B10-Umfahrung: Finanzierung gesichert, Trassenfrage schwierig

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  • Rein nach Urspring auf der B 10: Eine Umfahrung des Lonseer Teilorts rückt näher. Für Amstetten fordert der dortige Gemeinderat einen Tunnel. Dadurch könnte das Projekt ins Hintertreffen geraten. 1/3
    Rein nach Urspring auf der B 10: Eine Umfahrung des Lonseer Teilorts rückt näher. Für Amstetten fordert der dortige Gemeinderat einen Tunnel. Dadurch könnte das Projekt ins Hintertreffen geraten. Foto: 
  • Kirsten Lühmann.  Foto: Lars Schwerdtfeger 2/3
    Kirsten Lühmann. Foto: Lars Schwerdtfeger Foto: 
  • Verkehrspolitikerin Kerstin Lühmann.  Foto Lars Schwerdtfeger 3/3
    Verkehrspolitikerin Kerstin Lühmann. Foto Lars Schwerdtfeger Foto: 
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Die 9,5 Milliarden sind da.“ Das sagte Kirsten Lühmann, Sprecherin der verkehrspolitischen Arbeitsgruppe der SPD-Fraktion im Bundestag, beim Redaktionsbesuch der SÜDWEST PRESSE. 9,5 Milliarden Euro, um damit innerhalb der nächsten 15 Jahre in Baden-Württemberg Bundesstraßen und Autobahnen zu bauen. Mit 9,5 Milliarden wären alle Vorhaben abgedeckt, die im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) in den Kategorien „laufende und fest disponierte Projekte“ und „vordringlicher Bedarf“ aufgeführt sind. Nach den Worten der Verkehrspolitikerin ist jetzt das Land am Zug, um die Projekte nach und nach abzuarbeiten. Die Reihenfolge festzulegen, also die Priorisierung, sei ebenfalls Sache von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Und hier kommen, wie die Ulmer SPD-Abgeordnete Hilde Mattheis hinzufügte, die kommunalen Interessenvertreter ins Spiel. Wenn die sich einig sind, könne das jeweilige Projekt beschleunigt werden. Als-Positiv-Beispiele nannte Mattheis die Umfahrungen von Deppenhausen und von Obermarchtal im Zuge der Bundesstraße 311. Beide Vorhaben – 9,9 Millionen Euro für Deppenhausen, 11,7 Millionen für Obermarchtal – stehen unter „vordringlicher Bedarf“ im Verkehrswegeplan, und bei beiden sei die Trassenplanung klar. „Das könnte sehr schnell in die Umsetzung gehen“, meint Hilde Mattheis deshalb.

Anders sieht es bei der B-10-Umfahrung von Amstetten aus. Die hat es zwar vom „weiteren Bedarf“ des Entwurfs in den „vordringlichen Bedarf“ des gültigen Plans geschafft. Doch ist die Trassen-Frage ungeklärt. Das im Auftrag des Landes planende Regierungspräsidium (RP) Tübingen favorisiert eine Westumfahrung, die auf 47 Millionen Euro geschätzt wird. Der Gemeinderat lehnt diese Trasse, die nahe am Ortsteil Reutti vorbeiführt, ab. Stattdessen fordert die Gemeinde einen Tunnel. „Das ist unser Wille“, bekräftigte Bürgermeister Jochen Grothe gegenüber unserer Zeitung den im April einstimmig gefassten Gemeinderatsbeschluss: „Ein Tunnel würde niemand belasten.“

Nach Ansicht der SPD-Politikerinnen Mattheis und Lühne trotzdem keine gute Idee: Ein Tunnel würde die Planung in die Länge und die Kosten deutlich in die Höhe treiben. Das Projekt drohe, auf der Prioritätenliste ganz nach unten zu rutschen. Und wenn es innerhalb der Laufzeit des Verkehrswegeplans 2030 nicht realisiert wird, stehe es zur Neubewertung an – mit ungewissem Ausgang. Dieser Gefahr ist sich der Amstetter Bürgermeister durchaus bewusst, doch der Beschluss des Gemeinderats stehe fest. Die Kommune werde jetzt abwarten, bis das Regierungspräsidium die Planung einleite.

Abgelehnt hat die Behörde bereits eine von Amstetten und der Nachbargemeinde Lonsee befürwortete Trasse, die auch den Lonseer Teilort Urspring umfahren würde. Nach dem Amstetter Tunnel-Beschluss gibt sich Lonsee nun mit der vom RP vorgeschlagenen Einzel-Umfahrung von Urspring zufrieden. 31,3 Millionen Euro sind dafür im „vordringlichen Bedarf“ des Verkehrswegeplans veranschlagt. Die Gemeinde habe „natürlich großes Interesse, dass die Ortsumfahrung so schnell wie möglich realisiert wird“, sagte Bürgermeister Jochen Ogger auf Anfrage. „Zumal die Bevölkerung hinter dem Projekt steht.“

Ogger weiß aber auch, dass es nun auf die Priorisierung durch das Verkehrsministerium und die anschließende Planung des RP ankommt. Werden die Umfahrungen von Urspring und Amstetten als ein Projekt gemeinsam geplant oder hintereinander? Eine Antwort kann die Behörde noch nicht geben. Das müsse noch geprüft werden, sagt ein Sprecher.

Konfliktreich

Die Verkehrszählung ist schon eine Weile her: 2010 wurden auf der Bundesstraße 28 in Gerhausen etwa 13.900 Fahrzeuge am Tag gezählt, davon waren 767 schwere Lastwagen. Entlastung könnte eine Umfahrung bringen. Die steht als „weiterer Bedarf mit Planungsrecht“ im Bundesverkehrswegeplan 2030. Geschätzt ist die zwei Kilometer lange Straße auf 23,6 Millionen Euro. Die Trasse würde unterhalb des Rusenschlosses und nördlich von Blau und Bahnlinie an Gerhausen vorbeiführen und wieder auf die bestehende Trasse treffen – ein starker Eingriff ins Naturschutzgebiet Untere Hellebarten.

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