Familie Schmid erhält Auszeichnung für Bioland-Tierhaltung

Das Fleisch kommt von der Weide hinterm Haus. Alle Zutaten sind Bio. Für ihre aufs Tierwohl ausgelegte Gastronomie bekam die Festwirtschaft auf dem Biolandhof Schmid nun eine Auszeichnung.

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Seit acht Jahren zeichnet die Schweisfurth-Stifung im Namen der Erzdiözese München und Freising sowie der evangelischen Kirche Betriebe aus, die auf tiergerechte Haltung setzen. Nun ging die „Tierschutzkochmütze“ an Christa und Andreas Schmid. Sie betreiben auf ihrem Biolandhof in Biberach bei Roggenburg eine Festwirtschaft. Das Rindfleisch stammt aus der eigenen ökologischen Tierhaltung. Und: „Es kommt nur saisonales Gemüse auf den Tisch“, wie Christa Thoma-Schmid betont.

In der Region bekannt wurden die Schmids nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl 1986. Die radioaktive Wolke hatte damals das Erdreich und das Gras auch in vielen Gegenden von Schwaben kontaminiert. Und damit auch die Milch der Kühe, die das Gras fraßen. Schmids verfütterten damals allerdings Heu aus der Ernte vom Vorjahr – vor der Kontamination. Bis aus Ulm kamen Familien, um für ihre Kinder die damals schwer erhältliche saubere Frischmilch zu kaufen. Der Weg des Familienbetriebs zur artgerechten Tierhaltung mit Gastrobetrieb hatte jedoch schon 1984 begonnen – als Andreas Schmid den Hof von seinem Vater übernahm. Andreas Schmid senior hatte bereits im Rahmen eines Projekts der Fachhochschule Freising einen für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Freilaufstall für seine Milchkühe eingerichtet. Zweck war, das Tierwohl zu erhöhen und Arbeit einzusparen.

Andreas Schmid, der Nachfolger, kam bei der katholischen Landjugendbewegung mit Ökothemen in Berührung. Christa Thoma-Schmid stammt aus Buch und war in ihrem damaligen Lebensmittelpunkt in Augsburg in der dortigen Öko-Szene aktiv. So lag es nahe, dass das Paar den Betrieb 1989, vier Jahre nach der Heirat, ganz auf Bioproduktion umstellte. Das heute zweite Standbein, die Festwirtschaft, hat Mitte der 90er Jahre erstmals Formen angenommen. Christa Thoma-Schmid bereitete für eine Veranstaltung der Staudengärtnerei Gaissmayer in Illertissen Gerichte mit heimischen Kräutern zu. „Dieter Gaissmayer fragte mich damals, ich habe es dann ausprobiert.“

Im Jahr 2000 bauten die Schmids den ans Wohnhaus angeschlossenen Kuhstall zum Veranstaltungsraum um. Ihre rund 30 Köpfe zählende Herde bekam einen Feiluftstall hinter dem Haus. Für schmackhaftes Fleisch bekannte Angus-Rinder wurden eingekreuzt – Milch produzieren die Schmids seither keine mehr. „Die Investitionen für einen neuen Milchkuhstall wären zu hoch gewesen“, erläutert Christa Thoma-Schmid. So entschieden sich die Biolandwirte für die Aufzucht von Kälbern – diese leben in den ersten neun Monaten bei der Mutter und werden nach 20 Monaten geschlachtet. Wichtig war dem Paar zunächst, eine Hofführung hinzubekommen, die die vier Kinder nicht aufgrund hoher Investitionen zum Weiterführen des Betriebs verpflichtet. In der Folge nahm der Gastrobetrieb immer mehr an Fahrt auf. Hochzeiten, Seminare und Festgesellschaften mieteten den Veranstaltungsraum und ließen sich von Christa Thoma-Schmid ökologisch bekochen. „Immer mehr Menschen legen Wert auf den ökologischen Fußabdruck, auch bei Essen“, ergänzt sie. Seit 2003 bieten die Schmids Buffet-Veranstaltungen mit unterschiedlichem Speise-Motto an. Außerdem beliefert die Festwirtschaft auch Veranstaltungen andernorts: mit Biofleisch, aber auch mit vegetarischen und veganen Gerichten. Wichtig ist der Familie, dass ein Fest mit ökologischen Zutaten nicht teurer wird als eines in der konventionellen Gastronomie. „Es soll niemand sagen, Öko kann man sich nicht leisten.“ Oder Zutaten nach dem Fairkauf-Prinzip.

Natürlich müsse man sich auch als Biolandhof und -gastronomie immer wieder etwas Neues einfallen lassen: Von diesem Jahr bieten die Schmids Küche mit Kulturveranstaltungen. Im Juli steht ein Abend mit Gerichten sowie Poesie und Musik aus Südamerika auf dem Programm. Bereits im Mai treten die Ulmer Showbuddies mit Improvisationstheater im ehemaligen Kuhstall auf. Dazu servieren die Schmids dann einen vegetarischen Imbiss.

Stiftung zur Förderung der Agrar- und Ernährungskultur

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