Garnsieder und Färber: Geschichten über Berufe in Langenau

Der Heimatmuseums-Leiter Ernst Junginger erzählt über einen Beruf, der in Langenau weit verbreitet war – über die Weber.

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Ernst Junginger hat bei einer Führung über das Leben und die Arbeitsbedingungen der Weber in der Stadt Langenau berichtet.  Foto: 

Was machte früher jemand, der als Beruf „Blättersetzer“ angab? Blätter setzen? „Das habe ich mich als Kind immer gefragt“, sagt Ernst Junginger Inzwischen weiß der heute 85-Jährige die Antwort: Blättersetzer stellten die „Blatt“ genannten Kämme für Webstühle her, durch deren Schlitze die Webfäden verlaufen. „Das war ein ganz wichtiger Beruf.“ Rund 25 Zuhörer hat Junginger bei einer Führung durch das Langenauer Heimatmuseum. Es geht um die Geschichte der Weber.

Das Erdgeschoss des Hauses im Zentrum von Langenau ist dem Thema gewidmet, kein Wunder, gilt die Weberei doch vom Mittelalter bis in die Neuzeit als bedeutendstes Handwerk in der Stadt. Die Zunftfahne der ehemals größten Zunft von Langenau ist im Museum erhalten, sie stammt aus dem Jahr 1841 und ist aus grünem Samt. Arme Leute waren die Weber, so Junginger, fast niemand konnte von der Weberei leben, alle hatten noch eine kleine Landwirtschaft nebenher, um über die Runden zu kommen.

Junginger kennt sich aus mit der Geschichte Langenaus, er leitet das Heimatmuseum seit über 25 Jahren ehrenamtlich, noch länger das Museum für Vor- und Frühgeschichte. In Langenau sei er verwurzelt, er ist in der Stadt aufgewachsen. „Genau genommen bin ich Oberstädtler“, betont er. Das sei in seiner Jugend noch wichtig gewesen. Zu seiner Grundschulzeit war die dritte und vierte Klasse im Gebäude des heutigen Heimatmuseums untergebracht, erinnert er sich, er ging also als Kind in dem Haus zur Schule, in dem er sich heute engagiert.

Während er über die Leinen- und Barchentweber in Langenau spricht, kommen auch andere Berufe zur Sprache: außer den Blättersetzern auch die Garnsieder, die Färber und die Spinnerinnen. Neben Vollzeit-Spinnerinnen hätten viele Frauen am Abend zu Hause Garn gesponnen, sich dabei zu mehreren getroffen und sich während der Arbeit unterhalten. „Und dann kamen die jungen Männer dazu. Das hat der Obrigkeit gar nicht gepasst.“ Noch seine Mutter hatte eine Handspindel zu Hause, erinnert sich Junginger. Zu der Zeit aber hatte die Weberei in Langenau schon an Bedeutung verloren. „Vor dem ersten Weltkrieg hat es langsam aufgehört.“ Mechanische Webstühle waren eine zu große Konkurrenz für das heimische Handwerk. In den Hoch-Zeiten im 16. Jahrhundert waren in Langenau hingegen über 200 Weber beschäftigt, im 19. Jahrhundert noch mehr als 100.

Nach der Führung nutzen viele Teilnehmer die Gelegenheit zu einem Rundgang durch die weiteren Museumsräume. Irmgard Junginger, Ehefrau des Museumsleiters und ebenfalls im Heimatmuseum engagiert, zeigt sich zufrieden mit der Besucherzahl: „Es waren gerade so viele Leute da, wie unten gut reinpassen.“

Fachwerkhaus Das Heimatmuseum befindet sich in einem Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert. „Vom Erdgeschoss bis unters Dach ist das aufbewahrt, was dem Haus in Volkskundler-Kreisen den Ruf eines Museums mit der reichhaltigsten Sammlung alltagsgeschichtlicher Gegenstände in Württemberg eingetragen hat“, so die Stadt auf ihrer Homepage. Die Öffnungszeiten: Jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 14 bis 16 Uhr. Führungen nach Anmeldung unter Tel. (07345) 74 53. Der Eintritt ist frei.

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