Heiliges Grab in Sankt Martinus Kirche aufgebaut

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Moderne trifft auf Tradition: Bei den Führungen zum Heiligen Grab dürfen in der Dietenheimer Sankt Martinus Kirche ausnahmsweise auch einmal die Handys gezückt werden.  Foto: 

Immer drei Wochen vor Ostern wird in der Dietenheimer Sankt Martinus Kirche das Heilige Grab aufgebaut, dessen Ursprung auf die Tradition der Hungertücher zurückgeht. Diese verhüllten im Mittelalter während der Fastenzeit den Chorraum, um das Volk auch mit den Augen fasten zu lassen. Bald begann man aber die Tücher mit Bildern aus der Passion zu bemalen, um das Leiden und Sterben Jesu sowie die alttestamentlichen Vorbilder der Erlösung zu transportieren.

Durch Pilgerfahrten ins Heilige Land wurden im Laufe der Zeit immer größere und plastischere Darstellungen des Heiligen Grabes üblich, wie es auch in Dietenheim der Fall ist. So bringen es die 45 Szenen und Symbole in mehreren Ebenen auf stattliche neun Meter Höhe, acht Meter Breite und vier Meter Tiefe.

Bisher mehr als 250 Besucher

Dank dieser Dimensionen ist das 1727 vom Südtiroler Maler Franz Xaver Forchner geschaffene Großgemälde nicht nur für Gläubige etwas Besonderes, sondern auch für Kunstinteressierte. Jahr für Jahr kommen in der Vorosterzeit deshalb mehrere hundert Menschen nach Dietenheim. „Heuer hatten wir bis dato allein schon über 250 Besucher in zehn geführten Gruppen“, lässt Stadtpfarrer Gerhard Bundschuh wissen, darunter unter anderem die Kirchengemeinderäte aus Justingen und Schwestern vom Kloster Maria Medingen in der Nähe von Dillingen.

Auch eine Abordnung der katholischen Arbeitnehmerbewegung Ehingen machte am vergangenen Samstag Halt im Illerstädtchen Dietenheim, genauso wie eine 45-köpfige Reisegruppe um Dekanatsreferent Wolfgang Steffel auf ihrer so genannten trinitarischen Passionsfahrt durch das Dekanat Ehingen-Ulm.

„Die Gläubigen identifizieren sich mit dem Leiden Jesu, nicht weil das Leiden im Glauben idealisiert würde, sondern weil wir im Leiden erfahren, woher unsere Kraft wirklich kommt“, so Steffel. Orte für diese Wahrnehmung seien der gewaltige Kreuzeskosmos in der Wiblinger Basilika, das frisch restaurierte barocke Heilige Grab in Dietenheim, die dortige Kapelle zum „Herrgöttle in der Ruh“ und jene zum Schmerzensmann in Unterkirchberg.

„Das Heilige Grab beeindruckt nicht nur im Ganzen, sondern schärft nochmals das Bewusstseins für das Leiden und dessen Tragkraft“, reflektiert Besucherin Helga Enderle. Ihr gefalle, dass die Farben des Kunstwerkes nach der Restaurierung wieder schön zur Geltung kämen. Ebenfalls begeistert zeigte sich Reinhold Rommel, dem die Vielfalt und Tiefe der Motive sowie die Liebe zum Detail bei den alttestamentlichen Darstellungen gefällt – aber auch Dinge wie der Hund zu Füßen des Hohenpriesters Kajaphas, der bei der Renovierung 1872 mit dem Gesicht Bismarcks gemalt wurde. Bei Andreas Möller bleiben der „orientalische Touch“ und die „gigantische Dreidimensionalität“ hängen, die eine Messe in der Osterzeit zu einem ganz besonderen Erlebnis machen. Seine Begleiterin Hildegard Gumbold empfindet Symbole wie das Heilige Grab extrem wichtig, „um den Menschen in diesen Zeiten den christlichen Glauben wieder näher zu bringen“.

Öffnungszeiten Alle, die das barocke Kunstwerk betrachten und auf sich wirken lassen möchten, haben dazu noch bis einschließlich Karfreitag während der Kirchenöffnungszeiten oder Messen Zeit. Führungen können über das Pfarramt unter Tel. (07347) 74 30 oder per Mail an StMartinus.Dietenheim@drs.de angefragt werden.

Abbau Am Karsamstag wird das Heilige Grab dann früh morgens von 25 freiwilligen Helfern abgebaut und sicher im Dachboden des Kirchenschiffes verstaut, bis es im Jahr 2018 wieder drei Wochen vor Ostern herabgelassen und aufgebaut wird. dam

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