Höhlenrettung: Malteser üben im Tiefental

Aus 1000 Metern Tiefe ist Johann Westhauser von einem Spezialisten-Team gerettet worden. Auch bei Höhlenunfällen in geringerer Tiefe helfen gut ausgebildete Retter. Die Malteser übten in der Striebelhöhle.

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 Die Striebelhöhle liegt versteckt am Rande des Tiefentals zwischen Blaubeuren-Weiler und Schelklingen.  Der 1950 von Wilhelm Striebel, Sprengmeister aus Weiler, beim Bau eines Waldwegs entdeckte Hohlraum ist bis heute nicht als Schauhöhle ausgebaut. Eine Erkundung ist nur etwas für Leute mit entsprechender Ausrüstung und Erfahrung. Dennoch, so die Annahme, kletterte eine junge Frau am Abend spontan in die Höhle, verunglückte in 20 Metern Tiefe schwer. Ein Bekannter, der nach ihr suchte, stürzte ab, als er Hilfe holen wollte. Ein Fall für die Malteser-Höhlenrettung.

Die 1986 gegründete und in Uhingen bei Göppingen ansässige Organisation wollte mit ihrer Alarmübung ein Szenario "so realistisch wie möglich" darstellen, sagte Leiterin Fee Gloning. So alarmierte ein Mitglied am Samstagmorgen um 6 Uhr die Ulmer Rettungsleitstelle, um 6.15 Uhr wussten alle 16 Aktiven, die zwischen dem Bodensee und Darmstadt wohnen, Bescheid. Es dauerte dann aber bis etwa 9.30 Uhr, bis die ersten drei Retter, die den richtigen Weg nicht auf Anhieb fanden, bei der Höhle waren. "Höhlenrettung braucht Zeit, wir sind nicht so schnell wie die Feuerwehr", sagte Einsatzleiter Jens Hornung. Johann Westhausers Rettung aus der Riesending-Schachthöhle dauerte immerhin 274 Stunden.

Nach und nach treffen im Tiefental weitere Retter ein, dann verläuft die Übung nach einem festgelegten Schema: Ein Vortrupp befestigt ein eigenes Sicherungsseil - das bereits in der Höhle hängende Seil könnte bei dem Unfall beschädigt worden sein - und steigt ab zu den Verletzten. Aufgabe neben der Ersten Hilfe ist die Wärmeversorgung. "Wir brauchen eine Thermoskanne mit Tee", schallt es plötzlich aus dem Loch. Einer der Helfer geht zu dem in der Nähe geparkten Einsatzfahrzeug, mit dem nicht nur Material und Mannschaft transportiert, sondern in dem auch gekocht werden kann.

Ein zweiter Trupp, darunter Notarzt Dr. Ulrich Heckmann, steigt hinab und führt ein Kabel mit für ein Höhlentelefon. Denn Funk funktioniert unter Tage nicht. Aufgabe des Teams ist, die Patienten so zu stabilisieren, dass sie transportiert werden können. Gerade der Transport ist in Höhlen mit Engstellen ein schwieriges Unterfangen. Die Malteser verfügen über feste und flexible Tragen. Für die Rettung aus der Striebelhöhle, in deren 15 Meter tiefem senkrechten Einstiegsschacht es äußert eng hergeht, müssen die Helfer auf das so genannte KED-System zurückgreifen, ein Rettungskorsett, das den Rückenbereich schient vom Steißbein bis zum Kopf. Die acht Höhlenretter - mehr waren an diesem Tag nicht verfügbar - machen ihre Sache gut und können ihre Übung um 15 Uhr beenden.

Große Einsätze sind selten, etwa einmal pro Jahr werden die Malteser alarmiert. Oft gehe es darum, bei der Suche nach Vermissten auch in Höhlen nachzuschauen, sagt Fee Gloning. Um auch für tiefe Schachthöhlen fit zu sein, üben die Höhlenretter einmal pro Monat und treffen sich jährlich zu einem drei- bis viertägigen Rettungsseminar. Zum Team gehören auch Höhlentaucher.

Einer der Retter ist Michael Eberhardt aus Westerstetten. Als Höhlenforscher hält er die Rettungseinheit für unverzichtbar. Es sei beruhigend zu wissen, dass es im Falle eines Unfalls Leute gibt, die einem helfen. Und er selbst ist zur Hilfe bereit, wenn andere in Not geraten sind. Hätte er auch bei der Rettung von Johann Westhauser in der Riesending-Höhle geholfen? Selbstverständlich, sagt der Meister der Elektrotechnik. Freilich seien die alpinen Höhlen ob ihrer Tiefe nicht mit denen der Alb vergleichbar. "Bei Biwak 4 wäre es für mich wohl zu Ende gewesen", sagt Eberhardt. Immerhin eine Tiefe von 900 Metern.

Zwei Einheiten im Land

Retter Mit den Maltesern und der "Höhlenrettung Baden-Württemberg" gibt es zwei Einheiten für Höhlenrettung im Land. Die Malteser-Höhlenrettung ist eine Landesgliederung der Malteser in Baden-Württemberg, Standort ist im Rettungszentrum Uhingen. Die Höhlenrettung Baden-Württemberg ist eine unabhängige Rettungsorganisation. Sie unterhält ein Depot bei der Feuerwehr in Reutlingen und eines bei der Bergwacht Stuttgart in Schopfloch.

 

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