister Thomas Kayser übergeben. In einem Schreiben, das auch an Gemeinderäte ging, nehmen sie Stellung zu dem Vorhaben und fordern Untersuchungen, etwa zum Schutz von Wasser und Boden. Es müsse geklärt werden, ob die Ausbringung von Gülle, Kot und von Gärresten aus der Biogasanlage Auswirkungen auf Grundwasser und die Trinkwasserfassung im nahen Lautertal hat. "Ist gewährleistet, dass keine Keime aus der Gülle, keine Rückstände von Antibiotika oder anderen Medikamenten ins Grundwasser gelangen?", lautet eine Frage. Die Initiative fordert eine Untersuchung, ob antibiotikaresistente Keime aus dem geplanten Stall, beispielsweise über die Abluft, Menschen beeinträchtigen können.

Kritisch wird der Abstand zur Wohnbebauung gesehen. Bei der Prognose zur Geruchsimmission müsse beachtet werden, dass es in Wippingen bereits Schweinemastbetriebe gibt, meint die Initiative. Gerüche könnten auch "Auswirkungen auf die Erholungsnutzungen im Schutzgebiet Kleines Lautertal" haben. Zu prüfen sei, ob mögliche Ammoniak-Immissionen Biotope in der Nähe beeinflussen. In dem Brief wird auch die Sorge um den Tierschutz, das Landschaftsbild, den Brandschutz und das Image der Stadt Blaustein ausgedrückt. Immobilienbesitzern drohe ein Wertverlust. Dem Gemeinderat hätten nicht alle relevanten Unterlagen vorgelegen, wird kritisiert.

Die Initiative geht in ihrem Brief auf eine Sitzung des Wippinger Ortschaftsrats vom 27. März ein. Bei einem Verwandten der Antragsteller habe Befangenheit bestanden. Laut Protokoll hat er an der Abstimmung teilgenommen. Ein Fehler bei der Niederschrift, der mittlerweile korrigiert worden sei, sagt Ortsvorsteher Peter Enderle. Tatsächlich habe der betreffende Ortschaftsrat nicht mit beraten. Mit sieben zu einer Stimme habe das Gremium für das Projekt gestimmt.

Eine der Unterzeichnerinnen der Unterschriftenliste, die wie die anderen Initiatoren nicht namentlich genannt werden möchte, meint, dass es für Landwirte in der Region durchaus Alternativen gebe. Fraglich sei nämlich auch die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens.

Andreas Zimmermann, der gerade sein Agrarstudium abgeschlossen hat, will den Masthähnchenstall gemeinsam mit seinem Vater Helmut, ebenfalls Diplom-Agraringenieur, in Form einer "Gesellschaft bürgerlichen Rechts" (GbR) betreiben. Er wundert sich, dass die Initiatoren nicht das Gespräch mit ihm gesucht haben. "Ich hätte manches sofort entkräften können." Zimmermann verweist auf entsprechende Gutachten, etwa zu Geruch, Ammoniakbelastung und Brandschutz. Der Stall werde täglich gemistet, der Mist komme in die Biogasanlage und werde nicht direkt ausgebracht. Was multiresistente Keime anbelange, relativierten Studien, auf die sich der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft stützt, die mögliche Gefahr. Im Stall werde Antibiotika nur im Einzelfall und nur durch Verordnung durch einen Veterinär eingesetzt.

Zimmermann will mit einem an der deutsch-österreichischen Grenze ansässigen Unternehmen zusammenarbeiten, das Hühnerfleisch mit Qualitätssiegel verkauft. Nach dessen Vorgaben werden im Stall weniger Masthähnchen gehalten als nach dem Gesetz zulässig.

Ortsvorsteher Peter Enderle, selbst Landwirtschaftsmeister, steht auch nach einem Gespräch mit der Bürgerinitiative weiter zu dem Projekt. Es handle sich um "mittelständische Landwirtschaft" nicht um Industrie, wie manche behaupteten. Die Hähnchenhaltung geschehe nach den strengen deutschen und europäischen Richtlinien. Bürgermeister Kayser zeigt Verständnis dafür, dass manche Bürger "grundsätzlich gegen diese Art der Tierhaltung" sind. Die Beurteilung des Vorhabens obliege den zuständigen Fachbehörden. Der Ortschaftsrat und der Gemeinderat werden laut Kayser nochmals darüber diskutieren und die eingegangenen Einwendungen behandeln.

Auch in Machtolsheim große Geflügelställe geplant

Bruteier Eine große Geflügelhaltung ist auch im Laichinger Teilort Machtolsheim geplant. Der Bauausschuss des Laichinger Gemeinderats hat sich mit dem Bauantrag für zwei Ställe für insgesamt 1890 Hennen und Hähne auseinandergesetzt. Die örtlichen Landwirte Werner und Benjamin Kraiß, Vater und Sohn, haben eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet, um in die Bruteier-Produktion einzusteigen. In zwei Elterntierställen sollen jeweils 8750 Hennen und 700 Hähne gehalten werden. Vorgesehen ist die Produktion von befruchteten Eiern, die an eine kooperierende Brüterei veräußert werden. Wenn die Legeleistung der Hennen nach knapp elf Monaten nachlässt, werden die Hühner in eine Schlachterei gebracht. Dem Bau der Stallungen, die 980 Meter von der Wohnbebauung und 900 Meter vom Gewerbegebiet entfernt sind, stimmte der Bauausschuss mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung zu. Gegner sprachen von einer ethisch nicht verantwortbaren Massentierhaltung.

SGK

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