Für Wildschäden wollen Jäger nicht allein haften

Landwirte sollen sich an Wildschäden in der Landwirtschaft beteiligen, fordern Jäger. Sonst könnten künftig in einigen Revieren des Alb-Donau-Kreises Jäger fehlen. Die Bauern sehen keinen Handlungsbedarf.

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  • Frischling auf Futtersuche. Oft müssen Jäger für Schäden haften, die Wildschweine auf Feldern verursacht haben. 1/2
    Frischling auf Futtersuche. Oft müssen Jäger für Schäden haften, die Wildschweine auf Feldern verursacht haben. Foto: 
  • Ein Wildschweinschaden in einem Maisacker. Foto: Hans-Peter Kuhnhaeuser 2/2
    Ein Wildschweinschaden in einem Maisacker. Foto: Hans-Peter Kuhnhaeuser
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Immer mehr Wildschweine fressen sich im Gebiet um Rammingen auf den Feldern satt. Gerade den Mais mögen sie. Der Jagdpächter stellte unlängst im Gemeinderat den Antrag, den Schadenersatz für Wildschäden an der Ernte zu begrenzen. Laut Pachtvertrag ist er der verpachtenden Gemeinde gegenüber allein und unbegrenzt zu Schadenersatz verpflichtet. Er befürchtet, mit seinem Privatvermögen einstehen zu müssen. Der Gemeinderat fand keine Einigung, vertagte die Abstimmung. Der Ramminger Bürgermeister Karl-Friedrich Häcker befürchtet, dass der Pächter abspringt und sich kein neuer finden lässt.

Kein Einzelfall, sagt Kreisjägermeister Max Wittlinger, der als Vorsitzender der Jägervereinigung Ulm etwa 700 Mitglieder vertritt. Die Haftung für Wildschäden sei ein großes Risiko für die Jagdpächter. Im Kreis Heidenheim habe ein Pächter für Schäden an Bio-Rüben eine fünfstellige Summe zahlen sollen. Wittlinger warnt, für Teile des Alb-Donau-Kreises könnten sich vor diesem Hintergrund bald keine Jäger mehr finden. "Zehn Prozent der Reviere sind gefährdet", sagt er.

Besonders unattraktiv seien Reviere mit geringem Wald- und hohem Feldanteil - etwa in Langenau, auf der Stubersheimer Alb und auf dem Hochsträß bei Blaustein. Das Landratsamt des Alb-Donau-Kreises bestätigt das: "Das Schadmaß in der Landwirtschaft ist größer" - und damit das Risiko für den Pächter, erklärt Thomas Herrmann vom Fachdienst Forst und Naturschutz.

Rechtlich ist die Sache im Bundesjagdgesetz klar geregelt: Die Jagdgenossenschaften haften für Wildschäden in der Landwirtschaft. Mitglieder dieser Genossenschaften sind die Grundstücksbesitzer. Im Jagdpachtvertrag allerdings kann die Haftung zu 100 Prozent auf den Pächter übertragen werden. Und so läuft es Wittlinger zufolge im Alb-Donau-Kreis. Wegen der vielen Schäden durch Schwarzwild hätten einige Jagdpächter immerhin ausgehandelt, ab einer bestimmten Schadenssumme den Vertrag vorzeitig kündigen zu können. Aus Sicht Wittlingers ist das zu wenig - schließlich könne so ein Wildschaden richtig teuer werden.

Die Bauern müssten sich an der Haftung beteiligen, damit die Jagd attraktiv genug bleibe, fordert Wittlinger: "Die Landwirte haben bisher das Rundum-sorglos-Paket. Sie sollen auch ihren Beitrag leisten." Die Jäger hätten ohnehin hohe Kosten zu tragen: Für Sprit, den sie bei Fahrten durchs Revier verbrauchen; für Zäune, die die Ernte vorm Wild schützen sollen; für ihre Ausrüstung, Hochsitze und vieles mehr. "Ich wundere mich immer wieder, dass man noch Pächter findet", sagt Wittlinger. In Blaustein allerdings hätten bereits erste Reviere keinen Jagdpächter gefunden. Dort bekommen Jäger nun kostenlos einen Begehungsschein, damit der Wildbestand nicht überhand nimmt.

Die Bauern befürchten nicht, dass ihnen die Jagdpächter ausgehen, die Jagdpächter sollen weiterhin in vollem Umfang haften. "Wir sind nicht zu einer Drittelung oder Halbierung des Schadens gezwungen", sagt Hans Götz, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen. Wenn ein Pächter besonders hohe Schäden zu begleichen habe, dann müsse man darüber reden, also eine Lösung für den Einzelfall finden. In 90 Prozent der Fälle gelinge das dann auch. Außerdem gebe es auch für Landwirte Risiken durch Wildschäden: "Wir haben auch Schäden, mit denen wir alleingelassen werden", sagt Götz und meint etwa Biber- und Dachsschäden, für die Jagdpächter nicht aufkommen müssen.
 


Wenn Landwirte ihrem Jagdpächter in einer individuellen Vereinbarung eine Mithaftung einräumen wollten, stehe ihnen das natürlich frei. Prinzipiell sieht Götz aber den Jagdpächter in der Pflicht, Schäden durch erhöhten Jagddruck zu vermeiden, auch wenn er wisse, dass es schwierig ist, Wildschweine zu erlegen. Der Maisanbau habe zwar zugenommen, aber weniger als die Zahl der Wildschweine. Eine gesetzliche Haftung durch die Bauern würde einen Anreiz liefern, noch weniger zu jagen. Mit Blick auf die bevorstehende Änderung des Landesjagdgesetzes im Jahr 2014 sagt Götz: "Ich werde das nicht empfehlen."

Kreisjägermeister Wittlinger dagegen hofft auf Verbesserungen durch die Gesetzesänderung. Es stehe eine 50-50-Regelung zumindest für Schäden an Maisfeldern in Aussicht. Sie sei ziemlich sicher, auch wenn dazu noch kein Referentenentwurf vorliege.

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Kommentare

07.11.2013 00:49 Uhr

Jäger hätten ohnehin hohe Kosten zu tragen: Für Sprit, den sie bei Fahrten durchs Revier verbrauchen

Ahja... Hohe Kosten: Sprit..

Verstanden!

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