Exkursionen in die Tiefe ausgebucht

|
Einstieg in die Unterwelt: Teilnehmer der Jahrestagung steigen hinab in die Marterenhöhle.  Foto: 

Die Oberflächen-Wanderungen waren am Donnerstag nicht ausgebucht. Bei hohen Temperaturen krochen die Teilnehmer der Jahrestagung des Verbands deutscher Höhlen- und Karstforscher lieber in die Tiefe. „Alle Höhlenexkursionen sind bis zum Anschlag voll“, meldete Richard Frank vom Höhlen- und Heimatverein Laichingen kurz vor 11 Uhr, als alle 130 Gäste den jeweiligen Touren zugeordnet waren. Zuvor hatte Hochbetrieb geherrscht im Tagungsbüro im Foyer der Daniel-Schwenkmezger-Halle. Höhlenforscher aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland hatten sich im Büro gemeldet und ihr Namensschildchen abgeholt.

Oliver Kube war am Morgen von Frankfurt aus auf die Alb gefahren. Er ist Leiter der DAV-Höhlengruppe Frankfurt/Main, die seit 25 Jahren im 800 Meter tiefen und 11,5 Kilometer langen Loferer Schacht im österreichischen Bundesland Salzburg forscht. Er hat sich für den Ausflug in die Laierhöhle bei Geislingen angemeldet, die als zweittiefste Höhle der Alb immerhin 127 Meter weit abwärts führt. Noch tiefer ist auf der Alb nur die Berghülener Hessenhauhöhle, die mit ihren 148 Metern als tiefste deutsche Höhle nördlich der Alpen gilt und im Wassereinzugsgebiet des Blautopfs liegt. „Ich hätte mich auch für die Blautopfhöhle interessiert“, sagt Kube. Diese steht aber nicht auf dem Programm, weil dort Befahrungen nur zu Forschungszwecken genehmigt werden. Neben dem Kennenlernen der Karstlandschaft hat die Jahrestagung des Bundesverbands, in dem 100 regionale Vereine, sieben Landesverbände und 500 Einzelmitglieder organisiert sind, für Oliver Kube einen weiteren Aspekt: „Wir treffen hier viele Forscherkollegen.“

Stefan Voigt kommt aus der „höhlenreichsten Stadt Deutschlands“, wie er sagt, aus Ennepetal im Sauerland. In dem kleinen Kalkgebiet dort gebe es immerhin Höhlen mit einer Länge von insgesamt 16 Kilometern. Mit Interesse hat er in den vergangenen Jahren die Berichte von den Neuentdeckungen auf der Alb verfolgt. „Wir dachten immer, im Schwabenland passiert nichts mehr“, sagt der Sauerländer. Das habe sich aber mit den Entdeckungen im Blautopf-Gebiet geändert.

Nicht ins große Blauhöhlen-System, sondern in die weniger bekannte Marterenhöhle bei Laichingen führt Harald Scherzer acht Tagungsteilnehmer. Er entfernt einen Schachtdeckel, darunter öffnet sich ein zehn Meter tiefer Schacht, der in die 211 Meter lange Höhle führt. Sie wurde vor etwa 30 Jahren bei der Flurbereinigung entdeckt und enthält viele Fossilien. „Es ist Zeit, dass wir reingehen“, sagt einer der Forscher, der sich schon seinen Anzug, genannt Schlaz, übergezogen hat und und ins Schwitzen kommt. Er geht als Erster in die Tiefe, wo es stets ungefähr acht Grad kühl ist. Wenig später folgen Anja Frick und Georg Fleischmann aus Radolfzell, die übers Felsklettern zur Höhlenforschung gekommen sind. Für Georg Fleischmann zählen nicht die größten Hallen und die schönsten Tropfsteine: Wer in ein Loch abtauche und von der Dunkelheit umschlossen werde, lasse den Alltag hinter sich, sagt er. „Man gewinnt Ruhe.“

Viele Helfer auf den Beinen

Für die rund 75 Mitglieder des Höhlen- und Heimatvereins Laichingen, die für das Gelingen der Jahrestagung und für den eigenen Jubiläums-Festabend (am Freitag, 20 Uhr, Daniel-Schwenkmezger-Halle) auf den Beinen sind, wird es erst nächste Woche wieder ruhiger. Sie leiten selber Führungen, haben am Donnerstag für die Gäste einen Grillabend bei der Tiefenhöhle organisiert, stellen morgens ein Frühstück für 200 Personen in der Daniel-Schwenkmezger-Halle bereit und sind bei vielen anderen Diensten gefordert. Gut, dass gerade Pfingstferien sind, meint Vorsitzender Rolf Riek. So konnte die Stadt Laichingen den Höhlenfreunden nicht nur die Daniel-Schwenkmezger-Halle zur Verfügung stellen, sondern auch die Räume des Albert-Schweitzer-Gymnasiums. Die dienen als Massenquartier.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ende der möglichen Jamaika-Koalition kam für viele Ulmer überraschend

Umfrage: Einige Passanten hätten sich eine Einigung gewünscht, manche finden das Handeln der FDP jedoch konsequent. weiter lesen