Großes Interesse an der Merklinger Ausstellung über Heimatvertriebene

Wiedersehensfreude, Erinnerungen an die Heimat und Wehmut prägten die Ausstellung für Heimatvertriebene und Luftkriegsgeschädigte in Merklingen: Eine interessante Darstellung von Zeitgeschichte.

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Michael Molnar erinnert sich an die Vertreibung: Am Ende fand er in Merklingen seine Heimat. Foto: Brigitte Scheiffele

"Man steht sich nah, denn Heimatvertriebene fühlen sich stark verbunden, weil sie das gleiche Schicksal haben", erzählt die Besucherin Erna K. (Name von der Redaktion geändert) in der hervorragend besuchten Merklinger Gemeindehalle und fügt hinzu: "Wir sind im Dorf schon gut aufgenommen worden, aber wenn etwas schief lief, dann waren es gleich die Huren-Flüchtlinge." Oftmals habe sie sich in ihrer Situation einer Vertriebenen nicht verstanden gefühlt. Das weiß sie heute, wenn sie zurück blickt. Gestern traf sie bei der Ausstellung in Merklingen nun wieder einstige Mitschüler und Spielkameraden, freute sich über das Wiedersehen. Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie über die Flucht aus dem heutigen Tschechien sprach. "Es war eine harte Zeit, die uns sehr geprägt hat. In Merklingen habe ich zwar freundliche Menschen gefunden, aber wollte weg, um den Flüchtlingsstatus abzulegen.

Michael Molnar hingegen hat nach der Ausweisung aus Ödenburg (Ungarn), dem heutigen Sopron, eine neue Heimat in Merklingen gefunden: Der Vater ist im Krieg gefallen, die Mutter war deutscher Abstammung. Deswegen stand auch ihr Name auf der Liste derer, die ausgewiesen wurden. "Die Großmutter, meine Mutter und ich nahmen mit, soviel wir tragen konnten. Ein Leiterwagen mit Pferd brachte uns zum Bahnhof. Mit dem Güterwagen fuhren wir nach Ulm und kamen dort in das Lager am Kienlesberg", erzählt Molnar. Dort habe man gefragt, wohin sie wollten, und da die Familie aus Weinbauern bestand, bat man um die Vermittlung in eine Weingegend. "So landeten wir in Merklingen." 13 Jahre war Michael Molnar alt, als er am 27. April 1946 den Zug in Wandorf bestieg (heute Agfalva) und am 9. Mai 1946 schließlich Merklingen erreichte. "Ein offener Lastwagen brachte uns von Ulm im dickem Nebel in die Albgemeinde. Als wir die vielen Kinder in ihren Blauhemden sahen, dachte meine Großmutter, hier gebe es ein Kloster."

Die Familie fand in der Dorfmitte beim "Münzenbauer", einer Familie Hagmeyer, Unterkunft. Zu dritt lebten sie in einer Kammer des alten Bauernhauses, in dem sie auch kochten und aßen. "Die Großmutter hat dann auf die Kinder des Hauses aufgepasst, so konnte sie sich nützlich machen, alle anderen haben gearbeitet", erinnert sich Molnar. Die Schule habe er aber ziemlich häufig geschwänzt, denn schließlich hätte es geheißen, man dürfe wieder heim. Mit 14 Jahren machte er eine Lehre in Ulm als Schuster, kam dann aber wieder in die Albgemeinde zurück, wo er die damalige Merklingerin Hilde Betz heiratete.

"Ich bin in dieser Familie wie ein Sohn aufgenommen worden", sagt Molnar, der sich in vielen Bereichen der Gemeinde einbrachte. "Wir haben klein angefangen, aber gekämpft und uns nicht unterkriegen lassen." Seit 67 Jahren lebt er nun in Merklingen. "Ödenburg ist der letzte Zipfel in Ungarn vor Österreich und liegt am Neusiedler See. Deswegen konnte ich sogar rückwärts Schlittschuh laufen. Wenigstens darüber haben meine Spielkameraden in Merklingen gestaunt."

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