Günther Krämer erwandert Langenaus historisches Netz

Alte historische Straßen und uralte Gasthöfe: Günther Krämers Suche nach Relikten ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

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Günther Krämer forscht zu alten Straßen in der Region.  Foto: 

Geschichtsträchtige Straßen und Wege sind Krämers Spezialgebiet. Das hat mit seiner Passion zu tun, dem Wandern. Nicht zuletzt auf historischen Pfaden. Aber auch damit, dass er 38 Jahre lang in Langenau Erdkunde unterrichtet hat. Für Geografen wie ihn sind Straßen und Wege wie Schlüssel, die Türen in frühere Zeiten öffnen. Seit er im Ruhestand ist, findet Krämer die Muße, die Befunde und Indizien zu Straßenkarten zu verarbeiten. Selbstredend, dass er dabei vielfach auf eigene Beobachtungen beim Wandeln zurückgreift.

Bereits in der Jungsteinzeit muss es beispielsweise im Lonetal Pfade gegeben haben. Sie sind ebenso spurlos verschwunden wie die Handelswege der nachfolgenden Kelten. Wie Krämer beim Lonetalverein referierte, haben erst die Römer Straßen gebaut, die Spuren hinterließen. „Diese verbanden die militärischen Garnisonen.“

Ein solches Zentrum befand sich bei Lonsee mit dem Kastell „ad lunam“, von dem eine Straße, dem Lonetal folgend, über Langenau nach Niederstotzingen bis nach Faimingen führte. Sie ist Teil eines ganzen Straßensystems, dessen Verlauf Krämer in weiten Teilen exakt, in einzelnen Abschnitten zumindest so ungefähr rekonstruieren konnte.

Dabei halfen nicht allein Befunde aus der Archäologie, sondern ebenfalls bis heute gebräuchliche Straßennamen wie „Römerstraße“ oder „Heerstraße“. Wo die Bodenschichten nicht gestört sind, kämen bei Grabungen das Schotterbett oder die stellenweise eingesetzten massiven Steine zu Tage. Verlaufen heute Straßen über den historischen, seien die alten Schichten verloren. „Leider hat dann die Flurbereinigung noch viel mehr zerstört.“ Mitunter sei es auch schlichte Ignoranz gewesen.

Krämers Wissensdurst ist damit längst noch nicht gestillt. Ihn interessieren ebenso die Wegeverbindungen, die es nach Abzug der Römer gegeben hat und zu Zeiten der Reichsstadt Ulm, zu deren Territorium die Gegend ums Lonetal gehörte. Bis ins 17. Jahrhundert waren dies nun wieder unbefestigte Naturwege. „War die Trasse ausgefahren, wurde einfach ein neuer Weg daneben benutzt.“ Noch heute bemerkt Krämer davon Spuren in der Landschaft, etwa auffallend wellige Formationen aus früheren Hohlwegen, wie sie sich an Steigungen bildeten. Oder uralte Bäume, die als „Schattbäume“ dienten. Durchs Lonetal führte früher der „Scheibenweg“ – in Ballendorf gibt es eine „Scheibenstraße“ –, über den der Salzhandel lief. Von jedem Ort des Ulmer Gebiets führten „Ulmer Wege“ schnurstracks in die Handelsmetropole. Und diese wiederum war über Fernstraßen verbunden mit anderen wichtigen Reichsstädten. Krämer: „Die Bundesstraßen 10, 19, 28 und 30 folgen ungefähr diesen alten Trassen.“ Ab etwa 1650 wurde ein Teil dieser Straßen befestigt und zu „Chausseen“. Eine davon führte nach Nürnberg.

„Chaussee“, so habe auch die „Krone“ in Dornstadt ehemals geheißen, die zu einem weiteren Kapitel der Forschungen führt: der Infrastruktur aus Herbergen, Hufschmieden, Pferdewechselstationen, wie sie schon zu Römerzeit die Fernstraßen gesäumt hatten. „Dem Sterben der Wirtshäuser“ hat Krämer das letzte Kapitel seines Vortrags gewidmet. Die bald schließende „Löwen-Post“ in Luizhausen, der schon lange geschlossene „Adler“ in Urspring, die „Alte Post“ in Amstetten (heute Asylunterkunft) oder der „Hirsch“ in Ettlenschieß sind Relikte dieser Vergangenheit, die in Vergessenheit zu geraten droht.  Oder es kommt doch noch ein rettender Gegentrend, wie Krämer hofft.

Person Günther Krämer aus Lonsee ist Geograf und Naturschützer. Er bietet geführte Wanderungen sowie Exkursionen für Geo-Interessierte, Naturfreunde und andere Lonetal-Liebhaber an. Außerdem ist Krämer Mitglied im Beirat des Geoparks Schwäbische Alb. Der Lonseer ist Gründungsmitglied der Ortsgruppe des  Bundes für Umwelt- und Naturschutz und war mehrere Jahre lang deren Vorsitzender.

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