Flurneuordnung: Rücktritt, Neuwahl, Ruhe

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Mit solchen Plakaten brachten Mitglieder der Interessengemeinschaft in Tomerdingen ihre Haltung in Sachen Flurneuordnung zum Ausdruck.  Foto: 

Die Plakate sind verschwunden. Monatelang zeugten die gelb-schwarzen Schilder von dem schwelenden Streit um die Flurneuordnung im Dornstadter Teilort Tomerdingen. Die kontrovers diskutierte Frage war: Soll die gesetzlich vorgeschriebene Flurneuordnung – notwendig wegen des Ausbaus der A 8 und des Baus der ICE-Trasse – erweitert werden? Mit einer so genannten großen Lösung sollte das Wegenetz auf Tomerdinger Gemarkung modernisiert werden. Daran hätten sich die Teilnehmer der Flurneuordnung, also die Eigentümer einbezogener Grundstücke, finanziell beteiligen und zusätzliche Flächen abtreten müssen.

„Wirtschaftlicher Schaden“

Der vor einigen Jahren gewählte Vorstand der Teilnehmergemeinschaft favorisierte die „große Lösung“ und verwies unter anderem auf Zuschüsse von Land und Gemeinde für Sanierung und Ausbau des Wegenetzes. Eine Interessengemeinschaft (IG) von Eigentümern sprach sich vehement dagegen aus und errechnete einen „wirtschaftlichen Schaden“ von etwa 1300 Euro je Hektar und Teilnehmer. Nach einem Infoabend für Bürger, den der Fachdienst Flurneuordnung des Landratsamts im Juli organisiert hatte, kam es im September in einer Versammlung der Teilnehmergemeinschaft zur Nagelprobe: Nur 15 Mitglieder stimmten für die „große Lösung“, 117 sprachen sich für das gesetzliche Minimum aus.

Auch wenn das Votum für den Vorstand der Teilnehmergemeinschaft nicht bindend ist, traten vier von fünf Vorstandsmitgliedern zurück. Zudem legten alle fünf stellvertretenden Vorstandsmitgliedern ihre Ämter nieder. In der vom Fachdienst anberaumten Neuwahl behielten dann die Gegner der „großen Lösung“ die Oberhand. Nach den Worten von Paul Schneider, Sprecher der IG, hatten alle neuen Vorstandsmitglieder das Anliegen der Interessengemeinschaft mit ihrer Unterschrift unterstützt.

Die erste Sitzung des neuen Vorstands ist für den 18. Dezember geplant. Zunächst sind Formalien zu erledigen, unter anderem die Wahl eines Sprechers. Die Abstimmung über gesetzliche Flurneuordnung oder „große Lösung“ dürfte dann im Januar anstehen, sagt Schneider, selbst Mitglied des neu gewählten Vorstands. Wie die Entscheidung ausfallen wird, ist für Schneider klar: „Ich gehe davon aus, dass die große Lösung vom Tisch ist.“

Davon geht auch Marc Bierkamp aus, der stellvertretende Leiter des Fachdienstes Flurneuordnungim Landratsamt, der im Laufe der Diskussionen in Tomerdingen stets die Neutralität seiner Behörde betont hatte. Das nun zu erwartende gesetzliche Verfahren sei „einiges einfacher für uns“ als die „große Lösung“, sagt Bierkamp. Aus diesem Grund bestehe kein großer Zeitdruck.

Mit den Worten „ewig schade“ kommentiert der Tomerdinger Ortsvorsteher Paul Sauter das bevorstehende Aus der „großen Lösung“. Sauter hatte sich immer wieder für die umfangreiche Ertüchtigung des Wegenetzes eingesetzt. Diese sei wegen der immer größer und schwerer werdenden landwirtschaftlichen Fahrzeuge notwendig und wäre mit annähernd 1,6 Millionen Euro bezuschusst worden, sagt er. Die 15 000 Euro, die jährlich von der Gemeinde kommen, reichten für den Unterhalt der etwa 100 Feldwege-Kilometer in Tomerdingen nicht aus. Aus diesem Grund will der Ortsvorsteher das Thema im nächsten Jahr im Dornstadter Gemeinderat ansprechen.

Fläche Für den sechsspurigen Ausbau der A 8 und die Schnellbahntrasse über die Alb laufen im Alb-Donau-Kreis sieben Verfahren zur Flurneuordnung. Diese umfassen Flächen von insgesamt 6752 Hektar, das entspricht mehr als 9600 Fußballfeldern. Tangiert sind die Gemarkungen der Dornstadter Teilorte Bollingen, Tomerdingen, Temmenhausen und Scharen­stetten, der Gemeinden Nellingen und Merklingen sowie des Laichinger Teil­orts Machtolsheim. An allen Verfahren zusammen sind 1092 Teilnehmer beteiligt – wobei einzelne Eigentümer, beziehungsweise Eigentümergemeinschaften an mehreren Verfahren beteiligt sein können.

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