Heilung durch Delfintherapie

Curaçao, das hört sich für viele nach Urlaub an. Für Erika Weiß aus Illerrieden aber bedeutet die Fahrt dorthin nur die Chance, ihre Töchter behandeln zu lassen. Doch die so genannte Delfintherapie ist sehr teuer.

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Die Delfintherpie tut Anastasia und Sofie Weiß gut. Darum setzt Mutter Erika Weiß alle Hebel in Bewegung, um ihren Töchtern diese Therapie zu ermöglichen.  Foto: 

"Endlich habe ich einen Termin bekommen und kann sicher sein, dass wir Pfingsten 2016 wieder nach Curaçao kommen dürfen", erzählt Erika Weiß aus Illerrieden mit leuchtenden Augen. Für ihre zwei gehandicapten Kinder freut sich die 37-Jährige. Ihre Töchter Anastasia und Sofie sind nämlich von Geburt an so sehr eingeschränkt, dass sie nur mit Rollstuhl, Rollator und Hilfe mobil sind. "Es sind die Delfine, die den Mädchen so guttun und neue Kräfte geben. Sie machen solche Fortschritte", sagt sie. Letztes Jahr an Ostern, war die Familie zuletzt bei den Delfinen in Curaçao. Davor drei Mal in einer Delfinfarm auf der Krim.

Daher hält sie es auch mit einer russischen Redensart: "Ein glückliches Kind verändert nicht die Welt, aber die Welt verändert sich für ein glückliches Kind." Dass dies gerade für ihre Töchter zutrifft, sieht jeder Besucher sofort. Das ganze Haus ist darauf ausgerichtet, den bestmöglichen Tagesablauf für die Kinder zu gewährleisten. Erika Weiß verbringt viel Zeit mit der Suche nach geeigneten Stiftungen zur Unterstützung. Zwischen den Anwendungen, Therapien und vor allem den vielen Fahrten bleibt der alleinerziehenden Mutter, die von Arbeitslosengeld II lebt, nicht viel Raum. Und trotz aller Bemühungen reicht bisher das Geld nicht, um die teure Delfintherapie regelmäßiger zu besuchen. Diese kostet nämlich für die ganze Familie etwa 20.000 Euro.

Erika Weiß erzählt über ihre Kinder und deren Krankheitsgeschichten bereitwillig und schildert die Hintergründe: Die heute zwölf Jahre alte Sofie ist mit dem Zwilling Jana zu früh auf die Welt gekommen, nämlich schon in der fünfundzwanzigsten Woche. Erst ging es beiden gut, aber dann am fünften Tag nach der Geburt zeigten sich bei Sofie Symptome einer Infektion, es kam es zu Komplikationen. Nach einer Blutung war die Entwicklung des Kleinhirns - das Zentrum für Bewegungsplanung und Bewegungskontrolle - stark eingeschränkt. Danach hat sich Sofie nie wieder regeneriert und seither große Schwierigkeiten beim Gehen und bei allen Bewegungen.

Anastasia (9), die mit offenem Rücken (spina bifida) zur Welt kam, ist auf den Rollstuhl angewiesen, spricht schwerfällig und ist geistig verlangsamt. Beide Mädchen bekamen von Anfang an jeden Tag sehr unterschiedliche und individuelle Therapien. "Wenn andere Kinder spielen oder in den Sportverein gehen, müssen meine Kinder zum Therapietermin", berichtet Weiß, die selbst keine Zeit für ein Hobby hat. Ihre volljährige Tochter Kristine, die während des Tages beim Arbeiten ist, sowie deren Freund Kilian helfen bei der Pflege der beiden Kinder.

Jeden Tag lernen die Kinder in exklusiver Lernumgebung in einer Klasse mit nur zehn Kindern von 7 bis 16 Uhr. Dort gefällt es ihnen offensichtlich hervorragend. "Da lerne ich Rechnen und Lesen, und der Fabian, mein Freund, der nicht reden kann, ist da auch", erklärt Anastasia. "Heute gab es Spaghetti und als vegetarisches Gericht Kaiserschmarren, aber daheim bei Mama schmeckt es besser", fügt sie hinzu und strahlt.

Zusammen freut sich die Familie jetzt schon auf den neuen Delfintherapie-Termin. Über die Gesellschaft Dolphinaid solle es an Pfingsten nach Curaçao gehen. Diese Gesellschaft arbeitet unter der Schirmherrschaft Leopold von Bayerns in der Türkei und auf Curaçao. Das Besondere an der Karibik: Anders als auf der Krim oder in der Türkei werden die Delfine dort nicht in Becken gehalten, sondern bewegen sich in einer natürlichen Bucht. "Die Delfine leben hier in artgerechten Umgebung. Das wirkt sich stark auf die Therapie aus, weil die Tiere natürlich reagieren."

Die Delfine geben den Kindern immer wieder eine Vorlage zu natürlicher Bewegung. Dadurch bilden sich im Hirn der Mädchen - laut der Therapiemediziner - frische und neue Nervenverbindungen. So erklärt es deren Arzt. "Manchmal können meine Kinder da sogar ohne Rollator gehen."

Jetzt muss die Familie den 14-tägigen Aufenthalt in der Karibik nur noch finanzieren. Im Februar ist Zahltag für die Delfintherapie. Doch das normale Budget der Familie reicht nicht. Deshalb organisiert die Familie zusammen mit Freunden einen Kuchenverkauf in der Ulmer Fußgängerzone. "Die Mädels kommen auch mit und verkaufen den Kuchen, den sie mit mir und meiner Freundin Astrid backen", erzählt Erika Weiß. "Es ist uns aber auch darüber hinaus jede Hilfe willkommen", sagt die Mutter.

Wer helfen will oder Fragen zur Delfintherapie hat, kann direkt in Illerrieden bei Erika Weiß anrufen unter der Rufnummer 0 73 06/ 9 26 40 80.

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