Große Brisanz für eine kleine Bank

Die Raiba Dellmensingen und ihr Vorstand Eugen Schlachter werden in brisanten Zusammenhängen genannt: Es geht um Insolvenz und um Bestechung.

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Die Generalversammlung der Raiffeisenbank Dellmensingen am Donnerstagabend war keine gewöhnliche. Nicht wegen der Zahlen des Geschäftsberichts 2014, die der Vorstand im Gasthaus "Hirsch" erläuterte. Die bewegen sich mit einer Bilanzsumme von 57,1 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von 81.000 Euro im Rahmen des Üblichen. Der Name der kleinen Genossenschaftsbank mit 13 Mitarbeitern und etwa 1450 Mitgliedern ist aber in Medienberichten über ein großes Insolvenzverfahren aufgetaucht. Demnach gehört die Raiba Dellmensingen zu den Gläubigern gegenüber dem Nachlass des im Januar 2014 verstorbenen Biberacher Rechtsanwalts Artur Maccari. Die gesamten Forderungen sollen sich auf etwa 350 Millionen Euro belaufen.

Mit Berufung auf das Bankgeheimnis kann Vorstand Hans-Dieter Fuchs nicht bestätigen, dass die Bank zu den Maccari-Gläubigern gehört. Er betont gegenüber unserer Zeitung aber, dass Grüchte, wonach der Raiba bei einem Kreditausfall ernste Schwierigkeiten drohten, haltlos seien: "Wir haben keine existenziell bedrohlichen Risiken." Bei einem gesamten Kreditvolumen von 37,8 Millionen Euro und angesichts der Tatsache, dass bei Großkrediten ab zehn Prozent der Bilanzsumme erhöhte gesetzliche Anforderungen zu erfüllen seien, "geht das gar nicht."

Trotzdem ist gestern der Bericht des Aufsichtsrats "etwas schärfer" ausgefallen. Das jedenfalls hatte Dietmar Koch, der Vorsitzende des Kontrollgremiums, auf Anfrage angekündigt. Anlass dafür bietet auch die Person des langjährigen Bank-Vorstands Eugen Schlachter. Seit mehr als 25 Jahren führt der 58-Jährige die Geschäfte der Raiba und ist für die Kreditvergabe mitverantwortlich. Schlachter, von 2007 bis 2011 auch Landtagsabgeordneter der Grünen, soll laut Medienberichten private Rechnungen über Beratungsleistungen an Artur Maccari gestellt haben. Angeblich prüft das Finanzamt Ulm, ob die Honorare ordnungsgemäß versteuert wurden. Eine Bestätigung dafür ist beim Finanzamt nicht zu bekommen, die Behörde verweist auf das Steuergeheimnis. Auch Bank-Aufsichtsratsvorsitzender Koch ist mit öffentlichen Äußerungen zurückhaltend, zu kredit- und zu dienstrechtlichen Vorgängen dürfe er keine Auskünfte geben.

Ein Hinweis darauf, wie ernst das Aufsichtsgremium die Angelegenheit nimmt: Über die Entlastung der Mitglieder des Vorstands und des Aufsichtsrats werde im "Hirsch" geheim abgestimmt, kündigte Koch an. Üblich sind offene Abstimmungen per Handzeichen.

Eugen Schlachter selbst befindet sich im Krankenstand und hat an der Generalversammlung nicht teilgenommen. In der Sache "Maccari" will er mit Hinweis auf das Bankgeheimnis nichts sagen. Nur soviel: "Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen. Nach dem vorliegenden Prüfungsbericht steht meiner Entlastung nichts im Wege."

Zusätzliche Brisanz für die Bank und für Schlachter birgt ein Wirtschaftskrimi, in dem die Staatsanwaltschaft München I gegen Maccari ermittelt. Dem verstorbenen Anwalt und weiteren Verdächtigten werden Bestechung und Bestechlichkeit vorgeworfen. Die Augustinum-Gruppe (München), die unter anderem Seniorenresidenzen betreibt, soll um zig Millionen Euro betrogen worden sein. Offenbar eine Schlüsselfigur: Artur Maccari, bis zu seinem Tod Aufsichtsratsvorsitzender der Augustinum-Gruppe.

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