Glücklicher Neustart in Balzheim

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Sie kamen im Sommer vor einem Jahr in die Anschlussunterbringung nach Balzheim und wurden zumeist freundlich und offen empfangen. Eine Helfergruppe mit Edgar Huber an der Spitze nahm sich der aus Afrika Geflüchteten an. Heute sind die zehn Eritreer ausgesprochen gut integriert in das Gemeindeleben. Sie spielen Fußball, musizieren und sind regelmäßige Gäste und Helfer bei Veranstaltungen und Festen in Unter- und Oberbalzheim. Zwei haben bereits eine eigene Wohnung gefunden, fast alle gehen einer geregelten Arbeit in Teil- und Vollzeitbeschäftigung nach. Untergekommen sind sie bei Firmen und Betrieben am Ort.

Praktikum als Einstieg

„Meist sind Praktika der Einstieg“, berichtet Edgar Huber, der engagierte Mittelsmann zwischen Flüchtlingen, Behörden und potenziellen Arbeitgebern. Die „große Bereitschaft“ der Unternehmer an seinem Heimatort, den Flüchtlingen eine Chance zu geben, wertet der frühere Stiftungsvorsteher als Glücksfall.

Mit einem Praktikum begann der Einstieg ins Arbeitsleben auch bei Binyam Tesfay und Jasin Mohamed-Saleh. Die Günter Wirth Betriebs GmbH, die Präzisionswerkzeuge produziert, war das erste Balzheimer Unternehmen, das sich Mitte 2015 im Helferkreis der Gemeinde engagierte und den beiden Eritreern jeweils einen Praktikumsplatz im Versand anbot. „Wenn wir helfen können, dann tun wir das“, lautet das Credo von Geschäftsführer Gerhard Bailom.

Damit war der Weg frei für den ersten Versuch, Flüchtlinge in die Arbeitsprozesse zu integrieren „Trotz Sprachbarrieren hat das gut geklappt“, erinnert sich Gabriele Glaser-Däubler. Für die Personalreferentin, die sich gemeinsam mit ihrer Tochter auch über ihre Arbeit hinaus für Flüchtlinge engagiert, war die Integration der beiden Eritreer das erste Projekt an ihrer damals neuen Wirkungsstätte.

Verständigte man sich anfangs „mit Händen und Füßen“, wie Ulrike Gerster, die Teamleiterin im Versand schmunzelnd erzählt, so haben die beiden jungen Männer zwischenzeitlich weitere Fortschritte mit ihrem Deutsch gemacht. Bei der täglichen praktischen Arbeit stellten sie sich ohnehin ganz geschickt an. Deshalb bot die Geschäftsleitung den beiden jungen Männern nach dem Praktikum auch jeweils eine Vollzeitbeschäftigung an. Tesfay blieb im Versand und sorgt dort dafür, dass das Werkzeug von Wirth korrekt etikettiert und gut verpackt beim Kunden ankommt. Mit ruhiger Hand zieht er einen dünnen Farbring auf einen Bohrer. „Wichtig für die Unterscheidung“, erzählt der junge Mann mit der bunten Baseball-Mütze, die fast zu einem Markenzeichen geworden ist. Mit dem Fahrrad legt er täglich die kurze Strecke vom Flüchtlingshaus zu seiner Arbeitsstätte zurück.

Fit machen für Ausbildung

Jasin Mohamed-Sale beschichtet mittlerweile Werkzeuge aus Vollhartmetall im Drei-Schicht-Betrieb. Für ihn könnte sich sogar der Traum einer Berufsausbildung erfüllen. „Wir schauen, ob wir ihn bis September 2017 fit bekommen für eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker oder Maschinen- und Anlageführer“, berichtet Glaser-Däubler. Die Ausbildungsmeister Wilhelm Englisch und Denis Helmert haben in der Lehrwerkstatt zurzeit ein besonderes Auge auf den 21-Jährigen und dessen technisches und mathematisches Verständnis. „Ein Spaziergang wird das nicht“, sind sich die Ausbilder und die Personlaerin einig. Die Anforderungen in der Berufsschule sind hoch. „Da tun sich schon Einheimische schwer.“

Nach Feierabend besuchen die beiden anerkannten Flüchtlinge deshalb weiterhin Sprachkurse, weil sie eben wissen, dass gute Deutschkenntnisse die wichtigsten Voraussetzungen sind, „um beruflich weiterzukommen“, wie auch Glaser-Däubler immer wieder betont. Schnell begriffen haben die beiden auch, dass es in ihrer neuen Heimat besonders auf Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ankommt. „Wir sind immer in time“, lacht Tesfay, auch wenn er mitunter heftig in seine Radpedale treten muss. Das Personalbüro stellt ihnen auch ein gutes Zeugnis aus: „Aus heutiger Sicht hat sich das Projekt super entwickelt. Es ist für beide Seiten ein Gewinn“, freut sich Gabriele Glaser-Däubler.

Arbeitgeber Die Günther Wirth GmbH, ist einer der großen Arbeitgeber in Balzheim. Der Hersteller von Präzisionswerkzeug aus Hartmetall beschäftigt in Balzheim 350 Mitarbeiter und unterhält Standorte in Indien, Frankreich und den USA. Das Unternehmen bildet aktuell 21 Jugendliche zu Zerspanungsmechanikern aus. Nächstes Jahr sind weitere acht Ausbildungsplätze vorgesehen. Erstmals soll dann auch ein Flüchtling aus Eritrea ausgebildet werden. bele

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