Prozess: Kiloweise Marihuana unter den Sitzen

Da haben auch die überall im Auto verteilten Duftbäumchen nichts genutzt. Die Nase der Drogenspürhündin konnten sie nicht täuschen.

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Um viel Marihuana ging es am Montag vor Gericht.  Foto: 

Da haben auch die im Auto verteilten Duftbäumchen nichts genutzt. Die Nase der Drogenspürhündin konnten sie nicht täuschen. Diese habe eindeutig reagiert, als er am Abend des 15. März einen verdächtigen Renault Laguna auf dem Rastplatz Seligweiler überprüfte, sagte am Montag der Hundeführer des Ulmer Hauptzollamts zum Prozessauftakt am Landgericht Ulm.

Angeklagt ist der Fahrer des Renaults, ein 33-Jähriger aus Montenegro, der in Untersuchungshaft sitzt. Ihm wird in der Verhandlung unter Vorsitz von Richter Gerd Gugenhan unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Gegen seinen Beifahrer, der ebenfalls festgenommen worden war, wird nicht weiter ermittelt. Er habe davon nichts gewusst.

Geheimfächer unter den Sitzen

Der Hund führte die Fahnder auf die richtige Spur: In dem Schmuggel-Auto mit montenegrinischem Kennzeichen, das den Zollbeamten zuvor bei einer Kontrolle auf der A 8 bei Elchingen aufgefallen war, waren tatsächlich zwei verschraubte Geheimfächer unter dem Fahrer- und dem Beifahrersitz eingebaut. Darin befanden sich 28 Päckchen mit etwas über 26 Kilo Marihuana. Der Angeklagte gab an, er sollte die Drogen im Auftrag eines Albaners aus dem Kosovo nach Köln bringen.

Er bekenne sich schuldig, erklärte der 33-Jährige. Die Fahrt habe er unternommen, weil ihm dafür 4000 Euro versprochen wurden – „sehr viel Geld für mich und meine Familie“. Er habe in seinem Job bei einem Obsthändler um die 450 Euro im Monat verdient. Aus einer Festanstellung wurde nichts, gesundheitlich leide er unter den Folgen eines Unfalls, seine Frau, mit der er zwei Kinder hat, bekomme für ihre Arbeit rund 350 Euro im Monat. Auf einem Automarkt habe ihn ein unbekannter Albaner angesprochen und ihm einen lukrativen, nicht sehr riskanten Nebenjob versprochen. Ihm sei klar gewesen, dass es sich um eine unerlaubte Sache handelte. Der Albaner habe das Auto auf ihn zugelassen. Er habe es noch einmal im Kosovo abgeben müssen, dann wurde er auf die Fahrt geschickt.

26 statt 60 Kilogramm Marihuana

Ausgiebig befasste sich das Gericht mit dem Drogenfund. Eine Zollbeamtin hatte die fest in Folie verpackten Päckchen mit einer Hängewaage in der Hand einzeln gewogen. Sie notierte, was das Display anzeigte: Machte ihrer Meinung nach zusammen 60 Kilogramm. Die Marihuana-Päckchen wurden später vom Landeskriminalamt (LKA) Stuttgart kriminaltechnisch untersucht. Dabei wurden die Drogen auch unverpackt gewogen. Es ergab sich eine erstaunliche Differenz von rund 30 Kilo. Der Grund? Es kam heraus, dass die Funde in Ulm in „lb“ gewogen worden waren, entsprechend der Einstellung der Waage. „lb“ steht für das angloamerikanische „pound“ (0,453 Kilo). „Nennen wir es mal vorsichtig ausgedrückt Wiegekorrektur“, meinte Richter Gugenhan und berichtigte das Gewicht der Päckchen auf rund 26 Kilo, das entspricht laut LKA rund „192.130 Konsumeinheiten“.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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