Hermann Jehle findet Überreste des Glaserhofes auf Balzheimer Territorium

Der pensionierte Lehrer Hermann Jehle hat sich auf die Suche nach dem ehemaligen Glaserhof im Wald zwischen Balzheim und Wain gemacht und Überreste gefunden. Eine Tafel erinnert an den Einödhof.

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    Ein Schild weist auf den historischen Platz hin. Foto: 
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    Dort stand einmal der Glaserhof, weiß Hermann Jehle. Foto: 
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Eine historische Radwanderung durch den Balzheimer Walder im Frühjahr hat bei Hermann Jehle das Interesse geweckt. Der pensionierte Lehrer aus Dietenheim hatte erfahren, dass unweit der beiden zu Wain gehörigen Bauernhöfe in Oberbuch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein weiteres landwirtschaftliches Anwesen mitten im Wald gestanden hatte: der Glaserhof. Und Jehle ließ nicht locker, ehe er mit Hilfe des Förster Wolfgang Bachhofer (Wain) und des Rent- und Forstamtmanns Ulrich Gai (Balzheim) sowie Hans Schließer von Oberbuch die Überreste des Hofes gefunden hatte. Mit Hilfe von Metallsonde, Spaten und Hacke legten Jehle und Schließer alte Mauersteine frei, die unzweifelhaft beweisen: Hier stand vom 16. bis zum 19. Jahrhundert der Glaserhof.

Es ist nicht das erste Mal, dass der frühere Lehrer auf historische Spurensuche gegangen und fündig geworden ist. Mit seinen Schülern erkundete Jehle im Rahmen eines Iller-Projekts vor 25 Jahren die nach dem Ersten Weltkrieg abgegangene Stiefetsche Säge in der Nähe des heutigen Autobahnzubringers und rekonstruierte sie als Modell. Daraus entstand sein historischer Roman von der "Mühle im Illergries".

Seine Spurensuche Balzheimer Wald hat Jehle auch schon in einer kurzen Geschichte poetisch verarbeitet, die so beginnt: "Hier, inmitten der Fichtenwälder, sollen einst Wiesen und Äcker eines Hofes gewesen sein. Eine eigen schmerzende Vorstellung: An diesen Ort, erfüllt von wäldertiefer Stille, zog einst der Bauer sein Ochsengespann über den Acker, hütete sein Sohn die Kühe."

Mit einer kleinen, in historischer Schrift gefassten Erinnerungstafel will der Dietenheimer dieses Stück Lokalgeschichte aus der Vergessenheit reißen. "Hier stand der Glaserhof", steht darauf geschrieben. Wer jemals an dieser Tafel vorbeikommt, wird von dieser Abgeschiedenheit und einmaligen Stille dieses Ortes, der ja nur vier Kilometer Luftlinie vom hektischen Illertal entfernt liegt, fasziniert sein.

Zuletzt ist der Glaserhof in den Quellen mit sieben Einwohner 1886 erwähnt, mit dem Tod des letzten "Glaserjägers" Dionys Weiger im Jahre 1894 dürfte er endgültig abgegangen sein.

1535 erlaubte die Ulmer Patrizierfamilie Ehinger als Herrin von Balzheim den drei Brüdern Raimund, Anton und Hieronymus Fugger ein Jagdhaus "uff dem Glaser" zu errichten. Glaser kommt von "glassenhart" und bezeichnet damit den harten Untergrund des Geländes. Dennoch entstand in dieser Fuggerschen Enklave auch ein Bauernhof, der einschließlich Wald 89 Morgen umfasste und eine rechtliche Sonderstellung genoss: Befreiung von allen Getreideabgaben.

Im Jagdhaus im Glaserhof wurde auch Wein ausgeschenkt, für 1793 ist sogar eine Hochzeitsfeier nachgewiesen. Dort soll des öfteren feuchtfröhlich zugegangen sein, Raufhändel eingeschlossen. 1768 verkauften die Fugger ihre Enklave inmitten des Balzheimer Territoriums an das Kloster Gutenzell, 1854 wurde der Glaserhof der Gemeinde Oberbalzheim zugeteilt - mit neun katholischen Einwohnern!

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