Gaus: Stillstand ist hausgemacht

Auf eine beeindruckende Entwicklung können die Ersinger zurückblicken – bis 20102. Seither stockt das Wachstum.

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Das Ersinger „Wetterkreuz“: jede Menge Platz nach Süden. Eine weitere Bebauung, die die hohe Nachfrage befriedigen könnte, scheitert an einigen Grundstückseigentümern.  Foto: 

Auf eine beeindruckende Entwicklung können die Ersinger zurückblicken. Hatte der Erbacher Teilort 2002 bei der Stadterhebung 998 Einwohner, waren es zehn Jahre später 1167. Der Zuwachs von 17 Prozent war Spitzenwert unter den sechs Teilorten. 170 neuen Ersingern stand beispielsweise im Hauptort Erbach im gleichen Zeitraum ein Plus von 40 Einwohnern gegenüber. Doch seit 2012 stockt die Entwicklung. Gerade mal 22 Einwohner sind in Ersingen bis heute dazugekommen.

Die Ursache dafür ist nach Meinung von Bürgermeister Achim Gaus hausgemacht, wie er am Montag im Technischen Ausschuss des Gemeinderats aus einem scharfen Wortgefecht mit August Weber, Sprecher der Freien Wähler, heraus feststellte. Schließlich seien es nicht Leute von irgendwo her, die die Ausweisung weiterer Flächen im „Wetterkreuz“ blockierten, sondern „Einzelne“ aus dem Ort, die nicht verkaufen wollten. An sie richtete er die Bitte, sich mit der Gemeinde solidarisch zu zeigen für eine Weiterentwicklung. Und „das hat nichts mit Sippenhaft zu tun“ gegen alle Ersinger, verwahrte sich der Bürgermeister gegen einen entsprechenden Vorwurf von Weber. Ohne Bauland könnten eben keine Grundstücke angeboten werden.

Der Disput hatte sich an einer Bauvoranfrage entzündet. Eine junge Ersinger Familie will auf einem Grundstück der Familie bauen. Das jedoch liegt im Außenbereich (siehe Info-Kasten) und hat nach Ansicht der Verwaltung trotz möglicher „Mischnutzung“ keine ausreichende Zufahrt und Erschließung. Sie empfahl dem Gremium, die Anfrage abzulehnen und klarzustellen, dass es keinen Bebauungsplan geben wird.

Der Ortschaftsrat hatte die Bauvoranfrage bereits vergangene Woche mehrheitlich abgelehnt. Weber hielt das weitere Vorgehen für zu hart. Anstatt die Antragsteller vor den Kopf zu stoßen, solle die Anfrage an den Ortschaftsrat zurückgegeben werden, um mit den Bauwilligen andere Möglichkeiten zu entwickeln. Zum Beispiel eine Zufahrt über das elterliche Grundstück, wie sie Erwin Schenk (Grüne) angeregt hatte. Wasser und Abwasser könnten möglicherweise beim elterlichen Haus oder beim östlichen Nachbarn angeschlossen werden, sagte Schenk.

Gaus wunderte sich über das Nachkarten. Zum einen seien weder Verwaltung noch Gremien „Planungsbüros“, zum anderen liege ein dezidiert beschriebener Antrag vor. „Und nur über den können wir entscheiden“, sagte der Bürgermeister. Auch werde niemand vor den Kopf gestoßen, denn den Antragstellern bleibe es unbenommen, geänderte Pläne vorzulegen. Vor allem aber warnte Gaus davor, den Weg über das Erstellen eines Bebauungsplans zu ebnen. Es gebe in jedem Teilort etliche Grundstücke am Ortsrand, für die es „gute Gründe gibt, das Gleiche zu beantragen“. Es sei schlichtweg unmöglich, gerecht abzuwägen, „wo zugestimmt und wo abgelehnt wird“, sagte der Bürgermeister. „Dann machen wir nur Bebauungspläne und nichts anderes mehr.“

Die klare Mehrheit des Ausschusses sah es ebenso, auch die Fraktion der Freien Wähler. Gegen die Ablehnung der Bauvoranfrage stimmten Weber, seine Fraktionskollegin Anne Hemmler und Schenk.

Außenbereich Dort, wo zur Flur hin das letzte Haus steht, beginnt der Außenbereich. In aller Regel hat dort nur die Landwirtschaft das privilegierte Recht zu bauen. Verschiedene Verfahren können auch Wohnbebauung ermöglichen. Mit einer Einbeziehungssatzung wird relativ einfach erklärt, dass ein Grundstück nun zum Innenbereich gehört. Ein Bebauungsplan ist umfangreicher, enthält mehr Details zur Bebauung und erfordert mindestens eine öffentliche Auslegung. Noch umfangreicher wird das Verfahren, wenn zur Ausweisung eines Baugebiets der Flächennutzungsplan geändert werden muss.

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