Illegaler Bauboom am See

Das Landratsamt hat Schwarzbauten an der Erbacher Seenplatte im Visier. Einem Hausbesitzer droht der "Rückbau". Besser geht es dem Fischereiverein. Sein Gebäude soll nachträglich genehmigt werden.

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Das Domizil des Fischereivereins Erbach ist nach und nach am "See 3" entstanden - genehmigt war nichts davon. Foto: Franz Glogger

Dem Baugesuch des Fischereivereins Erbach hat der Technische Ausschuss des Gemeinderats geschlossen zugestimmt. Beantragt wurden am "See 3" des Vereins auf rund 27 Metern ein überdachter Freisitz, Vereinsraum, Küche, ein Raum zum Fische putzen sowie Toiletten. Weiter enthielt der Plan einen Unterstand für den Räucherofen sowie einen zwölf Meter langen schmaler Lagerschuppen. So weit, so gut.

Aufhorchen ließ allenfalls der Nachsatz eines Stadtrats: "Ich hab das schon richtig verstanden - das steht schon alles." Uwe Gerstlauer von der Bauverwaltung bestätigte das. Der Bau sei dem Landratsamt bei der Überprüfung von Bauwerken an der Erbacher Seenplatte (siehe Infokasten) aufgefallen, also im "Außenbereich". Dort habe sich der Verein "nach und nach" sein Domizil geschaffen, ohne Bauantrag. Die Kreisbehörde habe Verständnis, dass der Verein dort baut, wo er tätig ist, dränge aber auf eine Nachgenehmigung.

Auf der Seenplatte stehen allenthalben Gebäude: von der Gerätehütte, über Häuschen mit Schlafgelegenheit bis zum stattlichen, praktisch ganzjährig bewohnten Domizil. Ein solches hat sich eine Gruppe geschaffen, die von Kennern als "Verein für ein besseres Leben" umschrieben wird. Das Gelände erinnert an einen fernöstlichen Park mit Stein umrandeten Baumgruppen, kleinen Brücken, Liegeplätzen, Sportanlagen, Bootsstegen, in den See gebaute Veranden und mehreren Gebäuden. Das größte kann sich gut mit den Häusern der Ferienanlage "Donauwinkel" messen. Strom scheint eine beachtliche Solaranlage zu liefern.

So ansehnlich alles gestaltet ist, es gebe eine Abrissgenehmigung, sagte Bürgermeister Achim Gaus am Montag. Der Pressesprecher des Landratsamts, Bernd Weltin, bestätigte das. In einem langjährigen Rechtsstreit durch alle Instanzen einschließlich Bundesverwaltungsgericht habe das Landratsamt Recht bekommen. Die Eigentümer versuchten mit weiteren Klagen den Rückbau zu verzögern. Grund dafür, gerade bei diesem Objekt tätig zu werden, ist Weltin zufolge, dass es "von der Anlage und seinem Maß her" eindeutig zu groß ist für einen Bau im Außenbereich. Zudem besteht im Außenbereich grundsätzlich Bauverbot, Anlagen dürfen die Eigenart der Landschaft nicht beeinträchtigen. Prüfungen "bei weiteren Gebäuden in diesem Umkreis" dauerten noch an, informierte Weltin. Allerdings seien diese Bauten von ihrer Größe her nicht mit dem Anwesen vergleichbar.

Der Bauantrag des Fischereivereins geht nun zur Prüfung an das Landratsamt. Dort werde die Tätigkeit des Fischereivereins ähnlich wie Bauvorhaben der im Außenbereich privilegierten Landwirtschaft gesehen. Eine Zustimmung sei also zu erwarten. Das Heim muss allerdings zurückgebaut werden muss, wenn sich der Verein auflöst.

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