Flüchtlingskinder: Traumata wegen Flucht und Krieg

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Krieg, Vertreibung, Flucht: Geht es um Kinder in Flüchtlingsfamilien, spricht Andreas Mattenschlager von einem „unsichtbarem Leiden“. Für den Leiter der Psychologischen Familien- und Lebensberatung der Caritas in der Region Ulm steht fest, dass zu solchen psychischen Belastungen der Kinder und Jugendlichen wegen der meist überhasteten Flucht auch hohe Erwartungen der Familie kommen, „es hier zu etwas zu bringen“. Die Caritas kümmert sich um traumatisierte Kinder und Jugendliche mit Kunsttherapien oder Gesprächen, um sie zu stabilisieren. Über die Arbeit hat Mattenschlager nun den Jugendhilfeausschuss des Kreistags informiert, der die Arbeit mit Haushaltsmitteln unterstützt.

18 Mädchen und 56 Jungen werden im Einzugsgebiet der Caritas Ulm betreut. Etwa jeder Dritte dieser 74 Betroffenen lebt im Alb-Donau-Kreis, aber alle sind traumatisiert. Dass Eltern sterben, kenne fast jeder, sagt Mattenschlager. Werde aber die Mutter erschossen, sei das ein Trauma. Auch an Erwachsenen gehen solche Erlebnisse nicht spurlos vorbei. Einer Meta-Analyse aus dem Jahr 2014 zufolge, in der Studien ausgewertet wurden, leidet etwa jeder dritte Flüchtling an einer psychischen Erkrankung infolge der Flucht oder der Erlebnisse in der Heimat. Häufig handelt es sich laut Mattenschlager um Posttraumatische Belastungsstörungen, an denen auch Soldaten nach Kampfeinsätzen erkranken können. Für Kinder ist die Enge in Gemeinschaftsunterkünften deshalb problematisch. „Kinder sind unmittelbar dabei, wenn Eltern flashbacks (die traumatische Erfahrung erneut durchleben) erleben“, sagt Mattenschlager.

Aus Sicht der Psychologen ist deshalb Stabilität im Alltag für die Betroffenen wichtig. Als besonders hilfreich erweist sich eine Psychologin aus Syrien, die ohne Sprachbarriere arbeitet und die die Caritas angestellt hat. „Da haben wir Glück gehabt“, sagt Mattenschlager. Stefan Bentele

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