Fahrplanwechsel: Zwei Züge zusätzlich für Amstetten?

|

Das Land Baden-Württemberg bewegt sich doch, zumindest ein bisschen: Im Verkehrsministerium in Stuttgart war am Donnerstag die Rede davon, dass zwei der künftigen Zugverbindungen auf der Filstalbahn zwischen Ulm und Geislingen verlängert werden sollen. Das Angebot könnte somit verdichtet werden, weil damit zusätzliche Bahnhalte wie etwa Amstetten bedient würden: einerseits mit der Regionalbahn (RB) von Geislingen West nach Ulm, Abfahrt 12.10 Uhr, und mit einer zweite RB von Ulm nach Geislingen, ab 13.10 Uhr.

Seit zwei Jahren versuchen Amstetten, Lonsee und der Alb-Donau-Kreis zu verhindern, dass zum Fahrplanwechsel in knapp zwei Wochen etwa die Hälfte der Zugverbindungen am Bahnhalt Amstetten ersatzlos gestrichen werden, darunter auch der stündliche fahrende Regionalexpress auf der Strecke.

Ob die Region oder das Land die Kosten für die zwei möglichen Verbindungen trägt, ist nach Angaben von Ministeriumssprecher Edgar Neumann offen, der Betrag sei aber überschaubar. Ohnehin müsse das Land zunächst den Anbieter, die DB Regio – ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn – beauftragen, prüfen zu lassen, ob das innerhalb des Fahrplans überhaupt machbar ist. Wie lange diese Prüfung dauert, war am Donnerstag unklar. „Ziel der Umsetzung ist aber Dezember 2017“, sagt Neumann – und meint damit den Fahrplanwechsel Ende nächsten Jahres. Für die Pendler am Bahnhalt Amstetten verbessert sich also zunächst sowieso nichts, im Gegenteil: Sie müssen sich auf ein deutlich dünneres Angebot einstellen. Von der möglichen geringfügigen Verbesserung konnten sie am Donnerstagmorgen ohnehin noch nichts wissen.

Dort, am Bahnhalt Amstetten, warten am frühen Donnerstag morgen etwa 15 Pendler am Bahnsteig. „Ich steige aufs Auto um“, sagt Elmar Kerler in die kalte Morgenluft hinein. Erstmal aber wartet er auf die RB 6.36 Uhr nach Salach. „Ich habe mir extra ein Auto gekauft“, sagt der 48-Jährige aus Hofstett-Emerbuch, einem Teilort von Amstetten. Er könne zwar künftig in Geislingen umsteigen, aber das ist ihm wegen Verspätungen zu unsicher. Außerdem sei der Rückweg nach Feierabend noch schlechter, da müsse er in Geislingen 20 Minuten im Zug sitzen und warten, bis die Fahrt weiter gehe.

Um 6.39 Uhr fährt Kerlers RB ein, etwa zehn Leute steigen mit ihm ein, danach ist der Bahnsteig leergefegt. Auf dem Parkplatz um den Bahnhof reiht sich Auto an Auto, nur ab und an klafft noch eine Lücke in der Reihe aus Blech. Die Stellplätze sind begehrt, hier parken Pendler kostenlos.

Ellen Wagner wird künftig darauf verzichten. Noch fährt die 20-Jährige mit der RB 6.54 Uhr, um mit dem IRE 7.17 Uhr ab Geislingen nach Stuttgart zum Studium zu fahren. Künftig investiert sie den Fahrpreis Amstetten-Geislingen ins Parkticket fürs Auto in der Fünftälerstadt.

Hinter der nächsten Ecke zieht Dieter Massar an seiner Zigarette, während er auf die RB 7.17 Uhr nach Ulm wartet. „Das ist ganz große Scheiße“, sagt der Bräunisheimer. Er ist Lokführer eines Zugunternehmens im Badischen, fährt jeden zweiten Tag nach Ulm. Noch. „Ich stehe dann eine halbe Stunde früher auf.“ Er nehme den Interregioexpress um 6.43 Uhr nach Ulm – einer von drei IRE, die nach dem Fahrplanwechsel in Amstetten halten. In Ulm wird Massar dann 40 Minuten warten, bis sein Zug nach München abfährt.

Auf Bahnsteig 1 tummeln sich mittlerweile 80 Schüler und Pendler, alle warten auf den gerade einfahrenden Regionalexpress (RE) 7.25 Uhr nach Geislingen. Mit den Schülern steigt auch Josef Meyer aus Westerstetten ein. Ein bis zwei Mal die Woche fährt der Mitarbeiter einer Bank nach Göppingen. Von der Streichung seines Zugs hat er bislang noch nichts mitbekommen. „Was machen denn dann die vielen Schüler?“ Er könne ja einfach mit dem Auto fahren, aber der Zug sei zur Stoßzeit deutlich angenehmer, sagt er noch, dann knackst die Sprechanlage. Der Schaffner lässt die Fahrgäste wissen, dass der Zug nun eine Minute Verspätung habe – und die Schüler schuld seien, denn die hätten zum Einstieg nur eine statt alle Türen benutzt.

Vom 12. Dezember an hat zumindest der Schaffner in diesem Zug ein Problem weniger. Dann müssen die Schüler statt dem RE eine RB nach Geislingen und in Richtung Stuttgart nehmen.

Reaktion Die Schulleiter der drei weiterführenden Geislinger Schulen beraten heute darüber, wie die Schulen auf den Fahrplanwechsel Mitte Dezember reagieren. Im Gespräch ist unter anderem, den Schulbeginn an den neuen Fahrplan anzupassen. Details sind aber noch offen.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden