Große Resonanz beim erstens Balzheimer Frauenmahl in Palmscher Stube

Beim ersten Frauenmahl in Balzheim sind materielle, geistige und gesellschaftliche Armut im Blickpunkt gestanden. Die Resonanz in der Stiftungshalle war mit vielen Frauen und ein paar Männern insgesamt groß.

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Das erste Balzheimer Frauenmahl kam gut an: Mehr als 50 Besucher kamen. Foto: Kurt Högerle

Geht das zusammen? Im reichen Oberschwaben, im nobel eingerichteten Palmschen Stube der Stiftungshalle Balzheim trafen sich viele Frauen und wenige Männer, um über Armut zu sprechen und dabei zu essen. Ja, es geht, befanden jedenfalls die Frauen des Ökumenischen Frühstücksteams in Balzheim, Claudia Gai, Barbara Neuhauser und Helga Kuhnt. Kuhnt arbeitet auch bei den Bezirks-Arbeitskreis-Frauen mit, die für den evangelischen Kirchenbezirk Biberach Angebote für die Gemeindearbeit entwickeln. Und sie veranstalteten das erste Frauenmahl in Balzheim.

"Der Begriff des Frauenmahls ist nicht neu, auch wenn es das erste ist, das in Balzheim stattfindet", erklärte Helga Kuhnt, "wir haben schon mehrere Abende organisiert." Ihre Wurzeln habe das Frauenmahl in den Tischgesprächen Martin Luthers, wo eben nicht nur gegessen worden sei, sondern oft eifrig diskutiert. Am Samstag aßen und redeten an die 50 Interessierte in der Palmschen Stube der Oberbalzheimer Stiftungshalle bis tief in die Nacht über relative und absolute Armut, über Chancengerechtigkeit, Eigenverantwortung, Globalisierung und Kapitalismus. Zwischen den Gängen gab es Musik und kurze Vorträge.

Nach der Vorspeise begann Dr. Monika Stolz, ehemalige Sozialministerin des Landes Baden-Württemberg, mit den Tischreden. In ihren Ausführungen zählte sie die typischen Armutsrisiken in Deutschland auf: Langzeitarbeitslosigkeit, Alleinerzirhung, mangelnde Bildung. Stolz berichtete von der schlimmen Situation der Prostituierten, und dass neun von zehn Frauen zu dieser Arbeit gezwungen würden: In gewisser Weise sei Armut weiblich. Abseits dieser krassen Fälle erinnerte die Politikerin, dass der Staat nicht alles regeln könne, und dass mit Umverteilung keine Probleme zu lösen seien: Eigenverantwortung des Einzelnen könne nicht durch den Staat ersetzt werden.

Während Monika Stolz überraschend unpolitische Gedanken formuliert hatte, griff die Bad Schussenrieder Künstlerin und Bildhauerin Theresa Moosherr fast zornig die moderne Gesellschaft an. Globalisierung und das Streben nach Profitmaximierung erzeugten nicht nur maßlose Ungleichheit, sondern auch allein gelassene Menschen, die keiner mehr verwenden könne. Der Mensch werde nämlich in der globalisierten Welt zum Renditeobjekt degradiert. Armut entstehe durch Ausgrenzung, Armut bedeute Ausgrenzung, und ausgegrenzt würden die Nichtangepassten, erläuterte Theresa Moosherr.

Dr. Ulrich Mack, der direkt im Anschluss sprach, war der einzige männliche Redner. Mit seiner langjährigen Erfahrung als Seelsorger im Zentrum für Psychiatrie in Bad Schussenried und davor in einem Krankenhaus, in dem er unheilbaren Kindern Sterbebegleitungen angeboten hatte, hätte er über geistige Armut und Reichtum referieren können, tat dies aber nur am Rande und stellte die Bewahrung der Schöpfung in den Mittelpunkt seiner Tischrede.

Die lebensklugen, einfachen und klaren Weisheiten, die Schwester Antonia Schmid von der Steyler Mission als letzte Rednerin formulierte, trafen die Zuhörer mitten ins Herz. Armut sei vielfältig, und oft sei die schlimmste Armut eine geistige, nämlich die, allein gelassen zu werden. Schwester Antonia betonte deshalb den Begriff der Achtsamkeit für den Nächsten. Diese Achtsamkeit nahm Helga Kuhnt am Ende der Veranstaltung auf, um den Abend in einer kleinen Diskussionsrunde zusammenzufassen. In gewisser Weise war dies das Band, das sich zwischen Veranstaltern, Rednerinnen und Gäste spann, und so wurde das gemeinsame Essen und Zuhören doch noch eine ökumenische Übung in Sachen Achtsamkeit für den Nächsten.

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