Flüchtlingskinder lernen in einer Übergangsklasse

Die Mittelschule Elchingen hat seit kurzem eine Übergangsklasse für Flüchtlinge. Eine große Herausforderung – nicht nur für die Klassenlehrerin.

|
Herzlich willkommen: Elchinger Mittelschüler begrüßen Flüchtlingskinder, die in einer neuen Übergangsklasse unterrichtet werden.  Foto: 
10 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren werden in der Mittelschule Elchingen seit 18. April in einer Übergangsklasse unterrichtet. Am Montag fand ein Empfang für die Buben, Mädchen und Eltern statt. Mit einem Buffet, das Siebtklässler vorbereitet hatten, und musikalischen Einlagen, die Fünf- und Sechstklässler präsentierten. Unter der Anleitung von Lehrerin Monika Fieger.

Deren Kollegin Carola Reinecke ist es, die den Flüchtlingen etwas beibringen soll, damit sie nach zwei Jahren in eine Regelklasse wechseln können. „Das Wichtigste ist, dass Ihre Kinder Deutsch können“, sagte Reinecke zu den Eltern. Acht der Flüchtlingsschüler stammen aus Syrien, einer ist aus Afghanistan, einer aus Rumänien. Letzterer ist als EU-Bürger hier, also kein Asylbewerber.

Manche der Flüchtlinge seien bereits seit einem Jahr da, andere dagegen erst seit kurzem. Wie die 15-jährige Shahed, die mit ihrer Familie – vier Mädchen, drei Jungs und die Eltern – in Thalfingen wohnt. Deutsch könne sie so gut wie nicht, sagt das Mädchen, deren Haar mit einem Kopftuch verhüllt ist. Ohne die Sprache zu kennen, sei es „schon schwierig“. Wenngleich ihr die ersten Wochen in der Übergangsklasse gefallen haben. Auch, weil Familie und Freunde da seien, mit denen sie Arabisch spreche.

Der 15-jährige Aymen stammt aus Tunesien, spricht Arabisch und Deutsch. Was ihn zum Übersetzer in der Schule qualifiziert. Und nicht nur da: „Ich begleite manchmal Asylbewerber zum Jobcenter und helfe ihnen“, erklärt der Junge, der in Unterelchingen wohnt. Seit zweieinhalb Jahren ist er in Deutschland und fühlt sich wohl. Zuerst, erzählt er, sei er in Neu-Ulm in einer Übergangsklasse gewesen, gefolgt von drei Monaten in einer Regelklasse. Eine solche besucht er heute in Elchingen, unterstützt dort die Flüchtlingskinder in fast jeder Pause. „Wenn man helfen kann, soll man auch helfen“, weiß der 15-Jährige.

Worte, die Reinecke gern hört. Steht sie doch vor großen Aufgaben, weil der Kenntnisstand ihrer zehn Schüler unterschiedlicher nicht sein könnte. Immerhin hätten einige in der Türkei die Schule besucht, dort das lateinische Alphabet gelernt. Das erleichtere vieles. Denn die Kinder sollen neben Deutsch und Mathe auch in den berufsorientierenden Zweigen Soziales, Wirtschaft, Technik fitgemacht machen – letzteres im regulären Unterricht. Priorität aber habe das Erlernen der Sprache. Inzwischen haben laut Reinecke die Verlage auf den Flüchtlingsstrom reagiert und mehr Material im Angebot.

Die Integration an einer kleinen Einrichtung in kleiner Klasse gelinge besser, als wenn 22 Flüchtlingskinder zusammen beschult werden. Davon ist Reinecke überzeugt. Ebenso wie Kollegin Heidrun Müller: „Es ist sinnvoll, die Kinder an dem Ort zu beschulen, an dem sie wohnen.“ Auch wenn andere Schulen das ungern hören. Zu groß ist die Bedeutung der Schülerzahl.

Mit jener in Elchingen ist seit diesem Schuljahr Irmgard Neureuther, Konrektorin der Anton-Miller-Mittelschule in Nersingen-Straß, befasst. Die ist nun – früher war es jene in Pfuhl – für die Elchinger zuständig. Was eine hohe Belastung ist, wie Neureuther sagt. Sie komme einen Nachmittag pro Woche nach Elchingen, Rektor Thomas Pritsch ebenfalls. Das „engagierte, selbstständige Kollegium“ erleichtere jedoch die Arbeit. Gleiches gelte für den Freundeskreis Asyl, der ungemein wichtig sei, weil er unter anderem Fahrdienste übernimmt.

Ohne diese wären die Eltern gestern wohl nicht da gewesen und hätten einen musikalischen Leckerbissen verpasst. Der zwölfjährige Schüler Elend spielte virtuos mit seiner Geige drei Lieder: syrische Volkslieder, ein klassisches Stück. Dafür erntete der Junge, der das Musizieren in Syrien gelernt hatte, Applaus von Lehrern, Eltern und Schülern.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Innenstadthandel klagt über Gewalt und Drogen

Bei Regen und Kälte ist nur wenig zu sehen von den unhaltbaren Zuständen, die einige Geschäftsleute auf der Bahnhofstraße beklagen. Doch es gibt sie, auch wenn es derzeit eher entspannt zugeht. weiter lesen