Grünbrücke über A 8 für sicheren Wildwechsel

Wie kommt ein Tier über eine sechsspurige Autobahn und eine ICE-Bahntrasse? Bisher gar nicht. Bei Temmenhausen wird daher eine Grünbrücke als Teil eines Wildtierkorridors durch Baden-Württemberg gebaut.

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Auch Tiere sind gern unterwegs, besonders wanderfreudig ist die Gams. "Sie ist das mobilste unter den Wildtieren." Vom Schwarzwald und dem Oberen Donautal kommend, breite sich die Gams über die Schwäbische Alb in Richtung Ostwürttemberg aus, erläuterte Martin Strein von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg gestern an der A 8 bei Temmenhausen. Ungefähr dort, wo sich der Parkplatz Imberg befindet, entsteht in den nächsten zweieinhalb Jahren eine Brücke, auf der nicht nur Gamswild die Autobahn überqueren soll.

Mit 67.000 Fahrzeugen pro Tag stellt die Autobahn Stuttgart-Ulm ein ziemlich unüberwindliches Hindernis dar. "Tiere haben wenig Chancen, lebend über die Straße zu kommen", stellte Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne) vom Landesverkehrsministerium treffend fest. Der sechsspurige Ausbau der A 8, der zwischen Ulm-West und Hohenstadt in gut drei Jahren fertiggestellt sein soll, bietet nun die Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen. Das planende Regierungspräsidium Tübingen hat auch gleich die Bahn mit ins Boot geholt, die neben der A 8 die Schnellbahntrasse baut. Bei Temmenhausen entsteht zurzeit der Tunnel Imberg, ein wesentlicher Teil des künftigen Wildwechsels.

Die eigentliche Grünbrücke, erläuterte Arnold Goller, beim Regierungspräsidium Projektleiter des A-8-Ausbaus, wird 40 Meter lang. Sie überspannt die Stand- und die Fahrspuren der Autobahn sowie die Einfädelspur vom Parkplatz Kemmental in Richtung Stuttgart. Auf dem 50 Meter breiten Bauwerk selbst wird ein Stück Alb nachgebaut: ein Waldstreifen in der Mitte, links und rechts davon Sträucher sowie Gras. So soll die Verbindung zwischen dem Wald auf beiden Seiten der Autobahn hergestellt werden.

Südlich der Fahrbahn wird nach dem Tunnelbau wieder Erdmaterial aufgeschüttet und aufgeforstet. Auf diese Weise werden Gams und Co nicht nur über die Autobahn, sondern auch über die Schnellbahntrasse marschieren.

Manche werden, wie Martin Strein sagte, auch fliegen. Das Große Mausohr zum Beispiel. Diese Fledermausart fühle sich in den lichten Buchenwäldern der Alb sehr wohl und sei meistens im Tiefflug auf Nahrungssuche. Wer aber nur zwei Meter über dem Boden hinter Käfern und anderen Insekten her ist, bleibt allzu oft an rasenden Verkehrshindernissen hängen.

Biotope und Tierpopulationen seien lange isoliert voneinander betrachtet worden, sagte Staatssekretärin Splett. "Naturschutz muss aber großflächig denken", Lebensräume müssten miteinander vernetzt werden. Zu diesem Zweck sei vor drei Jahren das Bundesprogramm "Wiedervernetzung" aufgelegt worden, das unter anderem 93 Grünbrücken vorsehe, 12 davon in Baden-Württemberg. Als erste werde diejenige bei Temmenhausen realisiert. Der Standort ist Splett zufolge ideal: Teil des im Generalwildwegeplan eingezeichneten Wildtierkorridors zwischen Merklingen und Westerstetten.

Dafür, dass die Tiere nicht an der falschen Stelle zum Wildwechsel ansetzen, sollen entlang von Autobahn und ICE-Trasse mehr als neun Kilometer Wildzäune sorgen. An den Enden der Grünbrücke werde im Radius von etwa 500 Metern ein absolutes Jagdverbot gelten, kündigte die Staatssekretärin an. Und die Kosten? Von den 203 Millionen Euro des A-8-Ausbaus entfallen 2,7 auf die nicht nur für Gämsen lebensrettende Querungshilfe.

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