IG Metall greift Centrotherm scharf an

Die IG Metall greift den Blaubeurer Maschinenbauer Centrotherm in einer Pressemitteilung scharf an. Unter anderem schreibt die Gewerkschaft, das Unternehmen habe Betriebsratswahlen verhindert - und spricht zudem von mangelnder sozialer Verantwortung des Großaktionärs Hartung.

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Wie berichtet, hat der Hersteller von Fertigungsanlagen für Solarmodule vergangene Woche angekündigt, 400 Stellen zu streichen. Bei den Kündigungen waren die Verantwortlichen laut Berichten von Betroffenen wenig zimperlich vorgegangen, auch sei die gesetzlich vorgeschriebene Sozialauswahl nicht eingehalten worden. Ein Betriebsrat hätte dabei ein Mitspracherecht gehabt.

Laut IG Metall ist Nuccio Di Pelo, bei der Gewerkschaft zuständig für Betriebe ohne Betriebsrat, in den vergangenen Monaten im Kontakt mit einzelnen Mitarbeitern von Centrotherm gewesen. Es sei aber nicht gelungen, eine ausreichende Unterstützung für die Durchführung von Betriebsratswahlen zu organisieren. "Es herrscht eine lähmende Angst unter den Beschäftigten von Centrotherm. Es wird auf Kollegen verwiesen, die in der Vergangenheit angeblich vom Management aus dem Betrieb entfernt wurden, weil sie sich offen für eine Betriebsratswahl ausgesprochen haben," schreibt Reinhold Riebl, erster Bevollmächtigter der IG Metall Ulm. Zwar sei Centrotherm eine Aktiengesellschaft, aber die TCH GmbH in Blaubeuren, die Vater Rolf und Sohn Robert Hartung gehört, hält laut IG Metall alleine einen Aktienanteil von 50 Prozent. Nach Meinung Riebls hat die Familie Hartung somit maßgeblichen Einfluss auf die Unternehmensstrategie. Das Bild, das das Management von Centrotherm in der Öffentlichkeit biete, sei verheerend: "In der Krise müssen sich soziale Verantwortung und Unternehmenskultur bewähren. Gerade dann muss respektvoll mit den Beschäftigten umgegangen werden", schreibt Riebl weiter. Er verweist darauf, dass sich das Unternehmen selbst als "klar kapitalmarktorientiert" definiert, das die Steigerung des Aktienwerts für die Kapitalgeber zum Ziel hat. Wichtigster Kapitalgeber sei eben die Familie Hartung. Der Gewerkschafter fordert die Unternehmensleitung auf, "ihre aggressive Ablehnung einer Betriebsratswahl bei Centrotherm" aufzugeben. Das Gesetz schreibe die Bildung von Betriebsräten in allen Betrieben ab fünf Beschäftigten vor, es schütze die Beschäftigten vom Zeitpunkt der Einleitung der Wahlen an, also lange bevor der Betriebsrat schließlich gewählt ist.

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Kommentare

15.03.2012 13:58 Uhr

Unernst der Ulmer IG Metall

Dass Geschäftsführungen ausschließlich innerhalb des ihnen von der Allgemeinheit gewährleisteten Spielraums unternehmerischer Initiative handlungsfähig sind, gilt nach wie vor als einschlägiger Erkenntnisstand. Der Ulmer IG Metall bleibt insofern von vornherein versagt, anderes zu behaupten und die Führung der Blaubeurer Centrotherm außerhalb dieses Umkreises zu verorten. Wenn man so will, lässt sich also ohne viel Federlesen feststellen, dass der dortige Erste Bevollmächtigte sich mit Macht unernsten Umtrieben verschrieben hat.

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Die Firma Centrotherm hat ihren Sitz in Blaubeuren. Sie gehört zu den führenden Anbietern für Photovoltaik-, Halbleiter- und Mikroelektronikindustrie.

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