Fünfeinhalb Jahre Haft für versuchten Mord hinter Gittern

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Die große Strafkammer am Ulmer Landgericht hat die Rasiermesser-Attacke eines 22-Jährigen aus Laichingen auf einen Mithäftling als versuchten Mord gewertet – und den Angeklagten am Mittwochnachmittag zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. In das Strafmaß eingerechnet ist ein Verstoß gegen das Waffengesetz: Der junge Mann hatte, wie berichtet, im Sommer 2016 seinen Vater mit einer scharfen  Waffe bedroht. Daraufhin wurde er festgenommen. In Untersuchungshaft schlitzte der Laichinger einem Zellenkollegen dann den Hals auf.

Der Täter hat laut Gericht die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers ausgenutzt. „Der Angriff erfolgte hinterrücks und kam für das Opfer völlig überraschend“, sagte der Vorsitzende Richter Gerd Gugenhan in seiner Urteilsbegründung. Die Kammer sah das Mordmerkmal Heimtücke also als erfüllt an. Das Motiv für die Bluttat: Rache. Denn der 22-Jährige und sein späteres Opfer kannten sich, als sie Ende 2016 für beide unerwartet in U-Haft aufeinandertrafen. Der Täter habe dem 23-Jährigen eine Lektion verpassen wollen, diesen für einen Armbruch verantwortlich gemacht, den er sich Jahre zuvor bei einer Schlägerei in Laichingen zugezogen hatte.

Fest steht: Das Opfer der Messerattacke hatte großes Glück. Er erlitt eine klaffenden Fleischwunde, die vom Ohr bis fast an den Kehlkopf reichte und im Ulmer Bundeswehrkrankenhaus versorgt wurde. Wäre die Klinge etwa einen Zentimeter tiefer in das Gewebe eingedrungen, hätte dies wohl dramatische Folgen gehabt. „Dann wäre die Halsschlagader des Geschädigten durchtrennt worden, dieser womöglich nach 10 bis 15 Minuten verblutet“, sagte ein Gerichtsmediziner.

Das Schwurgericht blieb mit seinem Urteil unter der Forderung der Anklage, die sechs Jahre und neun Monate Haft gefordert hatte. Der Staatsanwalt war nach Ende der Hauptverhandlung von dem noch in der Anklageschrift aufgeführten Vorwurf des versuchten Totschlags abgerückt und hatte auf versuchten Mord plädiert. Im Gegensatz zu Strafverteidiger Thorsten Storp, der eine Strafe von maximal drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung als tat- und schuldangemessen betrachtete.

Der Angeklagte bestritt eine Tötungsabsicht. Für Gericht und Polizei ist er kein Unbekannter. Der Laichinger ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen zweier Raubüberfälle auf eine Spielothek. Dafür verbrachte der heute 22-Jährige zwei Jahre hinter Gittern. Als er im vergangenen Jahr seinen Vater mit einer Pistole bedrohte und Anfang dieses Jahres seinen Mithäftling angriff, stand der Laichinger unter offener Bewährung.

Ein psychiatrischer Gutachter beschrieb den Angeklagten als jemanden, der soziale Normen missachtet, rücksichtslos und „kalt gegenüber anderen“ ist und eine niedrige Frusttoleranz besitzt. Eine verminderte Schuldfähigkeit leitete der Mediziner daraus jedoch nicht ab.

Verteidigung prüft Revision

Das Schwurgericht schloss sich dieser Einschätzung an. Und Richter Gugenhan ließ durchblicken, dass die Strafe deutlich höher ausgefallen wäre, wenn das Opfer tatsächlich lebensbedrohliche Verletzungen erlitten hätte. Rechtskräftig ist der gestrige Richterspruch noch nicht. Die Verteidigung hat eine Woche Zeit, Revision einzulegen. „Wir halten uns diese Möglichkeit offen“, sagte Strafverteidiger Storp.

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