Flurneuordnung: In Bollingen kommt die kleine Lösung

Die Teilnehmergemeinschaft Bollingen hat sich in Sachen Flurneuordnung entschieden. Das Landratsamt arbeitet nun Pläne aus.

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„’Große Lösung’ Nein Danke“: Am Ortseingang von Dornstadt-Tomerdingen wird auf einem bestellten Acker mit einem Plakat in der Diskussion um die Flurneuordnung klar Stellung bezogen.  Foto: 

Wir haben eine große Chance vertan“, sagt Martin Durst. Der Ortsvorsteher in Bollingen favorisiert für die Flurneuordnung auf der Gemarkung des Dornstadter-Teilorts eigentlich die „große Lösung“, um im Zuge der ICE-Neubaustrecke und dem Ausbau der A 8 Wiesen und Felder nicht nur neu zuzuschneiden, sondern zugleich auch Feldwege zu modernisieren. Zugleich wäre damit der Flächenverbrauch, den Schiene und Asphalt benötigen, auf mehrere Schultern verlagert worden. Daraus wird zumindest in Bollingen nichts.

Der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft Bollingen, die 201 Grundstückseigentümer mit 1051 Hektar vertritt, beriet sich in einer Sitzung mit Vertretern der Kommune und dem Landratsamt, der zuständigen Behörde für die Neuordnung, und stimmte anschließend für die „kleine Lösung“. „Mehrheitlich“, wie Durst sagt. Details über die Abstimmung in der nichtöffentlichen Sitzung will der Ortsvorsteher nicht nennen. Es sei aber lange, leidenschaftlich und lebhaft über die Flurneuordnung gesprochen worden. Außerdem habe man weitere landwirtschaftliche Themen diskutiert. Details nennt Durst aus Gründen der Vertraulichkeit nicht, wie er sagt.

Zwar favorisiert die Kommune die „große Lösung“, die über das gesetzlich vorgeschriebene Verfahren hinausreicht. An dieser üben jedoch vor allem Landwirte deutliche Kritik. Viele lehnen das erweiterte Verfahren ab, weil mit der damit verbundenen Feldwege-Modernisierung Kosten und zusätzlicher Flächenverlust anfallen würden. Zwar hätte das Land Baden-Württemberg bis zu 67 Prozent der Rechnung übernommen, die Gemeinde Dornstadt vom Restbetrag weitere 50 Prozent, doch vielen Grundstückseigentümern scheint der Betrag unterm Strich zu hoch.

Im benachbarten Tomerdingen müsste jeder der 231 Mitglieder etwa 360 Euro pro Hektar aufbringen, sagte Paul Schneider der SÜDWEST PRESSE Mitte Mai. Der Nebenerwerbslandwirt und Mitglied in einer Interessensgemeinschaft, die sich gegen die „große Lösung“ aussprechen und dies mit Schildern auf Äckern in der Umgebung des Teilorts verdeutlichen, bezeichnete die „große Lösung“ deshalb auch als unnötig. Die würde die Eigentümer Geld kosten, und sie müssten zusätzliche Flächen abtreten, ohne dafür entschädigt zu werden. Allein Schneiders Betrieb müsste dafür bis zu 20 000 Euro aufbringen. Diese Sicht der Dinge vertritt offenbar auch eine Mehrheit der Grundstückseigentümer in Bollingen.

Entscheidung im Herbst

In einem nächsten Schritt wird nun der zuständige Fachbereich im Landratsamt die Pläne für die „kleine Lösung“ ausarbeiten. Eine sichtbare Wirkung auf Felder und Wiesen dürften die Pläne allerdings so bald nicht haben. „Es vergehen Jahre bis zur Neuzuteilung“, sagt Durst.

Die Frage, wie die Flächen auf Dornstadter Gemarkung neu zugeschnitten werden, wird weiterhin kontrovers diskutiert. Bollingen hat sich zwar entschieden, in Tomerdingen dauern die Diskussionen allerdings noch an. Hier fällt die Entscheidung voraussichtlich im Herbst.

Flächenverbrauch Für den Ausbau der A 8 und die ICE-Neubaustrecke werden im Alb-Donau-Kreis 6468 Hektar gebraucht. Mehr als 650 Eigentümer mit einer Gesamtfläche von 3800 Hektar (5400 Fußballfelder) beteiligen sich in den Dornstadter Teilorten Bollingen, Tomerdingen, Temmenhausen und Scharenstetten über Teilnehmergemeinschaften.

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