Ferienaktion: Kinder schicken Postkarten an Bäckerei

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Postkarten aus den Ferien schreiben: Mit einer ungewöhnlichen Aktion fördert die Ladeninhaberin Andrea Papazian diese alte Tradition.  Foto: 

Ob ein kurzer Text wie „Viele Grüße aus dem Urlaub. Dein Felix“ oder ein kleiner Erlebnisaufsatz – darauf kommt es Andrea Papazian nicht an. Wichtig ist ihr, dass Kinder wieder Ansichtskarten aus den Ferien oder von einem Ausflug an die Daheimgebliebenen schicken – analoge Urlaubsgrüße zum Anpinnen. Deshalb hat die Inhaberin der Backstube an der Oberelchinger Klostersteige dieses Jahr eine Aktion gestartet:  Alle Mädchen und Buben, die ihr Urlaubsgrüße auf echtem Karton und mit der Post senden, bekommen zum Schuljahresanfang eine Vespertüte. So verspricht es ein – natürlich handgeschriebener –  Aushang an der Ladentheke.

Seit 40 Jahren steht die Oberelchingerin, die von den meisten Kunden nur mit dem Vornamen angeredet wird, hinter dem Tresen: Am 1. September 1977 fing sie an der Klostersteige  als Auszubildende zur  Bäckereiverkäuferin an. Vor einigen Jahren hat sie den Laden übernommen, der sich nicht zuletzt dank ihrer Fröhlichkeit zum Oberelchinger Treffpunkt entwickelt hat und auch bei den Kindern sehr beliebt ist. Alteingesessene und Zugezogene finden Rat und Zuspruch. Derzeit drehen sich die Gespräche oft um die Ferienaktion. Die Kunden wollen wissen, wie viele Grüße und woher sie gekommen sind. Auch der Postbote, so erzählt Andrea Papazian, habe seine Freude daran. Die erste Karte trudelte am 10. August ein und war im Ferienpark Bispinger Heide abgeschickt worden. Es folgten Grüße vom Bayerischen Wald und Bodensee, aus der Bretagne und aus Kroatien, aus Inzell, Keltern und Günzburg. Andrea Papazian freut sich über alle. Ein Bub schrieb, „ich vermisse deine“ und malte Semmel und Brezel dahinter. Zwei Geschwister berichten von einem Bootsausflug, auf dem sie Delfine gesehen haben.

„Zum Ferienende kommen die gesammelten Werke ins Schaufenster“, verspricht Andrea Papazian. Sie wünscht sich, dass die Kultur des Kartenschreibens nicht verschwindet. Ein Selfie ist schnell geknipst, gepostet und verkündet meist vielen Empfängern gleichzeitig und in Echtzeit, wo sich der Absender gerade befindet, was er isst und trinkt. Eine Karte dagegen muss ausgesucht, von Hand geschrieben, frankiert und zum Briefkasten gebracht werden. Der Absender muss überlegen, was er wem mitteilen möchte. „Ich hab’ immer 35 Motive und Texte verschickt“, sagt die Backstuben-Inhaberin und lacht. Sie wusste, dass Verwandte, aber auch ältere Kundinnen sehnsüchtig darauf warteten. Auf das Zeichen, dass die Urlauberin an sie denkt. „Solche Traditionen sollten erhalten bleiben“, wünscht sie sich und hofft, dass ihre Aktion die Kinder anregt, „auch ihren Omas zu schreiben und nicht bloß der Andrea“. Sie rechnet fest damit, dass sich ihre Schatzkiste weiter füllt. Denn so manche Karte dürfte noch mit der Schneckenpost unterwegs sein.

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