Konzert: Gekonnte, kunstvolle Einblicke in die Arbeit Bachs

Dimitri Subow spielte in der Stunde der Kammermusik das „wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach.

|
Dimitri Subow spielte in Laichingen.  Foto: 

Ein federleichter Anschlag, rasend schnelle Läufe wie aus einem Guss und jede Verzierung ist ein Krönchen in der musikalischen Darbietung: Dimitri Subow spielte in der Stunde der Kammermusik das „wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach. Meist werden einzelne, ausgesuchte Präludien und Fugen aus dieser Sammlung vorgetragen, Subow brachte in zwei Aufführungen von jeweils etwa 70 Minuten alle 24 zu Gehör.

Der Meister des Barocks wollte mit dieser Sammlung die enorme Bandbreite eines einzigen Tasteninstruments aufzeigen. Der Wunsch des Pianisten: seinem Publikum im direkten Vergleich die reichen Harmonien hör- und erlebbar zu machen. Eine Herkulesaufgabe für den Pianisten, die Subow am Cembalo brillant meisterte. Er spielte mit Demut, sezierte die Polyphonie, die sich dem aufmerksamen Zuhörer stets erschloss. Subow nahm sich dazu als Pianist fast ganz zurück. Und doch war seine Handschrift immer wieder zu erleben: Etwa im Präludium Nr. 110 in e-Moll, wo er den Anfangsakkord gebrochen arpeggierte, oder im Preludium und Fuge Nr. 15 in G-Dur, die er mit Pralltrillern und Trillern reich verzierte.

Subow schien sich von einer den Werken innewohnenden energetischen Kraft leiten zu lassen, spielte in teils unglaublich rasantem Tempo, wo andere große Pianisten ein ruhigeres gewählt haben. Die „Könner“ im Publikum derweil hingen an Subow, verfolgten besonders aufmerksam jene Präludien und Fugen, die sie selbst schon gespielt hatten.

Was das Fachpublikum liebte, war für den genießenden Musikliebhaber derweil eine wahre Reizüberflutung. 24 Präludien mit den dazu gehörenden Fugen nacheinander zu hören, macht es unmöglich, in wohlklingenden Melodien zu schwelgen und sich hineinzulegen in Harmonien. Es ist eine Herausforderung, sich innerhalb von rund 70 Minuten 24 mal auf neue musikalische Themen einzulassen, diesen in den komplizierten Konstrukten, insbesondere in den Fugen für bis zu fünf Stimmen, noch zu folgen.

Wohl auch deshalb fanden sich Volker Hausen, Leiter der Kammermusik, und sogar der Pianist selber, veranlasst, das Publikum eingangs in die Musiktheorie, insbesondere die der Fuge, einzuführen. Diejenigen, die sonst so zahlreich die Kammermusikstunde im Jahr besuchen, hätten sich wohl leichtere Kost gewünscht. Beide Aufführungen waren mit insgesamt etwa 50 Leuten, hauptsächlich Klavierspieler und Lehrer für Musik, leider nur spärlich besucht.

Lehrstoff Bachs „wohltemperiertes Klavier“ war nicht nur Demonstration des Harmonienreichtums dieses Instruments, sondern auch als Lehrstoff für seine Söhne gedacht. Der von ihm verwendete Begriff „wohltemperiert“ geht zurück auf eine akustische Reinheit, die in der Harmonik entsteht: genau definierte physikalische Frequenzen innerhalb eines Akkordklangraums, die der Mensch als angenehm empfindet.  Bachs Sammlung „das wohltemperierte Klavier“ Band 1 beinhaltet 24 Werke. Bach hat auf früher von ihm komponierte Werke zurückgegriffen und rund die Hälfte neu geschrieben.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Täter von Eislingen entschuldigt sich in Abschiedsbrief

Drei Tote in Eislinger Tiefgarage: Der mutmaßliche Täter hat seiner Noch-Ehefrau und deren Freund mit einem Küchenmesser die Kehle durchgeschnitten und sich offenbar durch einen Kopfschuss selbst getötet. Er entschuldigt sich für die Tat in einem Abschiedsbrief. weiter lesen