Gebremste Energie

Die Dornstadter Bürger-Energiegenossenschaft hat mehr Zulauf als erwartet. Allerdings bremst die Bundesregierung mit der geplanten Kürzung der gesetzlichen Solarförderung den Investitionsschwung.

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Von der Gründungsversammlung bis zum Eintrag ins Genossenschaftsregister des Amtsgerichts hat es zwar mehr als sieben Monate gedauert. Doch Helmut Semler und Werner Weitlin, die den Vorstand der Dornstadter Bürger-Energiegenossenschaft bilden, meisterten alle bürokratischen Hürden gerade noch rechtzeitig. Seit 29. Dezember 2011 stehen sie an der Spitze einer eingetragenen Genossenschaft. Ebenfalls noch im vergangenen Jahr sind die beiden Photovoltaikanlagen der Genossenschaft in Betrieb gegangen.

Dass der Stichtag 31. Dezember 2011 eingehalten wurde ist Geld wert. So bekommt die Genossenschaft für jede Kliowattstunde Strom 28,74 Cent als Einspeisevergütung. So hätten die beiden Anlagen auf den Feuerwehrhäusern in Dornstadt und in Tomerdingen in den zweieinhalb Monaten seit Inbetriebnahme schon etwa 950 Euro gebracht, sagte Helmut Semler am Donnerstag im Gemeinderat. Wäre der Stichtag verpasst worden, müsste die Genossenschaft mit 24,43 Cent pro Kilowattstunde zufrieden sein. So sieht es das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) vor. Darin enthalten ist auch eine weiterer Abschlag von 12 bis 15 Prozent zum 1. Juli dieses Jahres.

Das hätte die Genossenschaft nicht von weiteren Photovoltaik-Investitionen abgehalten. Dachflächen, zum Beispiel auf dem Bühl-Schulzentrum und dem Hallenbad, sind genug vorhanden. Ebenso Kapital, denn nach Werner Weidlins Worten haben die 150 Mitglieder Anteile über insgesamt 261 000 Euro gezeichnet, für die bisherigen Investitionen wurden aber nur etwa 100 000 Euro benötigt.

Jetzt aber bremst die Bundesregierung die Bürger-Genossenschaft. Laut dem Gesetzentwurf von Schwarz-Gelb soll das EEG so geändert werden, dass Strom von Anlagen wie den in Dornstadt geplanten nur noch 16,5 Cent je Kilowattstunde bringt. Diese Vergütung ist allerdings auf 90 Prozent der jährlich eingespeisten Strommenge begrenzt. Zudem ist vorgesehen, die Vergütung vom 1. Mai an monatlich um 0,15 Cent pro Kilowattstunde zu senken. Das heißt: für eine Anlage, die zwischen dem 1. und 31. Mai in Betrieb geht, gibts noch 16,35 Cent je Kilowattstunde. Bei Inbetriebnahme im Juni sind es noch 16,2 Cent und so weiter.

Am kommenden Mittwoch befasst sich der Umweltausschuss des Bundestags mit dem Gesetzentwurf. Am 31. März wird er nach bisherigem Zeitplan dem Bundestag zur Abstimmung vorliegen. Bereits zum 1. April soll das Gesetz gelten.

Weitere Investitionsentscheidungen werden die Mitglieder der Dornstadter Genossenschaft wohl erst in der Hauptversammlung treffen. Die ist laut Helmut Semler für Mai vorgesehen. Wenn Photovoltaik nicht mehr rentabel sei, seien auch Beteiligungen an einem Wasserkraftwerk oder einer Windkraftanlage möglich. Laut Satzung sei die Genossenschaft offen für alle regenerative Energien, ergänzte Bürgermeister Rainer Braig, der dem Aufsichstrat der Bürger-Energie Dornstadt angehört. Auch für Kraft-Wärme-Kopplung. Ein solches Kleinkraftwerk für die Nahversorgung mit Strom und Wärme könne auch mit Holz betrieben werden. In der Mitgliederversammlung werde der Vorstand einen entsprechenden Vorschlag präsentieren, kündigte Braig an.

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