Festtag im "Container"

Mit einer riesigen Geburtstagstorte, drei Diskjockeys und hunderten von Gästen feierte der "Container" in Bühlenhausen zehnjähriges Bestehen. Er ist Treffpunkt und Kommunikationszentrum des Dorfes.

|
Ausgelassene Stimmung herrschte am Samstag in Bühlenhausen beim Fest anlässlich des zehnjährigen Bestehens des "Containers".  Foto: 

Wo trinkt die Bühlenhauser Jugend ihr Feierabendbier? Wo trifft man sich am Wochenende, um anschließend auszugehen? Und wo ging am Samstag eine Riesen-Party mit einer Drei-Mann-hohen Geburtstagstorte ab? Am "Container" in Bühlenhausen. Der "Container" ist dort eine Institution. Hier treffen sich die jungen Erwachsenen zwischen 21 und 31 Jahren. Es gibt einen wöchentlichen Stammtisch, einen Putzdienst, gemeinsame Geburtstagsfeiern, feste Aufgaben und auch mal Auseinandersetzungen. Also alles wie daheim. Bloß eben nicht daheim. Am Wochenende feierte der "Container", in dem bereits 2010 eine Popcorn-Party und 2012 eine Schaumparty für tolle Stimmung sorgte, seinen 10. Geburtstag. Und das fast auf den Tag genau. Denn der "Container" wurde am 27. August 2005 eingeweiht.

Die Anfänge des Container sind aus der Not geboren. "Es gab in Bühlenhausen nichts, wo sich Jugendliche treffen konnten", sagt Christian Breitinger, einer der Gründer des Treffpunkts. In Berghülen gibt es das Jugendhaus, aber dort fühlten sich die Bühlenhauser nicht wohl, wie er erzählt. Die Bühlenhauser Jugend traf sich vor 2003 in einem alten Bauwagen am alten Sportplatz. "Aber da gab es kein Wasser und keinen Strom", erzählt Christian Breitinger. Die bauwagenmüden Jugendlichen erstanden 2003 einen schrottreifen Container und überredeten Christian Breitingers Vater, das neue Domizil auf der Obstwiese der Familie am Dorfrand aufstellen zu dürfen. Die Behausung war bald zu klein, ein zweiter Container wurde angebaut und mit dem ersten verbunden.

Heute sehen die beiden Blechhüllen aus wie eine perfekte Hütte. Von einem Container ist nichts mehr zu sehen. Die Container haben einen Dachstuhl, sind innen vergipst und mit Holz verschalt. Es gibt einen Ofen und einen ziemlich großen Tresen mit gut bestückter Bar. Auch die in Bauwagen übliche Wanddekoration fehlt nicht. Unter dem Dach hängt eine Satellitenschüssel, "aber wir schauen kein Fernsehen", sagt Thomas Mayer. Das Fernsehverbot haben sich die Container-Mitglieder selber auferlegt, "weil wir es hier kommunikativ haben wollen". Es ist also doch nicht ganz so wie daheim. Allerdings gibt es Ausnahmen: So wird im Container zu besonderen Anlässen wie Fußball-Endspielen Fernsehen geschaut. Und das artet dann zum Fest aus. Vor zehn Jahren habe niemand daran gedacht, dass aus dem kleinen Treffpunkt mal so eine Institution werden würde, gibt Christian Breitinger zu.

Es steckt unheimlich viel Arbeit im Container. "Vor zwei Jahren haben wir hier Wasser hoch verlegt und alles selber gebuddelt", sagt Thomas Mayer. Samstags ist generell Putztag. Der wöchentlich wechselnde Putzdienst wird von der Gruppe selber festgelegt. Ein harter Kern hat den Schlüssel zum Container und somit auch Putzdienst. "Es ist dieser Zusammenhalt, der einen immer wieder hierher kommen lässt", betont Udo Anhorn. Die Freundschaften, die im Container gewachsen sind, "die halten auch die nächsten 20 Jahre", ist der KFZ-Mechatroniker überzeugt. Diese lebenslang Verbundenheit wächst nicht nur in den legendären Christmas-Partys und an Silvester, sondern vor allem beim Schaffen. Die Container-Leute stellen jedes Jahr den Maibaum auf, sammeln Altpapier und haben am Fest-Sonntag am Container zu Geburtstagskaffee und Kuchen eingeladen. Alles selbst eingekauft, kalkuliert, vorbereitet und gemacht.

Seit 2006 ist Rolf Weber von den Blaubeurer Hessenhöfen mit dabei. Er sei früher "mit dem Fahrrad hin und nachts wieder zurück", sagt der 25-Jährige. "Man lernt hier die Leute kennen, auf die man sich verlassen kann", meint der Student. Die Mehrzahl der Mitglieder ist männlich, etwa ein Drittel der jungen Erwachsenen sind weiblich. Michelle Borsdorf ist die einzige Frau mit Containerschlüssel. Sie komme gerne, "weil es hier immer gemütlich ist". Samstagabend trifft man sich gegen 20 Uhr am Container, verdonnert einen Fahrer zum Spezi-Trinken und beginnt ab 22 Uhr auswärts mit dem Wochenendvergnügen. Man komme allerdings langsam in das Alter, "wo man nicht mehr andauernd weg will", meint Carina Schuon. Früher sei jeden Tag jemand am Container anzutreffen gewesen, "jetzt sind doch einige beim Studieren". Auch mit dem Nachwuchs sieht es momentan eher mager aus. Der Jüngste ist 21 Jahre alt und es gebe immer weniger Jugendliche auf den Dörfern, bedauern die Container-Mitglieder. Waren es vor 20 Jahren noch fünf oder sechs Konfirmanden eines Jahrgangs, sind es in Bühlenhausen mittlerweile nur drei bis vier. Der Container kommt wie seine Mitglieder in die Jahre. Aber noch in 10 oder 20 Jahren werden sich einige an eine Mega-Geburtstagsparty mit drei Diskjockeys, Konfettiregen, cooler Musik und einem Tresen aus 260 Bierkisten erinnern. 400 Gäste kamen und feierten ausgelassen mit.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ulmer Weihnachtsmarkt eröffnet am Montag

Kürzer, größer, sicher: 26 Tage dreht sich ab Montag auf dem Ulmer Münsterplatz alles um Glühwein, Wurst und Co. Betonwände sollen vor Terror schützen. weiter lesen