Ausbau Brenzbahn: Grüne setzen auf den Zug

Für den Ausbau der Brenzbahn sei eigentlich der Bund zuständig, sagen Kandidaten und Abgeordnete. Doch forciere den Straßenbau und bremse bei der Schiene.

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Die Bundestagskandidaten Margit Stumpp (Aalen-Heidenheim) und Marcel Emmerich (Ulm) machen sich für den Ausbau der Brenzbahn stark. Unterstützung kommt vom Ramminger Bürgermeister Karl Häcker und den Landtagsabgeordneten Martin Grath (Heidenheim) und Jürgen Filius (Ulm).  Foto: 

Am Bahnübergang südlich von Asselfingen sind am Freitagvormittag innerhalb von 50 Minuten mindestens fünf oder sechs Traktoren vorbeigekommen. Aber kein einziger Zug. Genug Zeit also für die Wahlkämpfer der Grünen, Schienenstücke neben das Gleis zu legen: als Zeichen der Forderung nach dem zweigleisigen Ausbau der Brenzbahn.

Diese Forderung ist alles andere als eine Exklusiv-Position der Grünen. Die Landkreise Alb-­Donau und Heidenheim, Kommunen, Regionalverbände und Wirtschaftskammern haben sich schon vor Jahren zur Interessengemeinschaft Brenzbahn zusammengeschlossen. Für das Konzept einer Regio S-Bahn Donau-Iller, zu dessen Umsetzung ein Verein mit mehr als 90 Mitgliedern gegründet wurde, spielt der teilweise zweigleisige Ausbau der Strecke Ulm–Langenau–Aalen eine zentrale Rolle. Trotzdem passiert scheinbar nichts.

Jürgen Filius, Landtagsabgeordneter aus Ulm, widerspricht. Die Planung sei schon weit fortgeschritten, sagt er mit Verweis auf das S-Bahn-Konzept, die Arbeit des Regio S-Bahn-Vereins,  diverse Gutachten und Fahrplanstudien. Nun gehe es auch darum, eine stabile Finanzierung auf die Beine zu stellen, sagt Filius.

Es geht um 66 Millionen Euro. So viel kostet nach aktueller Schätzung der Deutschen Bahn die Ertüchtigung der Strecke, einschließlich Planung und Steuern. Die reinen Baukosten inklusive eines Puffers werden auf 44,5 Millionen geschätzt. Vorgesehen sind unter anderem zwei zweigleisige Abschnitte zwischen Langenau und Rammingen sowie zwischen Sontheim und Bergenweiler (Kreis Heidenheim).

Im Grunde, sagt der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel aus Filderstadt, sei der Schienenausbau eine Bundesaufgabe. Aus diesem Grund habe die Grünen-Fraktion im Bundestag beantragt, die Brenzbahn in den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 aufzunehmen. Vergeblich. Die Regierung in Berlin verweise auf das Land, habe aber gleichzeitig die Mittel für die Länder nach dem Gemeindeverkehrs-Finanzierungsgesetz (GVFG) eingefroren. Demnach stellt der Bund jährlich 330 Millionen Euro für Nahverkehrsprojekte zur Verfügung, seit 1997 sei der Posten nicht erhöht worden. Gastel stellt fest „Das ist eine reale Reduzierung der Mittel.“

Das kritisieren auch die beiden Bundestagskandidaten in den Wahlkreisen Aalen-Heidenheim und Ulm, Margit Stumpp und Marcel Emmerich. Beide beklagen, dass Berlin einseitig den Straßenbau forciere und die Schiene vernachlässige. Die Grünen forderten daher die Verdreifachung der Bundesmittel für Nahverkehrsprojekte auf eine Milliarde Euro.

Einstweilen ist aber das Land am Zug. Das steuere bereits für die Neubaustrecke über die Alb (950 Millionen Euro) und die Elektrifizierung der Südbahn (112,5 Millionen) „Riesensummen“ bei, sagt Filius – „aus Goodwill“. Investitionsmittel für die Brenzbahn könnten zum Beispiel durch den im Juni 2019 anstehenden Betreiberwechsel gewonnen werden. Dann übernimmt die Hohenzollerische Landesbahn die Regionalexpress- und die Regionalbahnzüge auf der Brenzbahn. Gegenüber dem bisherigen Preis spart das Land nach Angaben des Verkehrsministeriums etwa 20 Prozent pro Zugkilometer.

Kommunen beteiligen sich

Mit dem Ausbau der Schienen-Infrastruktur wird nach Ansicht des Ramminger Bürgermeisters Karl Häcker der ländliche Raum gestärkt. Umso schwerer wiegt für ihn das Bummelzug-Tempo bei der Strecke vor der Haustür. Um für etwas Beschleunigung zu sorgen, habe der Ramminger Gemeinderat – ebenso wie die Nachbarstadt Langenau – einer Beteiligung an den Kosten eines Teils der Planung für den Brenzbahnausbau zugestimmt. Damit in Rammingen die Nahverkehrszüge wenigstens im Stundentakt halten – eines Tages.

Kritik Die Bahn-Tochter DB Regio sei nicht besonders kundenfreundlich, sagt Bundestagskandidatin Margit Stumpp (Grüne). Die Gemeinde- und Kreisrätin aus Königsbronn bestätigt die Schilderung einer Leserin unserer Zeitung, wonach auf der Brenzbahn statt der eigentlich vorgesehenen neuen Triebwagen vom Typ „Talent“ Fahrzeuge der alten Baureihe VT 628 eingesetzt werden. Diese „Oldtimer-Triebwagen“ seien aber nicht barrierefrei.

Aktion Auch in Erbach und in Ehingen haben Wahlkämpfer der Grünen gestern symbolisch Schienen verlegt. Mit dieser Aktion soll die Forderung nach einer Bahnverbindung zwischen beiden Städten unterstrichen werden.

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Kommentare

05.08.2017 09:57 Uhr

autonomer Zugverkehr

was bei S-Bahnen schon geht, ist in anderen Bereichen der Eisenbahn noch unbekannt. Als Teststrecke für autonomes Fahren könnte ein Argument für den zweigleisigen Ausbau der Brenzbahn sein.

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