Geheime Wächter über Grenz-Markierungen

|

Roland Maier sammelt Zeugen der Vergangenheit. Heute bestimmen neue Messtechniken zentimetergenau die Örtlichkeiten von Grenzsteinen. Früher war das anders: Noch bis Anfang der 50er Jahre wurden den Grenzsteinen besondere Scherben beigegeben. Diese wurden meist unter oder neben den Grenzstein im Erdreich platziert.

Damit sollte Grenzfrevlern das Handwerk erschwert werden und dazu beitragen, entfernte oder versetzte Grenzsteine wieder in ihre ursprüngliche Lage zu bringen. Die Scherben waren in der Regel ortsfremde Steine wie beispielsweise Illerkiesel auf der Alb oder auf die Gemeinde gemünzte, gebrannte und mitunter sogar glasierte Tonstücke, um sie eindeutig von anderen Steinen zu unterscheiden.

„Mich faszinierten diese Zeugen“, erzählt Maier. Der gebürtige Söflinger lebt seit 1973 in Rammingen. Seitdem er als „Stift“ in der Ausbildung zum Vermessungstechniker war, sammelt er diese außergewöhnlichen Steine. „Ich war der Einzige im Amt, den die Zeugen überhaupt noch interessierten“, erinnert er sich.

Als er beim Flurbereinigungsamt beschäftigt war, kam Roland Maier im ganzen Landkreis Alb-Donau und im angrenzenden Bereich des Landkreises Göppingen herum. Mehr als 2600 Grenzzeugen trug er zusammen. Als sich herumsprach, dass er Sammler war, bekam er dazu viele geschenkt. „Erst kürzlich kam wieder eine Schachtel von  einer Böfingerin aus der Hinterlassenschaft ihres verstorbenen Mannes“, erzählt er und breitet die Gaben auf dem Wohnzimmertisch aus. Manche Zeugen hat er doppelt. „Die verwende ich zum Tauschen“, sagt er.

Im Hobby-Raum seines Kellers hatte Roland Maier Zeugen fast aller Landkreisgemeinden geordnet nach Lage an der Wand. Nach der Renovierung des Raums blieben sie bis jetzt in Schachteln und Kisten. „Eigentlich schade“, sagt er, schließlich konnte er seine Sammlung bereits mehreren Besuchergruppen in seinem Eigenheim zeigen. Immer wieder werde er darauf angesprochen, die Fundstücke doch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Problem dabei sei, dafür eine geeignete Räumlichkeit zu finden. In der Nachbargemeinde Asselfingen zum Beispiel hat die Gemeinde einen Raum zur Verfügung gestellt für eine Sammlung von Feuerwehrhelmen. Eine solche Möglichkeit würde er sich auch für Rammingen wünschen.

Für Roland Maier indes ist der Beruf zum Hobby geworden. Davon zeugen auch die rund 30 alten Grenzsteine, die er auf seinem Grundstück aufgestellt hat. Der älteste stammt aus dem Jahr 1630. Wenn er über die Grenzsteine spricht, sagt er: „Sie wären alle verloren gegangen, wenn ich mich nicht um sie gekümmert hätte.“

Maier ist geschichtsbewusst. So übertrug er auch bereits die Ramminger Pfarrchronik von handschriftlicher Sütterlin-Schrift in heutige Schreibweise in zwei Bänden mit 66, beziehungsweise 76 Seiten. Dabei half ihm im Wesentlichen seine Frau Heidi, die als ehemalige Notarangestellte dabei  gute Dienste leisten konnte. Ob daraus einmal eine bisher fehlende Ramminger Ortschronik werden könnte? Das sieht Roland Maier noch eher skeptisch.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Trauer um Bernhard Kempa, den „Monsieur Handball“

Die Handball-Legende Bernhard Kempa ist am Donnerstag im Alter von 96 Jahren gestorben. weiter lesen