Geschichte der Albankirche

Am Sonntag hat die evangelische Kirche mit Stadtarchivar Friedrich Oelhafen die Ausstellung "Die Albanskirche im Geschichtslauf" eröffnet. Die Ausstellung ist informativ und sachlich.

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Pfarrer Karl-Hermann Gruhler (links) und Stadtarchivar Friedrich Oelhafen führten in die Ausstellung über die Geschichte der Albankirche ein.  Foto: 

Rund 50 Besucher waren zur Eröffnung der Ausstellung "Die Albanskirche im Lauf der Geschichte" gekommen, die auch Teil der Feierlichkeiten zur 650-jährigen Stadterhebung Laichingens ist. Sie kamen in den Genuss einer Einführungsrede von Stadtarchivar Friedrich Oelhafen, die anschauliche Einblicke gab, weniger über den Gebäudekomplex, als über das Wirken der protestantischen Albanskirche im Beispieljahr 1626. Also dem letzten Jahr im 30-jährigen Krieg und dem einzigen Jahr aus dieser Zeit, von dem noch einigermaßen lesbare Dokumente existieren. Diesen Manuskripten ist zu entnehmen, dass die Macht der Kirchenheiligen - heute werden sie Kirchenpfleger genannt - zu jener Zeit riesig war. Die Geschäfte der zwei in Laichingen beschäftigten Heiligen reichten bis nach Stuttgart und ins Neckartal und umfassten neben der Verwaltung des Kirchenguts und der großzügigen Besoldungen etwa von Pfarrer und Amtsmann, Verkäufe von Getreide und Brot. So zitierte Oelhafen aus einer Eintragung einen Posten über den "Verzehr von einem Herren Spezialis aus Blaubeuren bei seiner Visitation mit dem Pfarrer und dem Amtsmann". Die größte Einnahmequelle aber sei das Kreditgeschäft gewesen. Riesige Summen an Zinserträgen seien in den Aufstellungen aufgelistet. "Und der Heiligenpfleger selbst war ein sehr Vermögender. Woher er sein unheimlich vieles Geld hatte, möchte ich heute nicht wissen", sagte Oelhafen. Ein ebenso nicht unerheblicher Posten auf der Einnahmeseite seien Strafgelder gewesen. So wurden seinerzeit Menschen mit einer Geldstrafe belegt, wenn sie anstatt "bei der Predigt auf dem Felde" gewesen sind. "Summa summarum fehlt leider die spannendste Seite, nämlich die letzte, woraus ersichtlich wird, ob die Kirche 1926 ein Plus oder Minus gemacht hat."

Die Albanskirche selbst habe zu jenen Zeiten "kolossal viel" mitgemacht, als der 30-jährige Krieg sich dem Ende zuneigte, kam die Not über Laichingen. In der Kirche waren 1000 Mann von der Besatzung stationiert, die Abgaben für die Soldaten waren enorm. War die Kirche schon vor diesem Krieg im Unterhalt teuer, weil immer wieder renovierungsbedürftig, wurde sie in diesem Jahr fast restlos zerstört. Als die Besatzer abgezogen sind, haben sie Feuer gelegt, berichtete Oelhafen.

Pfarrer Karl-Hermann Gruhler nahm hier den Faden auf, bevor er die Ausstellung offiziell eröffnete. Erstaunlich im Vergleich zu heute sei es, dass damals in dieser Zeit des Elends zuerst die Kirche renoviert wurde, erst danach die Wohnhäuser der Menschen, meinte er. Angesichts des enormen Einflusses der damaligen Kirche auf die Menschen relativiert sich diese Verwunderung aber etwas. . Dennoch ist aus heutiger Sicht die damalige Handlungsweise nicht mehr nachvollziehbar, meinte Gruhler. Er verwies auf den heutigen Reichtum, der einer Kirche nie gut tue und der wohl auch dazu führe, dass immer weniger Gläubige den Weg in die Kirchen finden werden.

Die Machtverhältnisse der Kirche kommen in der Ausstellung selbst wenig zum Tragen. Gar nicht einfach sei es gewesen, sie zusammenzustellen, erklärte Gruhler eingangs, weshalb die Kirchengemeinde gerne die Hilfe des Stadtarchivars angenommen hätte. Die Ausstellung ist die chronologisch angeordnete, sachlich dokumentierte Geschichte der Kirche. Mit allen baulichen Veränderungen, mit Beschreibungen von Zerstörung und Wiederaufbau, mit Informationen über die Funktionen des Gebäudekomplexes, der neben der Kirche auch aus Fruchtkasten und Heiligenhaus besteht.

Die Ausstellung im Pavillon der Albankirche ist in der Jubiläumswoche der Stadt noch bis Freitag, 26. September jeweils von 16 bis 19 Uhr zu sehen, am Samstag und Sonntag ist sie von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Während der Ausstellungszeiten ist auch die Kirche zur Besichtigung geöffnet.

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