Immer bemüht um den Lese-Nachwuchs

Bücher sind ihr Leben. Marianne Schneider leitet seit 28 Jahren die Gemeindebücherei. Nicht viele Kommunen leisten sich so eine Einrichtung.

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Marianne Schneider ist mit verantwortlich für die Erfolgsgeschichte der Dorfbücherei. Foto: Reuter-Manz

Marianne Schneider ist überzeugt: Das Buch, jenes aus Papier wohlgemerkt, wird es auch in 20 Jahren noch geben. Das sagt die Diplom-Bibliothekarin nicht nur, weil davon ihr Arbeitsplatz abhängt. Für die Mutter zweier erwachsener Söhne ist das Buch unverzichtbarer Bestandteil einer erfolgreichen Erziehungsarbeit. "Bilderbücher anschauen, vorlesen: Damit legen wir bei unseren Kindern ganz früh den Grundstein für eine spätere erfolgreiche Lesekultur", sagt die 54-Jährige. Lesen als Grundlage jeglicher Bildung. Jungen Familien empfiehlt sie deshalb feste Leserituale; auch vor dem Hintergrund einer beängstigenden Entwicklung. Im Hochkulturland Deutschland wächst der sekundäre Analphabetismus. Will heißen: Menschen verlernen das Lesen, obschon sie neun Jahre die Schulbank gedrückt haben. In Illerrieden, wo Schneider vor 28 Jahren die Gemeindebücherei aus der Taufe hob, und in Erbach, wo sie seit neun Jahren die Stadtbücherei leitet, merkt sie von dieser Entwicklung noch nichts. Im Gegenteil. Die Ausleihzahlen sind konstant hoch. In vier Stunden wöchentlicher Öffnungszeit können in Illerrieden schon mal 300 Bücher über die Theke gehen. Das Erfolgsgeheimnis liegt auf mehreren Säulen. Die Auswahl müsse stimmen. So sind die 9000 Illerrieder Medieneinheiten genau auf die Bedürfnisse der Kundschaft abgestimmt. Philosophie braucht es nicht und auch keinen Opernführer. "Wer in die Oper will, lädt sich heute seine Informationen aus dem Internet herunter." Wichtig auch die Aktualität: Auf dem Laufenden zu sein, klappt deshalb gut, weil in Illerrieden wenn auch kein riesiger, so doch ein regelmäßiger Etat zur Verfügung steht. Apropos: Das Ausleihen kostet die Bürger keinen Cent, ist Service der Kommune. "Ein tolles Alleinstellungsmerkmal", lobt Schneider. Und praktische Bildungsgerechtigkeit für den ländlichen Raum.

Seit bald drei Jahrzehnten engagiert sich Schneider für ihren Lese-Nachwuchs. Intensive Kontakte unterhält sie zu Kindergarten und Schule, bietet Aktionstage an, auch Vorlesestunden, (Vor)Lesetraining und Klassenbesuche. Mittlerweile kommt die zweite Generation in die Bücherei am Fuß der St. Agatha-Kirche. Mütter und Väter, die als Kinder ein- und ausgingen, mit ihrem Nachwuchs an der Hand. Das freut Schneider und ihr dreiköpfiges ehrenamtliches Team - und wenn irgendwann ein digitales dem "richtigen" Buch vorgezogen wird, geht für Schneider die Welt nicht unter: "Hauptsache es wird überhaupt gelesen."

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