In Wain ist die Vereinsfahne bei jedem Wetter mit dabei

Das Wappen der Stadt und das Symbol der Musik - mehr brauchen die Musiker in Wain nicht auf ihrer Fahne. Diese ist zwar nur halb so alt wie der Verein, dafür aber sozusagen ein stolzes Schweizer Fabrikat.

|
Vorsitzender Manfred Preus (links) und Thomas Lettenmayer präsentieren stolz ihre Vereinsfahne.  Foto: 

95 Jahre ist es her, dass sich zwölf Musiker aus dem Turnverein im beschaulichen Wain zusammengeschlossen und eine Musikkapelle gegründet haben. Beim Jubiläumskonzert 2011 anlässlich des 90-jährigen Bestehens, dokumentierte ein Bildervortrag die Vereinsgeschichte. Mit auf den Fotos war auch die Vereinsfahne, die allerdings erst halb so alt ist.

1967 wurde der Gemeinde Wain durch das Innenministerium Baden-Württemberg das Ortswappen verliehen. Die weiß-rote Flagge zeigt die Lutherrose und weist auf die lutherischen Glaubensflüchtlinge hin, die im 17. Jahrhundert aus Kärnten und der Steiermark vertrieben wurden und in dem schwäbischen Ort eine neue Heimat fanden. "1650 hat hier in Wain die Pest gewütet. Danach waren zwei Drittel der Höfe leer", erzählt Thomas Lettenmayer vom Musikverein.

"Viele Menschen die heute hier wohnen sind Nachfahren von den Leuten, die damals kamen", sagt der Zweite Vorsitzende des Vereins. Mit Arriach, einer Gemeinde in Kärnten, wo die meisten Vertriebenen herkamen, pflegt der Musikverein eine rege Partnerschaft. So war es auch das Bändel der Musiker aus Arriach, das als erstes nach der Fahnenweihe 1972 die Fahnenstange zierte.

Im Keller des Rathauses, gibt es eine große Sammlung dieser Bänder, die sich die Musikvereine zu besonderen Anlässen schenken. 1972 feierte der Musikverein sein 50jähriges Bestehen. "Ein Jahr zu spät", sagt Vorsitzender Manfred Preus. Dafür aber mit einem großen Highlight für den Verein: Der Fahnenweihe. Das Ortswappen hatte die Grundlagen geschaffen, ziert es doch zentral die Flagge. Schon damals, erzählt Preus, hätte es in Wain eine große Ziegelei gegeben. Und deren Betriebsleiter Helmut Juch war einige Jahre lang Vorsitzender des Musikvereins. 1966 gab er aber den Vorstand ab, weil er mit seiner Frau Lore beruflich in die Schweiz umzog, was sie aber nicht daran hinderte, von dort aus eine Fahne zu initiieren. Gemeinsam mit dem Musiker Kurt Frauchinger stieß sie eine Spendenaktion an, und nahm als Motiv das noch junge Stadtwappen als Vorlage.

"Die Verbindung zur Familie Juch ist nie abgerissen, bis heute nicht", sagt Preus. Helmut Juch ist mittlerweile 89 Jahre alt. Auf der Rückseite der Fahne ist auf schwarzem Samt eine goldene Lyra abgebildet. Das Symbol der Musik und ihrer langen Geschichte. Darüber und daneben steht: "Musik erfreu des Menschen Herz."

Das versuchen die 45 aktiven Musiker aus Wain mit jedem ihrer Auftritte zu tun. Neben dem Einmarsch bei Musikfesten, geht die Fahne auch mit auf Reisen zu befreundeten Vereinen. Sie wird beim Volkstrauertag getragen, aber auch bei Hochzeiten ist sie dabei. Auch einen eigenen Fahnenträger hat der Verein: Gunther Albrecht. Ein kleiner Tragegurt gibt dabei Sicherheit. Denn wenn es stürmisch ist, sei die knapp 15 Kilogramm schwere Fahne, inklusive Stange und Bändel, nur schwer zu bändigen. Und wenn dann bei Regen noch die Plastikabdeckung drüber käme, sei sie noch schwerer zu handhaben, sagt Preus, der 2013 nach zehnjähriger Pause erneut den Vorsitz des Vereins übernommen hat.

Ansonsten aber ist die Fahne pflegeleicht. Lediglich das "r" des mit Goldfaden gestickte Wort "erfreue" zeigt erste Auflösungserscheinungen - und das nach schon 45 Jahren.

Tuch mit Tiefgang

Die Vereinsfahne Sie ist ein Unikat: bunt, ziemlich alt, immer reich verziert und für die Besitzer nicht nur ideell wertvoll. Die Fahne ist das Aushängeschild eines jeden Vereins, über den sie meist viel erzählen kann. In dieser Serie widmet sich der Illertal Bote dem alten Tuch, das Vereine hüten wie einen Schatz. Musik, Sport, Kunst, Kultur, Natur: Auf dem Land wird nahezu jede Freizeitaktivität in einem Verein gebündelt. Menschen, die sich für ihren Albverein, bei den Schützenkameraden, in der Blaskapelle oder beim Fußballclub engagieren, erzählen, welche Geschichte und was für erstaunliche Anekdoten sich mitunter hinter einem rechteckigen Stück Stoff verbergen können.

Drei Hauptveranstaltungen prägen das Jahresprogramm

Terminkalender Die 45 Musiker in Wain sind nicht nur bei ihren Proben im Bürgersaal im Rathaus jede Woche ziemlich aktiv. Drei Hauptveranstaltungen stehen jährlich auf ihrem Programm: das Frühjahrskonzert, das Weihungsfest und das Oktoberfest. Die Auftritte im Einzelnen: Am Sonntag, 28. Februar, gibt es im Bürgersaal das Jugendkonzert. Das Frühjahrskonzert folgt am Samstag, 12. März. Am 1. Mai steht das "Mai-Wecken", und vier Tage später die Teilnahme am Vatertagsfest in Dietenheim an. Der Juni ist geprägt von Auftritten bei befreundeten Vereinen, bevor am 16. und 17. Juli das Weihungsfest an der Gemeindehalle veranstaltet wird. Nach der Konzertreise nach Laterns im September, steht am 24. und 25. September das Oktoberfest auf dem Programm. Fester Termin ist auch der Volkstrauertag am 13. November.

 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drei Millionen Euro für neue SSV-Duschen

Nach heftiger Debatte über die Sporförderung hat der Rat die Sanierung des Baus an der Gänswiese einstimmig durchgewunken. weiter lesen