Falsch beraten, tief frustriert: Schlechte Erfahrungen mit der Agentur für Arbeit

Auch Behörden machen Fehler. Ein Fehler der Agentur für Arbeit hat Rosemarie Heigl aus Illerrieden "jahrelangen Stress" beschert. Zudem ist ihr Vertrauen zur Agentur weg: "Da will ich nicht mehr hin."

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Rosemarie Heigl hat lange auf das Arbeitslosengeld warten müssen. Foto: Matthias Kessler

Dieses Gespräch im Januar 2012 bei der Agentur für Arbeit in Ulm hat Rosemarie Heigl in besonders schlechter Erinnerung. Statt eine Arbeitsstelle oder wenigstens eine Schulung oder Weiterbildung anzubieten, habe ihr die Mitarbeiterin geraten, eine ehrenamtliche Tätigkeit zu suchen. Als langsamen Wiedereinstieg ins Berufsleben. "Da hab ich schon genug gehabt", sagt Rosemarie Heigl.

Ihr Ausstieg aus dem Berufsleben gut sechs Jahre zuvor war hingegen abrupt gewesen. Wegen einer Beinamputation sei ihre Mutter zum Pflegefall geworden, sagt die Illerriedenerin. Da auch der Vater pflegebedürftig war, habe sie sich Ende 2005, zwischen Weihnachten und Neujahr, entschlossen, ihre Stelle bei der Ulmer Filiale der Bundesbank zu kündigen. Nach 28 Jahren im Beruf. Anfang 2006 meldete sie sich bei der Agentur arbeitslos, und damit begann eine Geschichte der Irrungen und Wirrungen.

Weil sie sich ausschließlich um die Eltern kümmern wollte und somit für den Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stand, habe die Auskunft gelautet: kein Arbeitslosengeld. Möglicherweise hätte Rosemarie Heigl aber Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV) gehabt, darauf habe sie Mitarbeiterin der Agentur jedoch nicht hingewiesen.

Als mindestens ebenso schwerwiegend sollte sich ein weiteres Versäumnis der Agentur herausstellen: Seit dem 1. Februar 2006 besteht die Möglichkeit zur freiwilligen Arbeitslosenversicherung. Darauf hätte Rosemarie Heigl aufmerksam gemacht werden müssen, räumt Georg Fischer ein, bei der Arbeitsagentur in Ulm Geschäftsführer Operativ. Die Mitarbeiterin habe von der zum Zeitpunkt des Gesprächs unmittelbar bevorstehenden Gesetzesänderung wohl nichts gewusst. "Frau Heigl wurde nicht richtig beraten", gibt Fischer zu.

Die Folgen stellten sich ein, als Rosemarie Heigl nach dem Tod ihrer Eltern wieder eine Arbeit suchte. Bei der Agentur bekam sie nicht nur den Ratschlag, sich im Ehrenamt auf einen Beruf vorzubereiten. Sie musste auch erfahren, dass sie nunmehr Arbeitslosengeld erhalten würde, wenn sie denn die freiwillige Versicherung abgeschlossen hätte.

Um dieses Versäumnis wettzumachen, musste Rosemarie Heigl den "Antrag auf Versicherungspflichtverhältnis" ausfüllen. Am 20. März 2012, dem letzten Tag der Abgabefrist, lieferte sie den Antrag persönlich bei der Agentur ab. Bereits einen Tag später formulierte die Behörde den Ablehnungsbescheid. Wahrscheinlich seien die Unterlagen nicht rechtzeitig an die Sachbearbeiter weitergeleitet worden, lautete später die Auskunft.

Rosemarie Heigl legte Widerspruch ein. Die Agentur wiederum verlangte noch eine Arbeitsbescheinigung ihres früheren Arbeitgebers sowie Auskunft darüber, von welcher Mitarbeiterin sie Anfang 2006 falsch beraten worden war.

Bis März dieses Jahres herrschte daraufhin Funkstille zwischen der Illerriedenerin und der Leistungsabteilung der Behörde. Am 9. April schließlich waren die Unterlagen auf rückwirkende Arbeitslosenversicherung komplett und zwei Tage später wurde dem Antrag auch entsprochen. Für Rosemarie Heigl bedeutete das als erstes: Beiträge nachzahlen. Vom 1. Februar 2006 bis zum Ende ihrer Zeit als Pflegende im Dezember 2011 waren das etwas mehr als 650 Euro.

Seit 8. Mai bekommt Rosemarie Heigl nun Arbeitslosengeld, mit fast eineinhalb jähriger Verspätung. Auf die knapp 580 Euro im Monat ist sie dringend angewiesen. Ebenso wichtig aber ist für sie, endlich wieder ein Arbeitsplatz zu finden, "das steht für mich im Vordergrund". Ob die Agentur jetzt helfen kann, bezweifelt die 53-Jährige: "Eigentlich will ich da nicht mehr hin."

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